News-Archiv

bis und mit 2007

 

Gewinn und Verlust

Verlust ist immer auch Gewinn, man denke nur - banal - an den Verlust überschüssiger Pfunde oder - etwas reizvoller - an den Verlust der 'Unschuld'. Übrigens ein herrliches Beispiel für Sprachmachtmissbrauch. Man muss nicht lange forschen um herauszufinden, aus welcher Ecke die Wendung 'Die Unschuld verlieren' kommt und zu welchem Zwecke sie geprägt wurde. Die Suggestion ist simpel einfach: wer sie verloren hat, ist schuldig, und wer will schon schuldig sein. Da muss man sich ja schon zweimal überlegen, ob man wegen eines ja noch nicht abschätzbaren Vergnügens schuldig werden will. Man kennt vielleicht schon von anderen Fällen, was meist mit 'Schuld' einher geht: Verachtung, Missbilligung, Ausgestossensein usw. Dass das so lange geklappt hat, ist eigentlich eine (sprach)machtstrategische Meisterleistung. Und wer meint, damit sei nun heute aber wirklich Schluss, nur weil die Wendung etwas ausser Mode gekommen ist, könnte sich täuschen. Heute heisst es vielleicht 'Schmeiss dich doch nicht einfach weg!' - die moralinsaure Suggestion dahinter ist dieselbe geblieben. Es liegt mir nun fern, die Ausübung von Macht durch Sprache generell zu verteufeln. Man kann bewusst, achtsam und transparent mit der Macht der Sprache umgehen. Genau darum bemühen wir uns auch im kommenden Jahr und stehen Ihnen für beides zur Verfügung: für die messerscharfe Analyse wie auch für die achtsame Anwendung der Sprachmacht für Ihre kommunikativen Ziele. Dabei kann klar werden, dass auch so klar 'besetzt' scheinende Termini wie 'Gewinn' und 'Verlust' relative, vom Anwendungsbereich und vom Beobachtungsstandpunkt abhängige Grössen sind. So gesehen wünsche ich Ihnen nicht einfach ein 'gewinnreiches' Jahr, sondern eine möglichst hohe Kompetenz, auch aus vermeintlichen 'Verlusten' Gewinn zu ziehen, vielleicht auch einmal immateriellen?

 

 

Der 'Samichlaus' als Führungsgehilfe

Es muss nicht zwingend alles immer aus dem Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten kommen und auf 'Officer' enden - wobei der 'Chlaus' wahrscheinlich kein Problem hätte, sich als 'Chief Motivation Officer' in die modische Führungshierarchie helvetischer Unternehmen einzufügen. Hauptsache, man lässt ihn seinen Job machen. Und der ist durchaus erfolgsrelevant, wenn er gut gemacht wird: Aufbauende Kritik mit nachhaltiger Wirkung. Dazu wählt er einen Kontext mit hohem Memo-Wert - genau das ist der Effekt der jährlichen Einmaligkeit, der speziellen Kleidung und Ausrüstung - sorry, ich meine natürlich Outfit and Equipment. Wer es schafft, sogar ein echtes Eseli mitzuführen, profitiert noch von der Herzöffner-Funktion, die schnucklige Tiere sogar bei einem Grossteil hartgesottener Stadtjungs haben. Hat man das Zielpublikum aber open-hearted und open-minded, fällt die konstruktiv vermittelte Kritik auf fruchtbaren Boden. Einen letzten kleinen Trick verraten wir noch: Die Chefs immer härter rannehmen als die Mitarbeitenden, das erhöht die Akzeptanz und macht die Wirkung noch nachhaltiger. Aber alles verraten wir natürlich nicht, sonst macht's uns Farner nach oder kauft uns... Aber Sie, liebe Unternehmerin, lieber Unternehmer, möchten wir natürlich herzlich einladen, einmal etwas Neues zu wagen statt oder in Ergänzung der Endjahresmitarbeitergespräche, die oft so schwerfällig und harzig ausfallen wie dieses grausliche Kompositum. Wir haben Erfahrung als kommunikative Profi-Chläuse: info@marpa.ch

 

 

Zug

Komposita und Präfixbildungen mit dem Grundwort 'Zug' haben gewaltig Zug drauf. Da zieht es durch die Ritzen und in alle Richtungen. Man lasse mal die Assoziationen frei sausen bei den folgenden Begriffen. Die Mehrdeutigkeit hilft dabei:
Umzug
Abzug
Auszug
Einzug
Durchzug
(kein) Aufzug
Bezug
Überzug
Beizug
Entzug
Verzug

Zürcher denken vielleicht noch an einen Saubannerzug, Alt-Raucher an einen Lungenzug, Erotiker an einen Bettbezug (wobei den einen das Tuch, den anderen das Tun vor das innere Auge tritt)... auf jeden Fall: Tun Sie einen tiefen Zug, lassen Sie den Phantasiezug abfahren, liebäugeln Sie nicht gleich wieder mit feigem Rückzug, spüren Sie den Zug, der Sie durch den November zieht Richtung Wonne-Wiege-Weihnachtszeit - zügig voran! Und wenn alles nichts hilft, ein guter Zug aus einer Flasche konservierter Sonne, dunkelrot mit viel Öchsle hilft garantiert, die Zeit bis zu Ochs und Eselein zu verkürzen. Wenn Sie dann noch in einem Zug die dritte Strophe von 'Stille Nacht' hersagen können, sind Sie definitiv am Zug.

Übrigens: Marpa Communications ist nicht nach Zug gezogen, der Zug hielt bereits in:
Bruni
8422 Pfungen
Tel. und Mail bleiben gleich - und das sind ja üblicherweise die Kontaktschienen, auf denen unsere Angebote den Weg zu Ihnen finden:
079 430 57 67
info@marpa.ch

Neu im Angebot ist die ultimative Sport- und Tierfotografie, die Partnerin Tamara Acklin anbietet:
079 791 98 49
tamara.acklin@bluewin.ch
Beispiele unter www.swisseventingclub.ch - und in Bälde unter eigener Domain.


Tiziana Realini und Gamour an den Europameisterschaften der Vielseitigkeitsreiter in Rom 2007
(Foto: Tamara Acklin)

 

 

Nonverbale Kommunikation

In der Alltagssprache wird Kommunikation oft mit 'Sprache' gleichgesetzt. Bei genauerem Hinsehen ist dies eine grobe Reduktion - ja man kann sich mit Fug fragen, ob nicht die wesentlichen erfolgsrelevanten Aspekte, die einen kommunikativen Austausch zum Gelingen oder Scheitern bringen, gerade die nichtsprachlichen seien. Es lässt sich eine Vielzahl nonverbaler Kommunikationselemente ausmachen, begonnen bei den 'paraverbalen', mit der Sprache eng verknüpften Faktoren wie der Prosodie - dem Stimmklang, der Satzmelodie, den Vokalfärbungen - der sprachbegleitenden Mimik, Gestik, dem Einsatz des Blicks, der Haltung und Ausstrahlung während des Sprechens. Bei der schriftlichen Verbalkommunikation gibt es ebenfalls sprachbegleitende Faktoren wie die Art der Handschrift bzw. die gewählte Druckschrift, die Darstellung, Färbung, Bebilderung, die Wahl des Schriftträgers, die 'Verpackung' oder Aufmachung des Textganzen etc.

