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Spezielle Warnung für intellektuell Herausgeforderte
Man muss schon ganz leicht vom Wahnsinn gezeichnet sein, wenn man rund 2000 km Hinfahrt quer durch Europa auf sich nimmt, durch die Steinwüsten rund um Madrid und mit zweimaligem aufwändigem Übernachten mit den Pferden, um dann am Ziel zuerst mal eine Woche elendesten Dauerschiffs über sich niederprasseln zu lassen, in den ersten Freiluft-Dressurvorführungen nach dem harten Schweizer Winter, der allen Klimaerwärmungsprognosen spottete, auf explosiven Caballos rumzupatzern, im wegen Nässe vorgezogenen Springen einiges an Stangen ins Feuchte zu befördern und im lange ersehnten Cross dann vielleicht sogar selbst im Nassen zu landen, an irgendwelchen Schrecklichkeiten vorbeizurennen oder sonstiges Missgeschick zu erfahren. Und wie wenn das noch nicht genug wäre, kommen noch Angriffe von Bakterien und/oder Kleinstviecherlein auf die edlen Pferdebeine und -bäuche dazu, was bei einigen Pferden zu Schwellungen führte, die einen Start am zweiten Wochenende verunmöglichten. Die letzten fünf Tage waren zwar wettermässig geradezu traumhaft trocken, aber das Glück der Helvetier nahm leider nicht direkt proportional mit den Sonnenstunden zu. Auch bei der zweiten Runde gab es neben den erfreulichen Leistungen wiederum einiges an Pech und Missgeschick zu beklagen.
Inzwischen sind alle wohlbehalten wieder zurück in der Heimat und versuchen emsig die Stapel Pendenzen abzuarbeiten, die sich in der zweieinhalbwöchigen Abwesenheit aufgehäuft haben. Ein hochbonidotierter Banker oder sonst eines der hierzulande häufig anzutreffenden Wesen mit Dollarzeichen statt Pupillen in den Augen würde das Unternehmen gesamthaft unter 'Verluste' abbuchen - und unterschiede sich damit markant von den Dabeigewesenen, die sich damit klar als zur Sorte der schwerst angefressenen Buschfreaks gehörend outen, deren emotionale Handlungsantriebe durchschnittlichen Biederbürgern zeitlebens verschlossen bleiben. Wenn der geistige Horizont über die monetäre Kosten-Nutzen-Analyse nicht hinausreicht, hilft auch Goethes an vielen Reithallenwänden früherer Zeiten prangendes Faust-Zitat nicht weiter: "Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen!"
Wenn ihr's allerdings fühlt, dann kann ich versuchen, ein ganz klein wenig rüberzubringen von der Faszination, die - nicht nur, aber auch - die 'Verrückten von Barroca' antrieb und -treibt:

Stilist Felix Vogg mit Cool Hand Luc - das Paar brachte zwar kein Resultat in Barroca, aber ich verwette mein letztes Hemd, dass der Tag noch kommt, wo sich diese beiden Talente ganz zusammenfinden.

Mit Touch of Sportsfield überzeugte Felix im Gelände wie im Springen und kam auf den respektablen 17. Rang in einem Klasseumfeld in der langen Zweisterneprüfung.

