2.2.10/cam.
Wie ich gehört habe, sind sämtliche Delegierten des SVPS - und das sind viele - persönlich beleidigt, weil auf unserer Seite von verschiedensten Seiten lautstark und von weiteren direkt beim Präsidenten und beim Generalsekretär des SVPS Kritik an der Einführung der internationalen Lizenz geführt wurde. Denn die Delegierten haben ganz offiziell diesem Vorhaben zugestimmt - und jetzt diese Rückenschüsse! Man mag den Beschluss falsch finden, aber er ging im 'ordentlichen Verfahren', sowie es zurzeit halt gültig ist, über die Bühne, finden die Delegierten - und sind zutiefst beleidigt, haben zu Hunderten gedroht, sie würden bei der nächsten Abstimmung das CC-Budget kürzen, den SEC-Präsidenten angerufen und ihm gesagt, er solle doch seine Kritiker da endlich zum Schweigen bringen....
Das ist natürlich alles frei erfunden und dient nur dazu, an einem gar nicht allzu fern liegenden Beispiel zu zeigen, dass einige nicht mit derselben Elle messen, je nachdem WER sich WORÜBER kritisch äussert. Das Beispiel kann aber auch illustrieren, wie sinnvoll die Reaktion des Beleidigtseins ist. Die Delegierten des SVPS sind wahrscheinlich kaum beleidigt, nur schon deshalb, weil ihnen das Gemotze von ein paar Leuten aus dem CC-Lager schlicht egal ist.
Nicht so bei den kritischen Gedanken zum Indoor-CC-Training in Avenches. Da sind sogar Leute beleidigt und greifen zur Feder und zum Telefon, die vor kurzem selbst als Kritiker des SVPS auftraten. Ohne vor Ort dabei gewesen zu sein, stellen sie sich mütterlich oder väterlich vor den, den sie angeschossen glauben und mit dem sie Mitleid haben.
Wieder einmal haben also kritische Äusserungen auf dieser Seite mehr Herzen als Hirne in Wallung gebracht. Einzig Brigitte Peterhans hat schriftlich zur Sache Stellung genommen und auch eine durchaus akzeptable Kritik an mir als Verfasser der kritischen Gedanken angebracht, dass nämlich das Lob zu kurz gekommen sei. Dabei hätte ich als alter militärischer Kommandeur doch wissen müssen, dass man bei jeder Übung, und sei sie noch so sehr in die Hosen gegangen, immer zuerst etwas Positives erwähnen müsse, und wenn es nur das Wetter sei.
Das habe ich inzwischen nachgeholt und Peter geschrieben. Gerade wenn man von jemandem schon unzählige tolle Geländestrecken gesehen und vor Jahresfrist auch ein tolles Indoor-Training erlebt hat, legt man halt die Messlatte höher als bei einem Nobody.
Hier geht es mir nun darum, einmal mehr auf den unterschiedlichen Umgang mit Kritik hinzuweisen. Man kann alles und jedes, nicht nur Kritik, sondern auch Lob oder sonstige Berichterstattung, ja sogar deren Ausbleiben persönlich nehmen, auf die agierenden Menschen, die hinter dem Beurteilten stehenden Personen beziehen. Das mag dann sinnvoll sein, wenn es um die Wahl von Personen in ein Amt geht. Aber in den meisten Fällen ist die Reduktion auf die Personen nur eine Ausflucht, um nicht zur Sache Stellung zu nehmen - aus dem einfachen Grund, weil man zur Sache vielleicht gar nichts zu sagen hat. Es ist der alte, täglich sichtbare Unterschied zwischen Boulevard und NZZ. Sobald eine Sache einen minimalen Sachverstand erfordert, um sie zu begreifen oder über sie zu schreiben, reduziert das Boulevard - im Hinblick auf sein Zielpublikum natürlich zu Recht - auf die Personen, zeigt beleidigte, wütende, frohlockende Gesichter; das gehobene Blatt spricht über die Sache - die Personen sind sekundär. Sie können das am Beispiel der Debatten rund um die Schweizerische Post anschauen: den geistig eher etwas weniger anspruchsvollen Leuten und Medien geht es um die Personen, den etwas Intellektuelleren um die zukünftige Ausrichtung der Post, die im Clinch zwischen Staatsauftrag und Unternehmerfreiheit steht.