Daneben gibt es aber eine ganze Reihe von Kommunikationselementen, die völlig unabhängig von der Sprache funktionieren, wie die bereits als sprachbegleitende Faktoren erwähnte Mimik, Gestik, Haltung, Ausstrahlung. Dazu kommt auch ganz wesentlich der Versuch, Kommunikation zu verweigern, was bestenfalls im Sprachlichen gelingt, wenn man konsequent schweigt - aber sogar hier spricht man von 'beredtem Schweigen' und der Psychologe und Kommunikationsforscher Paul Watzlawick brachte es auf den Punkt mit der These: "Man kann nicht nicht kommunizieren" - das heisst, auch Schweigen, sich abwenden, das Einfrieren der Mimik und Gestik, der Versuch 'ausdruckslos' zu sein in der ganzen Körpersprache - all dies ist in hohem Masse kommunikativ, in der Regel sogar mit tieferer Missverständnisquote als die Verbalkommunikation. Denn der so ostentativ nicht kommunizieren Wollende kommt in der Regel mit seiner einfachen Botschaft an, die in etwa lautet: "Lasst mich in Ruhe. Es soll sich keiner unterstehen, mich anzuquatschen!" - Der sich so Verhaltende hat erfolgreich kommuniziert, wenn ihn keiner anspricht oder ihm sonst zu nahe kommt. Aber auch wenn es um positive, Gemeinschaft suchende Signale geht, zum Beispiel um die Botschaft 'Ich möchte mit dir ins Gespräch kommen, dich kennenlernen', sind die Vorbereitungszeichen nonverbaler Natur. Vieles funktioniert über das geschickte Einsetzen des Blickkontakts, der weder lästig noch ignorant sein darf. Haltung, Gang, Gestik, stille Energie-Ausstrahlung - und erst dann Mimik oder gar Sprache - die Klaviatur des Flirts ist diesbezüglich ein reicher Untersuchungsgegenstand.

Die Kommunikation mit - und unter - Tieren ist diesbezüglich ebenfalls ein geeignetes Forschungsfeld, denn auch wenn es unter Tieren oder zwischen Tier und Mensch durchaus sprachliche oder sprachähnliche Kommunikationselemente gibt, so ist doch der Hauptanteil der Kommunikation nonverbal - und gerade die hohe Erfolgsquote tierischer Kommunikation lässt den ketzerischen Zweifel aufkommen, dass Verbalsprache, auf die der Mensch so unsäglich stolz ist, vielleicht doch nicht den Endpunkt der Evolution darstellt?

Wir forschen zurzeit auch im universitären Umfeld in diesem Bereich - und bieten Seminare und Workshops an, die sich ganz bewusst mit nonverbaler Kommunikation auseinander setzen. Wenden Sie sich an uns - es muss gar nicht zwingend mit Worten sein...

 

 

Dilemmakompetenz und Dilemmatoleranz

Neue Begriffe können helfen, neue Ideen zu transportieren. Dabei ist das Missverständnis zwar noch immer die Regel wie generell bei der zwischenmenschlichen verbalsprachlichen Kommunikation - aber man kann's ja auch von der optimistischen Seite sehen und sagen: wenn's nur ein Einziger erfasst, welche Idee, welchen abstrakten Sinngehalt wir mit dem konkreten, immer etwas schwerfälligen Buchstabenkonglomerat auf die Reise schicken, gebärfähig machen möchten im Bewusstsein anderer, dann hat sich die kreative Tat bereits gelohnt. Wir wollen das gleich testen. Für alle, die etwas weniger Zeit haben oder investieren wollen und die schwergewichtig philosophisch interessiert sind, seien HIER ein paar Zeilen zum Neologismus Dilemmakompetenz anempfohlen, für diejenigen, die bereit sind, eine veritable Masterthese eines angehenden und doch bereits sehr erfahrenen Psychotherapeuten zu lesen, ist HIER der Link zur Dilemmatoleranz. Und wer jetzt ein Dilemma hat, weil er entscheiden muss, ob er eins oder keins oder alle beide lesen will und dieses Dilemma aushält, toleriert - oder wer gar kompetent mit dem Dilemma umspringt, der hat schon einiges von dem begriffen, was wir mit diesen Begriffen anpeilen: nichts Verrückteres, aber auch nichts Harmloseres als eine Alternative zum unseres Erachtens wenig tauglichen - weil extrem kontextabhängigen - Begriff der 'Normalität'.

Dilemmakompetenz kann auch sehr spassig und spielerisch gefördert werden. Zum Beispiel indem man das Dilemma zulässt, nicht zu wissen, was wie wo auf diesen Bildern abgebildet ist. Bzw. es zu wissen, aber sich nicht eingestehen zu wollen. Oder das Dilemma, dass man die Bilder zwar erotisch findet, dies aber hinter coolem Kunstgeschwätz kaschieren möchte. Oder das Dilemma, sie auszudrucken und an die Wand zu pinnen - oder eben nicht, weil: was könnten die Gattin, die Mitarbeiter, die Sportkollegen denken...

Der Bogen des Orinoco bei Ossambuco, zur Linken das lava-aktive, zur Rechten das Schnee-Salz-Ufer...

Und hier eine Dünenlandschaft im Val de Sable?

Oder vielleicht doch eher Ausschnitte nicht übermässig bekleideter Frauenkörper?

Wenn das nicht angenehme Dilemmata sind, dann will ich fortan Zeppelin heissen, ohne ` (Graf, d.h. grave).

Ausblick durch einen Torbogen auf's offene Meer? Oder doch mehr?

Heiss oder kalt? Oder beides? Wie nötig ist es überhaupt, sich permanent zu entscheiden? Kann man Dilemmata nicht auch geniessen? Gibt es denn Energie ohne Spannung?