Sven Betge und sein grossrahmiger Wapper - eins der wenigen Paare, die zweimal ein QR herausritten. Aber das zweite hing an einem dünnen Faden, als die Springjury befand, die beiden seien vor dem Glockenzeichen gestartet. Hätten sich nicht alle gleich zur Wehr gesetzt und Sven bereits die legendäre Schweizer Protest-Hunderternote gezückt, hätte Danièle Vogg nicht mit Verwunderung auf die Unklarheit der 'Glögglerei' der 'Glögglibööggen' (der Jurypräsident versuchte allen Ernstes zu erklären, dass bei ihm nur 'Bim' die Starterlaubnis bedeute, das vor Svens Start erfolgte 'Bimbelimbim' hingegen meinte, er dürfe noch nicht starten!) und auf ein paar andere Ungereimtheiten hingewiesen wie die vielen südländischen Schlaufzügelreiter nach Turnierbeginn oder den samt Pferd auf dem Abreitplatz kopfüber gestürzten Portugiesen, der unmittelbar nach seinem Sturz ohne den neuerdings obligatorischen Arzt-Check in den Parcours einritt, wäre das zweite QR wohl auf der Strecke geblieben. Nun aber haben wir ein weiteres dreisternqualifiziertes Paar im Alpenland. Sein zweites Pferd Grand Slam schien in der Dressur wie von einer Hornisse gestochen und bockte ganz ungewohnt herum, sodass das angestrebte QR bereits ausser Reichweite gelangte und er ihm die Anstrengung von Gelände und Springen ersparte.

Wiedersehen mit dem schweiz-irischen Neuportugiesen Heinz Wehrli, der in der Nähe einen schönen Hof betreibt und mit einem einheimischen Pferdchen eine gute Geländerunde drehte, wegen einer kleinen Knieschwellung dann aber auf das abschliessende Springen verzichtete. Bei den abendlichen Partys rund um die Vogg-LKW's entpuppte er sich als Kenner portugiesischer Weine und belieferte die Festgemeinde gleich mit reizvollen Degustationsproben!

Nach dem unglücklichen Sturz von Salome Lüdi im vergangenen Herbst beim Palisadengraben in Cameri schaute man ja mit etwas gemischten Gefühlen dem nächsten Geländeritt entgegen. Aber erstens kommt es anders - Salome legte an beiden Wochenenden überzeugende Crossrunden hin - und zweitens als man denkt, denn diesmal übernahm der in Cameri noch fehlerfrei über sein erstes Dreisterncross gefetzte Fiero die Aufgabe, den von Peter Hasenböhler bereits beim Abgehen als suboptimal eingestuften Graben mit Hecke abzuräumen - mit grossem Glück im Unglück: das morsche Holz gab nach, die Reiterin blieb unverletzt und Fiero kam mit ein paar Kratzern davon.

Jaqueline Spinner legte sowohl mit Serano wie mit Henry the Eight eine überzeugende Geländerunde hin im gut 4.5km langen CCI** des zweiten Weekends. Mit Serano brachte sie ein sicheres QR nach Hause, Henry schied im Springen aus, laut Jaqueline auch aufgrund unglücklicher Bedingungen in der Vorbereitung. Die Lehre daraus: Man kann gar nie genug Helfer auf Platz haben, damit zur rechten Zeit am rechten Ort dann auch wirklich jemand verfügbar ist.

Jasmin Gambirasio, oben mit ihrem zweiten Youngster Duke, der neben Thats It (unten) ebenfalls ein QR schaffte am 2. Wochenende.


Die wie gewohnt beherzt vorwärts reitende Tiziana Realini schaffte im CCI* mit Versus (oben) eine Klassierung im 19. Rang, mit Easy Lee eine weitere Nullrunde im Gelände, die sie auf den 49. Schlussrang brachte. Weniger glücklich verlief das zweite Wochenende für ihr Dreisternpferd Valentino Flying, der eines der vielen Opfer der die Beine anschwellen lassenden Kleinstbiester war. Der Run auf antibakterielle Puder war gross, nachdem Danièle Vogg die Vorräte aufgekauft hatte. Trotzdem konnte Felix Voggs Einsternpferd Onfire am zweiten Weekend nicht mehr starten.


