Marpa-Mutmacher

und andere Glücksfälle

Falls Sie einen Satz gefunden, gelesen, selbst formuliert haben, der Sie und vielleicht sogar andere in Ihrem Umfeld ermutigt, ermuntert, ja sogar für einen Augenblick glücklich machte, falls Sie einen Glücks-Tipp, ein Glücks-Erlebnis beisteuern möchten, freue ich mich und publiziere Ihr Bild, Ihren Text gerne hier unter Angabe der Herkunft, falls Ihnen das recht ist. Es geht nicht um allgemeingültige Weisheiten, sondern um ganz persönliche, individuelle Momente, in denen uns das Glück trifft wie ein Blitz, wie eine warme Ladung Sonnenstrahlen, wie ein Lächeln eines Kindes...

Jaja, die Rubrik gab's doch schon mal - aber Anita wollte sie wieder und steuerte das erfrischende Wort 'Marpa-Mutmacher' bei - wer könnte da widerstehen? Ganz wichtig: es müssen gar nicht zwingend Buchstabensuppen sein, die Sie mir zustellen. Bilder sagen bekanntlich oft mehr als tausend Worte. Klar gäbe es auch Düfte, ein Geschmack auf der Zunge, frische Winde, Berührungen, ja schlicht die Ausstrahlung eines anderen Wesens, die alle das Zeug zum Mutmacher haben. Für all das braucht es Übersetzungsvorgänge in Bilder und Worte, da wir leiderleider alle anderen Kommunikationsformen noch nicht elektronisch übermitteln können. Ich sage 'noch nicht', denn sobald die Versessenheit und der Glaube an die einzig seligmachenden Kommunikationsmittel Sprache und Bild dereinst ein wenig abnehmen und die erwähnten anderen Kommunikationsmodi vermehrt Zuwendung erfahren, wird die Technik sie auch transportfähig machen. Auch Technik ist nicht nur eine Frage des Könnens, sondern mindestens so sehr eine Frage des Wollens.

Aber vorläufig müssen wir uns damit begnügen, auch so etwas Wundervolles wie Charisma, Ausstrahlung, Energie eines Wesens über Bild und Text zu vermitteln versuchen. Lassen Sie doch einmal die wenigen folgenden Bilder auf sich wirken. Vielleicht kommt ja etwas aus dem vermeintlich toten Gerätchen heraus und durchrieselt Sie beim Betrachten? - Und wenn nicht, ist das kein Grund zur Aufregung. Denn es ist eine Auswahl, die durch meinen subjektiven Filter gegangen ist: fast alle stammen aus meinen Lebenswelten 'Tiere' und 'Bühne'. Sie dürfen selbstverständlich einen ganz anderen haben - ich hoffe es sogar, denn so kann ich meinen Horizont erweitern, wenn Sie mir Ihre Mutmacher-Bilder und -Texte zustellen.
Und sowieso: wir haben alle Zeit der Welt.

Munterstens Ihren Mutmachern entgegensehend:
info@marpa.ch
oder
Tel +41 (0)79 430 57 67

 

Mutmacher-Texte...

Manchmal braucht es ein wenig Mut um auf etwas hinzuweisen, was man als Missstand zu erkennen glaubt. Den Mut, zu sich selbst und seiner Weltsicht zu stehen. Kunst in allen Formen bietet Möglichkeiten dazu. Z.B. kann man seine Ansicht in Versform kundtun. Die Gedichte im Appezöller-Dialekt sind - vorläufig! - alle von Anita Glunk, und wenn jemand findet, da sei doch ab und zu ein Gemix von Innerrhödler und Ausserrhödler Mundart oder gar noch ein Schuss Toggenburgerisch drin, dann darf er gern mit Anita Kontakt aufnehmen: anita.glunk@zung-design.ch

 

Schnägge


S git Schnägge, die tröume
zwüsche de Böume
u angersnöime,
dass sie’s versöume,
im Läbe
eini z’häbe
u zäme z’chläbe
aber äbe….

sött mer zwüsche de Böume
u angersnöime
nid tröume
vom Versöume,
sondern im Läbe
eini häbe
u zäme chläbe
aber äbe….