 

 

 

Sport-Coaching von Pferd und Reiterin

Auch die Vorbereitung und Begleitung einer Sportlerin auf dem Weg zur Spitze gehört unter das weite Dach der Kommunikation, wie wir sie verstehen. Wenn es sich dabei um Pferdesport handelt, geht es bereits um diversifizierte Kommunikation auf diversen Kanälen mit verschiedensten Kommunikationsmitteln, assortierten Strategien und dem Ziel, die Kommunikation im Wettkampf so effizient und ökonomisch wie möglich zu gestalten. Wer offen ist für Neues und auch zu Experimenten bereit, kann dabei viel lernen für die nur zwischenmenschliche Kommunikation, sei sie privater oder geschäftlicher Natur. Die herausragende Einsicht nach den ersten 35 Jahren aktiver Kommunikation mit Pferden und Reitern ist die folgende:

Am erfolgreichsten ist das Senden mentaler Bilder und emotionaler Motivation auf energetischem Weg

.

Dies kann - muss sogar vor allem am Anfang einer kommunikativen Beziehung Mensch-Pferd - unterstützt sein durch aktive taktile, gestische, mimische und verbale Kommunikationselemente. Passiv kann zur differenzierten Interpretation von Botschaften des Pferdes auch das Ohr und die Nase eingesetzt werden. Pferde äussern sich sparsam, umso wichtiger ist es, die Art des Wieherns, aber auch die Atemgeräusche achtsam wahrzunehmen, vor allem in der zweiten Hälfte einer Geländestrecke. Olfaktorische Signale sind alle Abweichungen vom normalen Duft eines Pferdes (ein guter Horseman erkennt sein Pferd blind nur mit der Nase). Ungewohnte oder neue Nahrung (z.B. Silage, neue Weiden), aber auch Krankheiten und Medikamente verändern den Körperduft des Pferdes sehr rasch. Bei der aktiven Kommunikation ist das Ziel, alle äusseren, von materiellen Faktoren abhängigen Kommunikationselemente im Laufe der Beziehung so zu reduzieren, dass sie nur noch marginal, ergänzend, ab und zu benötigt werden und das Senden mentaler Bilder zum Hauptstrang der Kommunikation wird. Was hier vielleicht etwas abgehoben klingen mag, ist in Wirklichkeit höchst simpel und braucht weder mediale noch sonstige spirituelle Sonderbegabung. Man stellt sich das gewünschte Bild vor - z.B. das Pferd in optimaler Springkurve - und schickt es als Reiter seinem Pferd bzw. als Coach sowohl der Reiterin wie dem Pferd. Wichtig ist das Timing: Wir können unserem Pferd eine ganze Geländestrecke im Vorfeld in aller Ruhe in Bildern übermitteln, wichtige Details heranzoomen, auch die Bodenbeschaffenheit zeigen etc. Wenn wir selbst psychisch genügend gelassen sind, können wir dasselbe unterwegs Sprung für Sprung machen, also immer den nächsten Sprung, den kommenden Hinderniskomplex visualisieren und die Bilder erfolgreicher Bewältigung des Kommenden im Voraus ans Pferd schicken. Natürlich kann mit dieser Methode nicht gehext werden, gelten die Grenzen des für das entsprechende Par zurzeit Möglichen genau gleich. Aber in der Regel und dank der selektiven Anforderungen der Sportverbände kommt ein Paar nur an eine Prüfung, für die es grundsätzlich befähigt ist. Wenn diese Voraussetzung aber gegeben ist, kann die mentale Kommunikation der entscheidende Schlüssel zum Erfolg sein. Wer geübt ist in dieser Methode, erhält laufend Feedbacks auf die versandten Bilder und spürt deshalb rechtzeitig, wenn er Pferd und/oder Reiterin überfordert: Es kommen Bilder zurück, die das Problem aufzeigen, das dem Realisieren des gesandten Bildes im Wege steht.

Und für alle die, die jetzt den Kopf schütteln und drauf und dran sind, sich wieder in ihren geliebten Börsenbericht zu vertiefen oder die Glotze anzuwerfen: Probieren Sie's doch einmal aus. Es braucht dazu weder Pferde noch Krokodile. Es geht bei einfachsten alltäglichen Verrichtungen und - ein Grund mehr für hartgesottene Darwinisten und Materialisten, den Kopf zu schütteln - es klappt durchaus auch mit Dingen, mit sogenannt anorganischer Materie. So neu sollte der Gedanke ja nicht sein, dass eine Geigerin mit ihrer Stradivari kommuniziert, wenn sogar ein Formel 1 - Weltmeister wie Alain Prost zu Protokoll gab, dass er ständig mit seinem Fahrzeug spreche. Probieren geht über studieren, also flugs beginnen mit dem Nächstliegenden, zum Beispiel einem Bleistift und Ihrer Hand: Geben Sie den beiden ein mentales Bild und dann lassen Sie sie dieses Bild realisieren. Natürlich klappt das nicht, wenn Sie keine Hände haben oder der Bleistift nicht gespitzt ist - wie gesagt, die äusseren Voraussetzungen müssen gegeben sein und hexen können Sie nicht mit dieser Methode, aber es geht um die Qualität der Übereinstimmung von mentalem Bild und Realisierung - und da können sie tatsächlich Erstaunliches erleben. Viel Vergnügen!

Ganz ähnlich wie das Verschicken mentaler Bilder funktioniert das Senden emotionaler Motivation. Nur das Substrat der Sendung ist verschieden, die Art der Übermittlung, die Decodierung und das Feedback sind gleich. Sie machen sich eine Befindlichkeit bewusst, die - übersetzt in Verbalsprache - vielleicht etwas unbeholfen klingt und sogar leicht nach dem altbekannten 'positiven Denken' riecht. Es geht aber keineswegs um Denken, sondern um die Übermittlung einer emotionalen Befindlichkeit. Das gute Gefühl, das Sie als Reiterin oder Coach haben, wenn Sie sich einer Aufgabe stellen, versuchen Sie ans Pferd bzw. ans Paar zu übermitteln. Es ist das, was man im Volksmund 'Daumen drücken' nennt, aber auf energetischem Weg übermittelt. Es ist nicht einfach 'mitfiebern', wo ja mit dem Wort 'Fieber' schon die Angst mitschwingt. Es reicht nicht, kundzutun, dass man am Ausgang des Geschehens interessiert ist. Zentraler Inhalt der gesendeten Botschaft ist die Motivation, der Glaube daran, dass die beiden das können, was sie anpacken. Damit sollte der entscheidende Unterschied klar werden: der Sender muss so angstfrei wie möglich sein. Je mehr Angst mitschwingt in seiner energetischen Sendung, desto negativer wirkt sich dies auf den Erfolg des Paares aus. Angst ist diesbezüglich schlimmer als Eifersucht, Ablehnung oder sogar Hass. Diese negativen energetischen Sendungen werden von einem gesunden Paar erkannt und abgeleitet, man lässt sie abprallen oder benutzt sie sogar, um noch stärker zu agieren. Angst, getarnt unter liebender Besorgnis, kann hingegen stark demotivierend, ja sogar lähmend wirken. Wer Angst in sich aufkommen spürt, sollte sie energetisch umzuwandeln versuchen in reines 'Taking Care' als engagierte Form von Liebe und Zuwendung. Gelingt dies nicht, sollte er sie zumindest für sich behalten und sich innerlich und äusserlich vom Sport-Paar fernhalten. So hilft er den beiden zwar nicht, behindert sie aber auch nicht mit seiner klebrigen Angst. Die Reiterin selbst - der Sportler allgemein - ist weniger gefährdet, sich bzw. sein Pferd mit Angst an der sportlichen Entfaltung zu hindern. Der legendäre Adrenalinschub nach dem Start verhindert dies erfolgreich. Funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr, ist dies ein starkes Indiz dafür, diese Art sportlicher Tätigkeit aufzugeben.