Die einem legendären Julia-Roberts-Film nachempfundene Wette, wer denn das letzte Brownie kriege, weil er am meisten Pech hatte, gewänne diesmal wohl Tamara Acklin, die an beiden Wochenenden kurz ungeplanten Bodenkontakt hatte im Gelände. In der Zweisternprüfung war es eine tiefe Bodenstelle irgendwo unterwegs zwischen dem zweitletzten und dem letzten Sprung, in der Dreisternprüfung eine etwas dicht gerittene Doppelecke, die zu einem kleinen Rumpler führte. Besonders mopsend, wenn man die beiden als wirklich delikat befundenen Klippen bereits hinter sich hat. Sowohl die Vierfachkombination am Wasser wie die Kombination Nummer 10 mit Triplebrusch, auf drei Galoppsprünge eine beeindruckende Hecke mit tiefer Landestelle und dann im Steilhang ein aus Fontainebleau importiert wirkender schmaler Steilsprung auf kurze drei GS. - Aber dann kamen am Wendepunkt der Strecke die ominösen Ecken - man sollte ja lachen über Abergläubische, aber es schleckts keine Geiss weg, dass es am 13. Sprung geschah, als 13. Starterin, am 13. des Monats...
Turniersplitter
Die britische Topreiterin Lucy Wiegersmaa handelte beherzt und unkompliziert, nachdem sich Ilona Lüdi am ersten Wochenende kurz von ihrem Apart getrennt hatte (er hat wohl seinen Namen zu wörtlich genommen!) und dieser in eine unter Wasser liegende Wiese rannte und immer tiefer einsank. Die unerschrockene Britin stürzte sich in den Sumpf, sank selbst ein bis zur Brust und zog das Pferd hinter sich her. Dass sie dabei ihre eigenen Schuhe verlor, schien sie nicht weiter zu kümmern. Ich war zwar nicht dabei und offenbar gibt es keine Bilder von der herrlichen Szene, aber ich spendiere Lucie im Nachhinein und auf weite Distanz eine standing ovation für diesen Beweis von 'Horsewomanship'!

Dass Apart das Bad nicht weiter geschadete hatte und er auch ohne Sattel Passagen und fliegende Wechsel hinlegen kann, demonstrierte Schwester Salome Lüdi am letzten Tag, als sie ihn ein wenig 'reisetauglich' ritt.
Chef-Coach Hansueli Schmutz war der einzige, der die ganzen zweieinhalb Wochen permanent am Arbeiten war und nie einen richtigen Frei-Tag hatte. Auf der Hin- und Rückreise war er am Steuer, das er nur für ganz dringend benötigten Schlaf an Equipenchef Heinz Scheller abgab, der ihm dann allabendlich ein dicht gepacktes Arbeitsplänchen für den nächsten Tag in die Hand drückte. Er brachte in der kurzen Zeit auch mit neuen Schülern erstaunlich viel zustande und zeigte Verständnis, wenn noch nicht alles Gelernte gleich im Viereck oder Parcours umgesetzt werden konnte. Auch die Geländebesichtigungen waren lehrreich - so ein alter Fuchs sieht eben immer noch ein wenig mehr als die jungen 'Stürmis'.

Der Begleittross gewöhnte sich während der regnerischen Tage derart daran, aufkeimende Unlust mit stark desinfizierenden Flüssigkeiten zu bekämpfen, dass diese Gewohnheit auch während der bedeutend schöneren Periode beibehalten wurde, um der Gefahr der Austrocknung zu begegnen. Gegen Abend zog der Partyplatz in der Voggschen Wagenburg auf jeden Fall die Eidgenossen an wie das Licht die Mücken. Ob das mehr an den Wehrlischen Portugiesenweinen, an Danièles reichen Futtervorräten, an Elfies emsiger Vorbereitung, an Saskias Koch- oder Maurice' Grillierkünsten, an Beas Kaffee, an Dirk Schrades trockenem Humor, an der Freiluftraucherzone oder ein wenig an allem miteinander lag, bleibt wohl für immer ein Geheimnis.
Nur eins ist ganz gewiss: ohne die leibseelische Stärkung am Helvetiertisch hätten Dirk un Gadget die Dreisternprüfung bestimmt nicht gewonnen - auf jeden Fall nicht so deutlich - oder vielleicht noch deutlicher?