Die Appezöllere Anita Glunk kann auch Berndeutsch! Und sie nimmt mit ihrem Schnägge-Poem natürlich die vielleicht etwas gar schwärmerisch geratene Lobhudelei Housis aus den 80-er Jahren über die Vielseitigkeistreiterei auf die Schippe:

Military-Rösseler

S'git Lüt, die tröime
Zwüsched de Böime
Si sigid nöime
Ganz angersch

Ire Zit ohni Chips
Ohni Redli u Träht
Imne Land ohni Niid
Ohni Ängi u Zwäng

U si presche vergnüegt
Über Fälder u Flure
Dür Büsch u dür Wälder
Dür Dickicht u Bäch

U si häschele, päschele
Weide u schaffe
All Arte vo Arbeit
U artgrächter Büez

Die Ross heis wie Chünge
Prinzässinne, Stars
Si frässe nu ds'Bescht
U Hüüffe drvo

U zwöi-drümal ds Jahr dur
Da trätte si uf
Für nüt alls für d'Freud
U für ds zeige wos stöh

U de tröime si wieder
U gloube s'sig nöime
In Böime
En angeri Zit

 

Freudig erregte Gedanken eines Appenzeller Bauern beim Anblick einer
Gruppe von Reitern und Reiterinnen

Log dei chönd's, die mit de Chöle,
vedreckid alls mit erne Bölle.
Riite tönd's, schtatt näbis schaffe,
lueg's gad a, die huere n'Affe.
Latschid döri, ohni grüesse,
wartid no, seb mönd er püesse,
wör mer denn no seltse seh,
gäb's de Aschtand nomme meh.
Bläss chom usi, ond denn zui,
cha denn all no säge pfui.
(Anita Glunk/August 2010)

 

Hommage an die Frauen

Das ewig Weibliche, so heisst's, zieht uns hinan
ein jeder folgt dem starken Sog, so gut er kann
und bleibt doch immer wieder stolpernd, strauchelnd stecken,
rennt hinterher dem schönen Weib, dem lockend-kecken,
statt Weiblichkeit im eignen Herzen zu entdecken.

Es gälte Weibliches, nicht Frauen zu erjagen,
denn dies bleibt meist ein Traum, ein unerfülltes Plagen
und in so manchem wagemut'gen Männerleben
ein stetig', doch nicht von Erfolg gekröntes Streben.

Das Fazit lautet drum für manchen schlicht:
Ich liebte euch – doch ich verstand euch nicht.
(cam, 2010)

 

1. August

Chlepft ond tätscht ond d'Welt goht onder,
isch vill schlimmer als de Tonder.

Knallt ond hület ond tot rüüche,
s'Höndli wäs nöd wo vechrüüche.

Lueg'd mi a, i gsiehs mi froge,
wo fend i Schlof, wo chan is woge?

Höndli chom i ha e Plätzli,
lig du gad zo mer, mis Schätzli.

Schnuuf ganz tüüf ond schlof denn i,
morn isch guet, morn isch vebii.
(Anita Glunk)

 

 

D'Berg
D’Nacht isch lang gseh, voller Schmerz,
wirr min Chopf ond schwär mis Herz.
I lueg i d’Berg, sie rüefed mer,
chom zo ös, mer helfed der.
Säg wa trockt, mer gend der Muet,

lueg ös a ond alls werd guet.
(Anita Glunk)

 

Fraue ond Chüe
Sät de Ma, du choge Chue,
lo mi etz emol in Rueh,
werd bi ös kä Frau nervös,
denn sie wäs, am meischte Müeh
geht de Ma sich mit de Chüeh.
(Anita Glunk)

 

Of em Bänkli
Of em Bänkli send mer g‘sesse,
hend dei wölle d’Ziit vegesse,
hesch mi g’hebet, i di au,
hesch mer g‘sät, wer mini Frau.