Auch für dieses Experiment braucht es keine Tiere. Versuchen Sie's zuerst mal klammheimlich in der Familie, am Arbeitsplatz, im Verein - und lassen Sie sich überraschen. Wenn's klappt, beginnen Sie die beiden Techniken zu kombinieren: nacheinander, miteinander - keine Bange, die energetischen Kabel sind dick genug, es geht haufenweise synchron. Und falls Sie Fragen haben oder das mitsamt Ihrer Belegschaft trainieren möchten: info@marpa.ch.

 

 

Wenn Anwälte Deutsch lernen

Juristensprache hat ihre Besonderheiten. Im Unterschied zur literarischen Sprache ist zum Beispiel der vielfältige Gebrauch von Synonymen in keiner Weise gefragt. Im Roman mag es einmal 'Besitz', einmal 'Eigentum' heissen, einmal 'Tötung', einmal 'Mord' - in einer Rechtsordnung wie der schweizerischen sind das so scharf wie möglich abgegrenzte Begriffe, die keineswegs synonym sind. Vor diesem Hintergrund ist es besonders wichtig, dass Juristen nicht-deutscher Muttersprache, die im deutschen Sprachraum tätig sind, einen ganz spezifischen Unterricht erhalten von einer Lehrperson, die nicht nur etwas von Sprache, sondern auch etwas von Juristerei versteht. Marpa Communications bietet diesen Service an zusammen mit der renommierten Sprachschule Business Languages Straub (www. business languages.biz).

 

 

Event- Moderation

Moderator komme von Lateinisch 'modestus' - damit sei auf die bescheidenen geistigen Fähigkeiten verwiesen - und von Deutsch 'Tor', aber nicht Fussball-Tor, sondern Tor im Sinne von Dummkopf - so sprach der damalige Leiter des Zürcher Lokalsenders Radio Z zu seinen Schützlingen, wenn wieder mal etwas für ihn Ungoutierbares durch den Äther ging. Man könnte etwas netter sein und das Lehnwort 'moderat' mit der Bedeutung 'zurückhaltend' einbeziehen. Der Moderator einer Gesrpächsrunde sollte bezüglich der Äusserung seiner eigenen Meinung zurückhaltend sein. Wenn er aber als Solist z.B. ein Sportereignis moderiert, darf er die Zurückhaltung meines Erachtens auf die positiv-emotionale Seite hin etwas lockern. Herausragende Leistungen dürfen durchaus belobigt, Pech bedauert werden. Auch Humor hat Platz in der Solo-Moderation. Zu den ethischen Todsünden eines Moderators gehört unseres Erachtens etwas, was vor allem in den Boulevard-Medien und im Fernsehen Hochkonjunktur hat: das genüssliche Blossstellen Gescheiterter, Gestrauchelter, das sich Weiden am Sturz, am Misserfolg, am Pech ehemals Erfolgreicher. Hier zeigen sich die niedrigsten Eigenschaften des Menschen. Häme, Schadenfreude, Missgunst, Kleinheit, Formatlosigkeit. Aber auch dieser Wahrnehmung kann man etwas Positives abgewinnen: Wer Häme etc. zeigt, sei es als Privatperson oder als meinungsmultiplizierendes Medium, gibt uns ein verlässliches Indiz dafür, auf den Abstellknopf zu drücken, das Blatt Richtung Papiersammlung zu entlassen, ein Gespräch höflich, aber zügig abzubrechen.

Doch eigentlich wollte ich noch von guter Event-Moderation berichten. Der gute alte Meng von Radio Z hatte insofern Recht, als bereits eine gute, sympathisch klingende, dem Inhalt angepasste Stimme einen rechten Teil des Erfolgs ausmacht. Ein Moderator muss kein Nobelpreisträger sein - aber allzu bescheidene Schulbildung und geistige Fähigkeiten sind auch wieder ätzend, zumindest für den Teil der Zuhörerschaft, der über selbiges verfügt. Was den wirklich guten Moderator aber ausmacht meines Erachtens, ist das Gespür für die Stimmung, die emotionale Befindlichkeit der Angesprochenen, eine Art von Gesamtenergie, die sich den individuellen Befindlichkeiten aller Anwesenden zusammensetzt, auch der Nicht-Zuhörenden. Diese intuitiv und/oder rational erkannte 'Stimmung' ist aber kein statisches Gebilde. Sie verändert sich laufend und kann vom Moderator mitgestaltet werden. Der brillante Moderator spürt auch intuitiv, was er wann eben gerade NICHT sagen soll. Und damit sind wir bei einem ganz allgemeinen Kriterium für menschliche Entwicklung angelangt: die kluge Selektion aus dem Haufen des Machbaren. Es gibt in jeder Sekunde eine unbeschränkte Anzahl von Sätzen, die gesagt, von Taten, die getan werden könnten. Das Mass der Entwicklung einer Entität - es muss sich keineswegs um einen Menschen handeln - lässt sich m.E. recht gut bestimmen an der Art, wie er selektioniert, und dazu gehört eben ganz wesentlich auch, Sagbares nicht zu sagen, Machbares nicht zu tun. Wenn wir mit diesem Kriterium bewehrt unser eigenes Reden und Tun kritisch beleuchten, können wir uns einige Konflikte, Niederlagen und Therapeuten ersparen, aber - zugegeben - bei anderen zu kucken und dran rum zu mäkeln, ob sie denn wirklich in Balance seien bezüglich dessen, was sie sagen und nicht sagen, tun und nicht tun, das macht natürlich viel mehr Spass. Wir können ja beides tun: bei der Kritik der andern unser analytisches Instrumentarium schärfen - und dann mit dem scharfen Sezierbesteck auf uns selbst los. Da liegt natürlich ein schmerzendes Schnittlein alleweil drin, aber wir müssen ja nicht alle machbaren Schnitte tun - und auch nicht allen davon erzählen... learning by doing - or not doing it.