Nun darf natürlich jeder selbst entscheiden, ob er lieber den Blick oder die NZZ zur Hand nimmt. Aber ich darf ebenfalls klar sagen, dass ich mich an der NZZ orientiere und nicht bereit bin, Boulevard-Bedürfnisse zu befriedigen. Im Unterschied zum SVPS-Bulletin besteht ja bei der SEC-Website kein Abonnementszwang, und seit dem 1.1.10 zahlt das Mitglied ja auch nichts mehr an den Unterhalt unseres SEC-Online-Mediums.
Abbestellungen, Austritte, Stammtischreden und Präsidentenbestürmung
Man kann natürlich eine Zeitung abbestellen, wenn je etwas drin steht, das einem nicht passt. Das geschieht täglich - jeder darf sich da selbst positionieren, ob dies das Niveau von Reaktion ist, das zu ihm passt. Die analoge Reaktion in einem Club wäre der Austritt. Man will in einem Verein, in dem X es wagt, Y zu sagen, nicht mehr dabei sein, jawolll. In der Regel trauert diesen Austretenden kaum jemand eine Träne nach und innert kürzester Zeit ist sowohl der Ausgetretene wie der Grund seines Austritts vergessen.
Medien in der freien Welt geben ihren Lesern bzw. Usern die Möglichkeit, sich zur Sache zu äussern auf Leserbriefseiten oder - wie wir hier - über das Feedback-Tool. Alle mir bekannten Medien mit minimalstem Niveau verlangen dabei, dass der sich Äussernde sich auch mit seinem Namen zu seinen Ansichten bekennt. Das heisst, es braucht schon etwas mehr Zivilcourage als nur am Stammtisch die grosse Rede zu schwingen. Was in weinbierkafifertigseliger Stimmung an helvetischen Tischen schon über sämtliche Protagonisten der schweizerischen Busch-Szene gelästert wurde, füllte ganze Büchergestelle. Es scheint mir eine spezifisch helvetische Art sein, sich Luft zu machen. Ebenfalls gang und gäbe ist der Weg hintenherum, also Einflussnahme über Präsidenten, Vorgesetzte oder sonstige Einflussreiche, die es "diesem frechen Cheib" oder eben "dieser frechen Cheibin" zeigen solle. Wir zeigen gerne mit Abscheu auf das Spitzelwesen in Diktaturen - dabei gibt es doch dieses Verpetzen oder gut schweizerdeutsch 'täderle' auch bei uns, und nicht nur im Kindergarten.
Also, ihr lieben emotional Aufgewallten, euch auf die Personen statt auf die Themen Fokussierenden, meine Botschaft ist ganz simpel: Äussert euch sachkundig zum Thema Training von CC-Pferden im Winter. Vielleicht hat jemand den Vortrag von Andreas Dibowski zu eben diesem Thema gehört, vielleicht hat jemand bei Stephan Döll ein Indoor-Crosstraining besucht, vielleicht erinnert sich jemand an letztes Jahr bei Peter. Eine klare Meinung dazu, die ich in die Debatte werfen möchte, hörte ich vorgestern in Bern vom ehemaligen CC-Disziplinchef und jetzigen SVPS-Vizepräsidenten Peter Christen, der findet, feste Hindernisse gehörten überhaupt nicht in eine Halle. Dafür gibt es - vor allem nach dem letztjährigen Debakel mit den 20 besten Paaren der Welt in England und dem Tod eines Viersternpferdes - durchaus Argumente.
Also meine Bitte: ad rem, non ad personam - oder zu gut Deutsch: "Schnurred über d Sach, nüd über d Lüüt!"
PS. Über die Wichtigkeit und Relevanz medialer Kritik im CC-Sport habe ich mich bereits einmal recht umfassend geäussert. Mir scheint, die damaligen Überlegungen hätten nichts von ihrer Aktualität eingebüsst. HIER DER LINK