Of em Bänkli send mer g‘lege,
trotz em Gwitter, trotz em Rege,
hesch vo dine Trömm vezellt,
ha der g‘sät, du bisch min Held.

Of em Bänkli send mer g‘chnület,
du hesch prüelet, i ha g‘hület,
hesch mi g‘hebet, i di au,
hesch mer g‘sät, i gang etz, tschau

Of em Bänkli bin i g’schtande,
ha di g’seh dei hine lande,
hesch mer g’ruefe, hoi min Schatz,
chome gad, i bis, din Schpatz.
(Anita Glunk)

 

Pschötte
Bitte Herr, to s‘ Wetter segne.
Mach dass chont recht fescht go regne.
Denn chan i pschötte, judihui,
ond niemet sät, do schtinkt‘s, wäh pfui.
Mis Bächli schwemmt sie fort, die Brüeh.
Ond bald isch d’Wes scho wieder grüe.
Ond isch vebi de Regetag,
isch alles i de Kläralag. 
(Anita Glunk, 29.7.2010)

Ganz im Sinne der Multikulti-Schweiz mit ihren vielen herrlich individuellen tonfarbenprächtigen Dialekten folgt ein Mutmacher-Poem in Berndeutsch. Autor ist Housi Moser, der legendäre Berner Strassenphilosoph, den schon einige gehört, aber noch niemand gesehen haben will.

    S'git Lüt, die wei...
    S'git Lüt, die wei - aber si chöi nid
    U s'git Lüt, die chöi - aber si wei nid
     S'git Lüt, die wei mir - aber si chöi nid
    U s'git Lüt, die chöi mir - aber si wei nid
     S'git Lüt, die wette chönne - aber si chö nu welle
    U s'git Lüt, die chönnte welle - aber sie wei nu chönne
     S'git Lüt, die wette chönne welle - aber si chö nu welle wette
    U s'git Lüt, die wette chönne welle wette - aber si chö nu welle chönne chöie
     Uf all Fäll - git's e Huuffe Lüt...


    (cam, 1979)

    Ein ähnlicher Gedanke - aber mit dem herrlich rässen Geschmack des Appenzeller Dialekts:

    Geht äsig wo tönd
    will’s mönd
    ond nöd will’s wönd.
    Drom cha s seh, dass nöd chönd.
    (Anita Glunk)

     

     

    Mutmacherbilder...

     


    (Foto Daniela Melileo)


    (Fotos Tamara Acklin)


    (Anita Glunk)

     

     

    29.7.10


    (C. Meier)


    (Andreas Zihler)


    (Tamara Acklin)


    (Honigleu Inc.)

     


    (C. Meier)

     


    (Andreas Zihler)


    (Tamara Acklin)


    (Tamara Acklin)


    (Tamara Acklin)


    (C. Meier)


    (C. Meier)

     

     

     

     

    ...und Glücksfälle

    Housi Moser hat sich natürlich auch schon Gedanken übers Glück gemacht. Dass er sich dabei verheddert, kann niemanden verwundern, der ihn kennt:

    Housi Moser – Glück

    S'git Lüt, die hei Glück
    U s'git Lüt, die wei Glück

    S'git Lüt, die sueche ds Glück u gfinges niened
    U s'git Lüt, die gfinges Glück – u heis gar nie gsuecht!

    S'git Lüt, die si gäng hingerem Glück här – u wärde vom Päch verfolgt
    U s'git Lüt, die si hinger gar nüts här – u wärde vom Glück verfolgt!