 

Schweizer Offizier - ein Auslaufmodell?

Wer argumentiert, es brauche in der aktuellen Bedrohungslage gar keine konventionelle Armee und damit auch keine Offiziere mehr, schüttet meines Erachtens das Kinde mit dem Bade aus. Denn erstens ändern die Bedrohungslagen schneller, als Antworten darauf aus dem Boden gestampft werden, und zweitens sind Offiziers-Qualitäten weiterhin gefragt, vielleicht mehr denn je. In einem Sozialstaat wie der Schweiz, wo Eigenverantwortung immer kleiner geschrieben wird, wo die Vorstellung, dass Arbeit nicht Übel, sondern Gnade sein könnte, wo sich die Verantwortung für fast jedes Ereignis auf irgendwen schieben lässt - oder zumindest die Folgen versichert sind - in diesem Ambiente sind die klassischen Tugenden des Offiziers schon fast ins Programm 'Pro specie rara' aufzunehmen: Mut zur Entscheidung; Verantwortungsübernahme für das Entschiedene, das Gedachte, Geplante und Getane; Fürsorge, Achtsamkeit, 'taking care' für anvertraute Leute, aber auch für alles anvertraute Gut; das Hintanstellen persönlicher Bedürfnisse hinter einen übernommenen Auftrag - das alles klingt wie aus dem Vorspann eines historischen Films.

Ich will nicht sagen, dass diese Eigenschaften sich nicht auch bei Nicht-Offizieren fänden. Es gibt unzählige Menschen, die innerhalb von Familien, aber auch im Beruf genau mit diesen Qualitäten glänzen. Aber in der Offiziersausbildung werden diese Eigenschaften geschult, zum Teil erst geweckt und gefördert.

Wir sind auf jeden Fall mit grösstem Vergnügen und mit Überzeugung dabei, wenn es darum geht, bei der Kommunikation der Schweizerischen Offiziersgesellschaft mitzuwirken.

 

 

Schule als Spiegel der Gesellschaft

Ist die freie Wahl der (Grund-)Schule eine Option, die für eine Beruhigung der angespannten Schul-Landschaft sorgen könnte? Was gibt es für Auswege aus dem Sprachenwirrwarr in der öffentlichen Volksschule? Ist Gewalt Ursache, Wirkung - oder Analogon, Spiegel zur Babel-Situation an vielen Schulen, zum Missverständnis, das viel tiefer gründet als nur auf der Sprachebene, das vielmehr auf ganz grundsätzlichen kulturellen Gräben fusst? Wie steht es mit der Präsenz der Väte - zuhause und in der Unter- und Mittelstufe glänzen die Männer vor allem durch Abwesenheit. Gibt es Zusammenhänge zwischen dieser Absenz des männlichen Partners und Vorbilds und den aktuellen Schulproblemen?

Über diese und unzählige weitere Fragen debattieren Eltern, Lehrer, Schulleiter und Interessierte in Wil am 12. Juni. Der Verein Aktiver Eltern aus der Region Wil hatte den Mut, uns mit der Moderation des Anlasses zu betrauen. Ob die ahnen, worauf sie sich einlassen?

 

 

Buddhismus und Quantenphysik

Was das wohl mit Kommunikation zu tun haben soll, fragen Sie sich vielleicht - immerhin die Branche, in der Marpa Communications vorgibt, tätig zu sein. Ich meine sehr viel, je länger und tiefer ich mich mit den beiden Themen befasse. Einer der renommiertesten zeitgenössischen Quantenphysiker, der Wiener Anton Zeilinger, behauptet doch tatsächlich, seine Experimente führten ihn zum Schluss, der Grundbaustein dessen, was wir 'Wirklichkeit' oder 'Realität' nennen, sei nicht Materie, auch nicht Energie oder Kraftfeld, sondern Information. Materie wäre dann nur noch Informationsträger - und einige Schulwissenschafter könnten per sofort aufhören, sich zu ärgern. Zum Beispiel die Schulmediziner und Pharmakologen über die Homöopathie. Wenn die Grundsubstanz Information ist, dann wäre ja die These von Hahnemann gar nicht so hirnrissig-esoterisch-spirituell-verrückt-unwissenschaftlich, wie sie so oft hingestellt wird, nämlich dass es völlig unerheblich sei, wenn ab einer bestimmten Potenz kein Molekül des Stoffes mehr im Fläschchen sei, der auf der Etikette prangt, weil ja die Information drin sei - und um die gehe es. Auch der Ärger aller währschaften Seziermesser-Athleten unter den Chirurgen über die Akupunktur könnte verfliegen. Wenn die Information auf den Meridianen und in den Akupunkturpunkten vorhanden ist und die Chinesen seit ein paar tausend Jahren wissen, wo sie liegen, dann muss es doch nicht mehr so nerven , dass man sie beim Schnipseln nicht freilegen kann wie einen zarten Nerv oder eine saftige Sehne?

Nun, diese Einsichten kommen den Quantenphysikern bei aufwändigen Experimenten. Buddha behauptete dies schon vor längerer Zeit, allerdings nicht in einer im Westen anerkannten wissenschaftlichen Zeitschrift. Aber die dienende Funktion der Materie als Informationsträger, das Primat der immateriellen Information, das hat für einen Buddhisten kaum News-Wert. Auch die weitere für die meisten damit konfrontierten westlichen Hirne zutiefst inakzeptable Behauptung der Quantenphysik, dass der Beobachter die Bahn des Elektrons nicht nur auslöst, sondern dass er es beobachtend erst schafft, ist in der buddhistischen Tradition altbekannt. - So gesehen lohnt die Beschäftigung mit beiden Denkbereichen, zumal der Buddhismus beim rein rationalen Denken nicht Halt macht, sondern auch supra-rationale Erkenntnis zulässt, eine Freiheit, von der westliche Wissenschaft noch ein Stückchen weit entfernt ist. Genau darum geht es ja auch in den Marpa Denk-Aufgaben: das Denken so weit zu treiben, bis es an seine Grenzen stösst, und dann nicht die Flinte ins Korn zu werfen, sondern über das rationale Denken hinaus zu gelangen zum supra-rationalen Erkennen - etwas, was alle Wesen intuitiv und zielsicher tun im Alltag, vom Einzeller bis zum Nobelpreisträger - ausser der kleinen Kaste des wissenschaftlichen Mittelbaus im Westen.

Es gibt übrigens ein kluges und lesenswertes Buch eines Konstanzer Jungphilosophen zur Thematik. Christian Thomas Kohl: Buddhismus und Quantenphysik. Windpferd Verlagsgesellschaft mbH. Aitrang 2005.

