14.9.09/cam. Es zeigte sich an diesem Championat der Junioren und Jungen Reiter, dass auch bereits auf dieser Stufe hohe Ansprüche an Pferde und Reiter in allen drei Disziplinen gestellt - und von den Besten auch erfüllt - werden. Wer nur gerade in einer der drei Disziplinen mithalten kann - sei es wegen reiterlichen Mängeln oder mangelnden Qualitäten seines Pferdes - gewinnt heute keinen Blumentopf mehr. Dies bedeutet, dass die Ausbildungsanstrengungen erhöht werden müssen. Es wäre meines Erachtens Aufgabe jedes einzelnen Championatsteilnehmers und seines Trainings-Umfelds, ganz unaufgeregt und sachlich die Leistungen der Saison zu analysieren, die Mängel bei Reiter und Pferd(en) aufzulisten und einerseits die Massnahmen zur Behebung der Mängel zu planen und dann gezielt umzusetzen - oder aber die Ziele bescheidener zu stecken. Dies gilt natürlich für die Elitereiter genau so wie für Junge Reiter und Junioren. Nicht alle Mängel sind behebbar. So kann der Erwerb eines Pferdes, das sich für grosse Aufgaben eignet, schlicht das Budget sprengen. Aber in den allermeisten Fällen liegt es viel weniger an den Pferden als an der Lern- und Leistungsbereitschaft der Reiter. Oft sind auch fundamentalistisch anmutende mentale Blockaden vorhanden, sei es in den Köpfen von Reitern oder ihren Betreuern, die Lernprozesse behindern. Es gibt tatsächlich nach wie vor helvetische CC-Reiter, die z.B. behaupten, ihr Pferd 'ertrage' nicht mehr als einmal pro Woche Dressurtraining. Es gibt auch immer noch Reiter, die steif und fest behaupten, man müsse beim Springen keine Distanzen sehen, das Pferd mache das dann schon allein. Und auch die Überzeugung, Fitnesstraining für den Reiter sei nicht nötig, das Pferd müsse ja 'seckle', ist noch nicht ausgestorben. Als ich die ehemalige Europameisterin der Jungen Reiter, die Deutsche Anna Topf, einmal fragte, wie oft sie Dressur arbeite pro Woche, schaute sie mich entgeistert an, wie wenn ich eine völlig idiotische Frage gestellt hätte: "Jeden Tag natürlich! - Daneben mache ich halt auch noch Springgymnastik, Bergarbeit, Galopptraining, Parcourstraining, Ausreiten und vieles mehr, aber Dressur gehört doch immer dazu?!"
Und zur Fitness der Reiter: Wer durch die halbe Schweiz in ein Training fährt mit zwei Pferden und dann nach der ersten Trainingsstunde zu müde ist um das zweite Pferd zu arbeiten, sollte doch ganz dringend ins Fitnesstraining, oder nicht? Auch an die mentale Zähigkeit, ans Einsteckvermögen und die Frustrationstoleranz sollten beim CC-Reiter meines Erachtens hohe Anforderungen gestellt werden. Wer schon beim kleinsten Misslingen einer Lektion oder eines Sprungs losheult oder aufgibt, sollte in ein kleines Abhärtungs-Camp geschickt werden. Paul Weier und Georg Wahl waren in früheren Zeiten die idealen Adressen für das Hartkochen von Weicheiern. Heute trauen sich nur noch wenige Trainer, auch einmal Klartext zu reden mit Jammertüten oder völlig uneinsichtigen Schülern, die die Schuld fürs Misslingen immer ausserhalb und nie bei sich suchen. Ganz schwierig wird es, wenn Eltern oder sonstige zum Umfeld eines Reiters gehörende Personen ihren Schützling vergöttern und auf Händen tragen - und immer dann, wenn es für das verwöhnte Kind etwas anstrengend würde, den Trainer wechseln - die sicherste Methode, stehen zu bleiben.
Natürlich ist es jedem unbenommen, stehen zu bleiben und ein Leben lang nett in Basisprüfungen herum zu gurken. Das ist völlig in Ordnung, sollte aber auch klar kommuniziert werden. Für diese bekennenden Basisreiter braucht es aber weder aufwändige Fördermassnahmen noch Reisen um den halben Globus. Und im Laufe eines Reiterlebens dürfen sich die Prioritäten auch ändern. Es gibt einige Schweizer CC-Reiter, die so bis Zweisternprüfungen mithalten, angesichts der Anforderungen einer Dreisternprüfung aber die Waffen strecken. Es braucht Zivilcourage, dazu zu stehen und ich finde dieses Bekenntnis viel besser als mit der schieren Angst im Nacken sich an die grossen Kurse zu wagen. Zu den vielen Aufgaben guter Betreuer, Eltern, Trainer, Coaches, aber auch Equipenchefs und Verbandsverantwortlicher gehört es meines Erachtens, bei den ihnen anvertrauten Reitern immer wieder nachzuhaken, ob die Leidenschaft, der Wille, die Leistungsbereitschaft für das Weiterkommen im CC-Sport noch da sind - und wenn ja, in welchem Masse. So kann vermieden werden, dass Reiter am Schluss nur noch ihrem Umfeld zuliebe weiter machen, all denen zuliebe, die so viel tun für sie und meist auch so viel erwarten von ihnen.