    S'git Lüt wo ds Glück gäng echappiert we si meine si chönnis pha
    U s'git Lüt, di si eifach im Glück we dr Hans im Glück,

    Also äbe nid dä chrotechrüz unzfride Tonners-Housi im Schnäggeloch!
    I meine dr Housi im Glück, wo gäng iverstangen isch, öb er itze öppis het oder nid, wo eifach drinnen isch im Glück oder ds Glück in ihm drinne

    Wo o ne Housine cha si
    Wo überhoupt ke Name mues ha
    Wo gar nüts mues ha u pha

    Ja das müessti ga mit däm Verschwinde vom Name, vom Wort, vom Zeiche

    Jetz nä mer mal ds Glück ir Schnüerlischrift:
    Stelled nech vor, die beide ü-Pünktli purzle i das 'u' ache wo sech bimne Haar verschlückt dranne u dr Glucksi bichunt wills ume no Gluck heisst

    U wills Schnüerlischrift isch u die ü-Pünktli amne fiine Schnüerli am 'l' u am 'c' agmacht si ziets die beide o ids 'u' ache, s'heisst ume no 'Guk'

    O ds agschnüerlete 'k' u ds grosse 'G' schletzts i das 'u' iche
    U decklets zue, macht es 'o' drus, es Chreisli

    U drininne isch ds ganze Glück, i dem chugelirunde 'o', a eim Huuffe si alli die Pünktleni, Strichleni u Bögleni linksume u rächtsume

    Vermixe sich, verbinde sich, reagiere mitenang, s'git en Implosion
    Das Chugeli dehnt sich us über die ganz Wält bis es nüts me git wo dussen isch

    Oder es schmüürzeled zäme bis es nüts me git, wo drinnen isch,
    E winzige Punkt, en unäntlech chline Ort wo kei Ort isch u alli Ort
    Wo nüt me isch u alles zuglich, wo immer isch u nie, wo isch u nid isch

    U am Schluss blibt nu ds Värsli vom Housi im Glück u o das schmüürzeled zure Sag, zumne Gfüel wo me ume no vom Ghöresäge kennt - u chunt plötzlech wider füre

    Aus verschmitzts Ougezwinkere vomne Meitschi


    (Foto: Erik Benitez)

     

    In Anlehnung an die schnucklige Comic-Serie 'Liebe ist...' begannen wir mal mit einem Analogieversuch mit Glück. Comic-ZeichnerInnen gesucht! Bis eine gefunden ist, behelfen wir uns ab und an mit einem Föteli...

    Glück ist...

    ...schöne vergangene Erinnerungen ins Hier und Jetzt zu holen, sie lebendig werden zu lassen, mit dem Wissen, dass dabei die Zeit keine Rolle spielt
    (CW)


    ...sich an einen direkten Augenkontakt erinnern zu können und das Erlebte als Erinnerungsenergie wieder erwachen zu lassen und zu geniessen
    (CW)

    ...die Zeit auszutricksen und reine Gegenwart zu erleben

    ...Ferien vom Ich zu machen

    ...eine Angst zu überwinden

    ...die Potenzialität - die Möglichkeit und die Kraft - von weltumarmenden Ideen und Gedanken zu spüren

    ...die Gelassenheit eines alten Wesens, sei es Mensch oder Tier

    ... einen Freund zu haben - und Freund zu sein

    ... nach dunkler Nacht ein heller Morgen

    ... nach strengem Tag ein Feierabend

    ...einfach SEIN, in wacher Gegenwärtigkeit (von Pelli)

    ...der weichwarme Bauch eines jungen Hundes

    ...wenn die Fahrtwind-Tränen des Reiters im Galopp nach oben wegfliegen

    ...der Geruch von Wald

    ...das wache Blitzen in den Augen eines Kindes

    ...die Liebe für etwas zu teilen

    ...die Lust eines Pferdes zu spüren, wenn es mit Leichtigkeit über ein Geländehindernis fetzt

    ...zu spüren, wie sich selbstgezogene Grenzen auflösen