 

 

"Geist der Tiere?"

 

Was unter diesem oder ähnlichen Titeln von selbsternannten Berufsdenkern schon an Überheblichkeiten produziert wurde, füllt Bände. Doch nicht genug, auch heute noch werden Bücher gedruckt mit fast schon wieder witzigen Dummheiten zum Thema. Und die Uni Zürich hat soeben einen neuen Philosophen aus der Sekte der 'analytischen' angeheuert, der die ganze Zeit davon faselt. Immerhin kommt er auf rein theoretischem Weg - ohne sich die Finger mit Giraffendung zu beschmutzen - zur gnädigen Ansicht, dass Tiere zu 'sehr einfachen Gedanken' fähig seien. Aber er hat - wie die meisten seiner Zunft - keine Ahnung von Tieren und geht wie die meisten Kamerädlis aus seinem Kinderspielzimmer der 'analytischen Philosophie' mit der nachgerade herzigen Glaubensannahme an die Sache heran, dass das rationale Denken, das logische Schliessen das vorläufige obere Ende der Fahnenstange der Evolution sei. Die zweite Glaubenstat ist, die Untersuchungen rein theoretisch durchzuführen. Er gab zu, dass er eine Ablehnung empfinde für Empirie und gar für praktische Philosophie wie Ethik und so ungereimtes Zeugs. Sollte sich doch einer aus dem Glashäuschen mal herablassen, ein Experiment anzuschauen, dann muss es ein ganz anthropozentrisches sein. Also eins, wo man schaut, ob die Tiere haargenau das können, was ganz mensch-spezifisch ist, also z.B. ob sie um die Ecke denken können, z.B. ob sie eine Überzeugung von einer Überzeugung und damit einen Begriff der Überzeugung haben. Oder ob sie wissen, dass ein Baum aus brennbarem Material besteht, wie alt er ist und dass er Wasser aufnimmt aus dem Boden. Da ist es dann einfach zu sagen: Seht ihr, wir haben's doch schon rein theoretisch gewusst, wir Superschlauen: DAS wissen und können die Tiere nicht, also haben sie - messerscharfer logischer Schluss - keine Vernunft. Jedenfalls nicht das, was wir unter Vernunft zu verstehen belieben. Diese zirkuläre Argumentation kennt man doch von irgendwoher, oder nicht? Sie erinnert einerseits an die 'Beweisführung' aller Rassisten von Adolf bis heute, wenn sie die Ausrottung einer als minderwertig gebrandmarkten Gruppe plausibilisieren wollen, aber noch mehr an das vor wenigen Jahren erschienene Buch eines kukuxklanesken US-Bürgers, der 'bewies', dass die Schwarzen dümmer seien als die Weissen. Wer auch nur ganz ganz wenig Ahnung hat von Statistik (und vielleicht auch schon mal was von Einstein, Heisenberg und der Quantenphysik gehört hat), weiss auch, wie man ein gewolltes Resultat durch die Versuchsanlagen erzeugt. Eben genau so wie die analytischen Philosophen die 'Vernunft' für sich reklamieren. Die Argumentation ist in etwa auf dem Niveau des Unmusikalischen, der aber Noten lesen kann und der mit dem Hochmusikalischen, der über ein absolutes Gehör verfügt und nicht Noten lesen kann, einen Test macht. Selbstverständlich lässt er ihn Noten lesen und diese auf einem stummen Klavier spielen - klar, dass er jämmerlich versagt. So einfach kann er sich die Brücke bauen, dass er, der eigentlich völlig Unmusikalische, doch der grosse Musiker ist und der andere eine Null. So wird auch verständlich, warum sich die theoretischen Philosophen grausen vor der Praxis und die Finger davon lassen. Ja, sie beteuern sogar, dass sie nicht im geringsten die Absicht hätten, die Tiere irgendwie als dümmer als die Menschen hinzustellen. Sie sprechen ihnen nur die Vernunft ab - oder eben, gestehen ihnen von der Höhe ihrer grandiosen komplexen Denkfähigkeit herab ein paar 'einfache Gedanken' zu.

Nun, darüber kann man sich ärgern - wer Lust dazu hat, lese das Buch 'Der Geist der Tiere' (Herausgeber Dominik Perler und Markus Wild; Suhrkamp, Frankfurt a.M.; 2005). Darin findet sich auch der oben erwähnte Text des neuen Zürcher Philosophieprofessors. Nochmals: es geht nicht um Ansichten, die ich nicht teile, sondern es geht um eine Haltung, die ich als im höchsten Grade unwissenschaftlich kritisiere. Selbstverständlich darf man die These vertreten, Tiere oder eben analytische Philosophen hätten keinen Geist. Aber dann muss man die Axiome, die Annahmen klar bezeichnen, die man trifft. Jede saubere 'Analyse' stellt an den Anfang der Tätigkeit die Fragen: "Was für Annahmen treffe ich?" - "Was setze ich voraus?" - "Wie lauten meine Spielregeln?" - Oder in Wissenschafts-Sprache: "Was sind die Axiome meines Modells?" Die 'analytische' Philosophie tut genau dies nicht.

Der Vorteil dieser wissenschaftlichen Methode des Transparentmachens der Annahmen ist, dass man sich selbst auf die Schliche kommt bezüglich seiner Vorurteile, seiner subjektiven Wertungen, seiner durch die eigene Biographie, die erlebte und ausgeübte Diskursmacht beeinflussten Interpretationen der eigenen Wahrnehmungen. Und der Rezipient unserer Thesen auf der anderen Seite erhält die Möglichkeit, bereits bei diesen Wertungen, die den Annahmen zugrunde liegen, auszuklinken bzw. Kritik anzubringen.

Wenn einer daher kommt und von Anfang an klar macht, dass er für seine Überlegungen davon ausgehe, dass mit 'Geist' nur die spezifische Fähigkeit des rational-analytischen logischen Schliessens gemeint seien und dass er weiter die subjektive Annahme treffe, dass diese Fähigkeit die vorläufige Höchstleistung der Evolution sei, und wenn er mir dann im Experiment zeigt, dass diese von allen anderen Erkenntnismethoden isolierte Art des Erkenntnisgewinns spezifisch menschlich sei und im Tierreich bislang nirgends in vergleichbarer Weise beobachtet worden sei, dann kann ich diese Feststellung akzeptieren. Ich werde ihm aber meine differierenden Wertungen entgegenhalten: z.B. dass ich die Fähigkeit zum logischen Schliessen für ein die menschliche Behinderung im Bereich der suprarationalen Problemlösungskompetenzen ausbalancierendes Werkzeug halte. Die Plausibilisierung dieser Annahme ist simpelste Evolutionstheorie: Wer kein Fell hat, so miserable Sinnesorgane, so wenig Lauffähigkeit und ein derart schwaches Orientierungsvermögen wie der 'nackte Affe', der muss über den Umweg des logischen Schliessens sich Kompetenzen erwerben, um nicht zu erfrieren, die Beute zu finden und zu fangen und wieder nach Hause zu finden. Aus dieser Sicht werden Kleider, Fernrohre, Autos und GPS zu zwar komplizierten, aber von ihrer evolutiven Notwendigkeit her ganz banalen, überlebensnotwendigen Surrogaten für all das, was andere Wesen 'mit Links' lösen. Diese auf vermeintlich so tollen 'geistigen' Kompetenzen des Menschen beruhenden technischen Errungenschaften sind also m.E. nicht zwingend 'höher' zu bewerten als diejenigen vieler uns bekannter Tiere, die rational-bewusste und suprarational-intuitive Fähigkeiten in der Regel viel besser verbunden haben und damit die meisten Probleme direkter lösen können als der Mensch (zumindest besser als die ratio-lastigen, vom Suprarationalen abgekoppelten Exemplare wie die sog. 'analytischen' Philosophen). Ich werde auch auf die Schattenseiten der rational-analytischen Schliessfähigkeit hinweisen, zumal wenn sie abgekoppelt von suprarationalem Verantwortungsbewusstsein auftaucht und damit völlig losgelöst von ethischem Fundament angewendet wird. Weiter werde ich versuchen, den Zusammenhang zwischen der Überbewertung der rationalen Schliesserei und der kurzsichtigen Plünderung alles übrigen vom Menschen Wahrgenommenen plausibel zu machen, ein Versuch, der bei einem völlig praxisfernen theoretischen Philosophen allerdings höchstwahrscheinlich scheitern wird.

Und dann werd ich meine Grundannahme für die These, gewisse analytische Philosophen könnten nicht denken, transparent machen, nämlich dass ich im Bereich meiner Wahrnehmungen nicht mit einer Hierarchie, mit einer senkrechten Bewertungsskala operiere, bei der der Mensch ganz oben und anorganische Materie ganz unten wäre, dass das von mir benutzte Kriterium für die Unterscheidung von Entitäten ihre funktionale Problemlösungskompetenz sei (darin eingeschlossen als zentralen Beobachtungsfokus die Dilemmakompetenz, eine spezielle Art der Problemlösungskompetenz, die einen höheren Grad von Bewusstheit bezüglich der Entscheidungsfreiheit erfordert) , dass ich mithin bei Tieren und anderen Entitäten nicht nach dem anthropomorphen 'Geist' mit 'Überzeugungen' und 'Begriffen' suche, sondern nach der auf ihre jeweilige Existenzweise bezogenen Kompetenz forsche, mit Problemen und Dilemmata fertig zu werden. Und dass sich unter diesem Kriterium der Mensch plötzlich ganz weit hinten auf der Skala vorfindet, denn mir ist keine Entität bekannt, die ihre Probleme so schlecht löst wie der Mensch. Welches Tier würde beispielsweise seinen Lebensraum in vergleichbarer Weise vernichten? Die auf seiner rationalen Schliessfähigkeit beruhende verantwortungsarme Benutzuung des Vorgefundenen durch den Menschen kann bestenfalls mit der kurzsichtigen Strategie der Krebszelle verglichen werden, die auch regelmässig ihren Wirt zerstört und dann mit ihm untergeht.

Wenn man sich im Disput in dieser Weise die eigenen Axiome nennt und zu plausibilisieren sucht, wird für jeden der Gedankengang des anderen nachvollziehbar und der Punkt, wo sich die Argumentationsketten trennen, wird transparent. Es geht dann auch nicht mehr um 'wahr' oder 'falsch' - diesem m.E. völlig überholten Denkmuster, das immer noch dem ganzen Spiel der Logik zugrunde liegt - sondern es geht um 'relevant' oder 'nicht relevant'. Für mich ist der Versuch, nachzuweisen, dass der Hund keinen Begriff vom Begriff hat oder keine Überzeugung davon, was es heisst, eine Überzeugung zu haben, etwa so irrelevant wie zu zeigen, dass der Schmetterling keine Krokodils-Zähne und die Wildsau keinen Känguruh-Beutel hat.

Hingegen finde ich hochinteressant und relevant, durch Beobachtung, Experiment und Arbeit mit Tieren - überhaupt mit allem für uns Wahrnehmbaren - zu lernen, wie andere Entitäten ihre Probleme lösen, Analogien zu ziehen, abzuschauen, die Fähigkeiten mit unseren Voraussetzungen in Relation zu setzen. Genau so lernte der Mensch bekanntlich fliegen - und es ist auch denkbar, dass der Hirte, der vor ein paar tausend Jahren erstmals an einem Bambusrohr rumschnipselte und reinblies, von den Vögeln dazu animiert wurde. Hätte es immer nur 'analytische' Philosophen gegeben, hätten die Menschen nicht nur nie fliegen gelernt und nie musiziert, sie wären schlicht ausgestorben - was in dem Fall ja dann auch nicht so furchtbar bejammernswert gewesen wäre.

Aber hier kommen wir bereits wieder an eine Grundannahme des hier vorgestellten Modells, das unter anderem die These beinhaltet, 'analytischen' Philosophen gehe das Wesentliche dessen ab, was ich 'Geist' oder besser 'Denk-Kultur' nenne: Ich gehe davon aus, dass auch Philosophie praktische, funktionale Relevanz besitzen müsse, dass sie die Staatsgelder, die sie 'verdenkt' und verplappert, durch einen funktionalen Beitrag an die Gesellschaft legitimieren müsse - und nicht nur gemütlich und fern aller Praxis in ihrer geschützten Werkstätte etwas vor sich hin zu spielen habe. Wer aber wie viele Vertreter der 'analytischen' Philosophie in vermeintlich getreuer - m.E. falscher - Interpretation des Wittgenstein-Dictums aus dem Tractatus (7.): 'Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen' sich von allem abschottet, was sich auf Anhieb rational-sprachlicher Erschliessung entzieht, der verliert jeden Kontakt zur Praxis. Auch hier: es ist weder falsch noch verboten, sich im Kinderspielzimmer mit 'Wahr-Falsch'-Ankreuzspielen oder den herzigen Formeln der Marke p-->q abzugeben; es ist auch völlig in Ordnung, wenn jemand Spass hat, anzunehmen, man könne schlüssig unterscheiden zwischen dem 'was (absolut oder objektiv) der Fall ist' und subjektiver Interpretation von Wahrnehmung (der Spieler muss aber zumindest zugeben, dass er so grausliche Dinge wie die Relativitätstheorie und die Quantenphysik aussen vor lässt) oder wenn jemand die Eindeutigkeit sprachlicher Kommunikation behauptet - all das sind erlaubte Spiele, ich halte sie nur weder für relevant noch geeignet, einen Beitrag zu den anstehenden Problemen zu leisten - und damit auch nicht für würdig, mit Staatsgeldern unterstützt zu werden.

Als Kriterium für die Brauchbarkeit, die Relevanz und Funktionalität eines Ausbildungslehrganges könnten wir doch die praktische Tätigkeit ihrer Absolventen betrachten. Bei der Zunft der 'analytischen' Philosophen ist mir bislang kein Beispiel bekannt, wo die Aktivität über die zirkuläre Tätigkeit des Ausbildens von weiteren Exemplaren der gleichen Gattung hinausgeht. Ich lasse mich mit grösstem Vergnügen vom Gegenteil überzeugen: Man zeige mir irgendein Exemplar der Gattung 'analytischer Philosoph', das auch nur bruchstückhaft einen winzigen Beitrag an die Prosperität - was weit mehr ist als das Bruttosozialprodukt - einer Gesellschaft beiträgt oder beigetragen hat. Hier hilft auch die Ausrede der 'Grundlagenforschung' nicht, denn in den Naturwissenschaften wird sehr genau geprüft, wann und in welchem Masse Grundlagenforschung letztlich in relevante Funktionalität mündet. Mehr zu den Aufgaben, die eine Disziplin wie die Philosophie in unserer Gesellschaft wahrnehmen könnte, findet sich unter folgendem Link: Denk-Aufgabe 404.

Statt sich über die analytischen Philosophen und ihre etwas langweilende Häufung an der Universität Zürich zu ärgern kann man sich auch - bestimmt kluger - wundern. Und man kann sich auf die Suche nach anderen Denkern machen - und siehe da, man wird fündig, sogar in Zürich, zum Beispiel bei der Philosophin und Professorin

Ursula Pia Jauch:

„Les animaux plus que machines“?
Von Maschinentieren, Tierautomaten und anderen bestialischen Träumereien.
Einige Anmerkungen aus philosophischer Sicht.

Buridans Esel und Montaignes Katze
Ein tierisch-philosophisches Raritätenkabinett

Beruhigt wird man bei der Lektüre dieser brillant, witzig und frei von abschottender Fachsprache geschriebenen Texte feststellen, dass es in der Geschichte des Nachdenkens auch schon klugere Leute gab, die sich mit dem Vergleich menschlicher und tierischer Problemlösungskompetenzen beschäftigten.

Wer - wie ich - nach diesem Einstieg in die Denk-Welt der Zürcher Philosophin noch mehr von dieser im besten Sinne ganzheitlich wahrnehmenden und beeindruckend belesenen Lady lesen möchte, findet eine Zusammenstellung ihrer Bücher und Artikel HIER. Viel Vergnügen allerseits!


 

 

 

Führen im Grenzbereich

 

So heisst ein neues Seminar-Angebot von Marpa Communications. Die Grenzen müssen weder geographische noch körperliche sein. Denn die schärfsten Grenzen ziehen wir immer selbst: in unseren Köpfen und Herzen. Das Seminar befasst sich mit der These "Grenzen gibt es nur dort, wo wir sie ziehen" und macht anhand ungewohnter Führungsaufgaben mit Tieren den Teilnehmern die Relativität der Grenzziehung - und damit auch deren Änderbarkeit - bewusst. Wer nicht für sein Ego, sondern für das Ziel einer Führungstätigkeit wirbt, wer es schafft, dem Geführten grösstmögliche Autonomie zu überlassen, wer weder Angst hat noch Angst einflössen will, hat gute Chancen, auch mit ungewohnten Mitarbeitern wie mehr oder weniger wilden Tieren kommunizieren und sie für seine Pläne gewinnen zu können. Grenzerfahrungsberichte folgen - wenn wir nicht gefressen werden...Man kann ja die Grenzen auch so neu ziehen wie die Lady im Ur-Limerick:

"There was a young Lady from Niger
Who smiled on the back of a tiger
They came back from the ride
With the Lady inside
And the smile on the face of the tiger."

 

 

 

Geschäfts-Aussichten

Es gibt viele Zürcher Freunde, die mir einen mitleidigen Blick schenken und sich ernsthaft nach meiner psychischen Verfassung fragen, wenn sie die Thurgauer Nummer an meinem Charrli sehen. Sie fragen, ob ich denn die traumhafte Sicht auf See und Berge nicht vermisse, die ich von meinem Adlerhorst auf dem Pfannenstiel hatte. Natürlich sind die Geschäfts-Aussichten von Marpa nicht mehr so wässerig, aber Grün, Berge, Himmel - so himmeltraurig doch auch wieder nicht, vor allem in dem milden Winter - Klimaerwärmung sei Dank! Aber wir freuen uns natürlich, wenn wir trotzdem für die Zürcher weiter texten dürfen. Vielleicht können Sie ja mithelfen, die Aussichten von Himmelblauen sogar zu Rosigen zu steigern? Wir bleiben dran.

 

 

Hauptsache gesund?

Unter diesem Titel segelte ein dreiteiliges ökumenisches Winterprogramm der Herrliberger Kirchen. Nach dem erblindeten Landarzt und dem Fitnesstrainer im Dialog mit dem Spitalseelsorger kam doch tatsächlich auch noch der Glücks-Philosoph zu Wort, wenn auch nur unter der durchaus angenehmen Bedingung, mindestens so viel Lustiges wie Ernstes zu verabreichen. Wer - aus was für gesundheitlichen Überlegungen auch immer - willens ist, sich diesen verdächtigen kabarettosophischen Cocktail einzuflössen und sich nicht abschrecken lässt von der Tatsache, dass es sich um einen in Zürich- und Berndeutsch notierten Text handelt, dem sei es nicht verwehrt: HIER.

 

 

Marpa-Aphorismen

Die Sammlung ist unterdessen auf gut 1000 Sätze zu 69 verschiedenen Themen angewachsen. Neben der klassischen Herausforderung, Philosophisches in ultrakurze prägnante Form zu giessen, gibt es auch tiefer unten angesiedelte Ziele wie z.B. das, gleichzeitig in mehrere Fettnäpfchen zu treten, denn eins auf's Mal, das kann jeder. Dann sollten die Fettnäpfchen auch möglichst gross sein, d.h. man möchte viele Leute auf's Mal auf dem Finkenstrich erwischen. Entscheiden Sie selbst, ob das beim Folgenden gelungen ist:
Frömmler taugen für die Ehe: sie lesen sowieso im ganzen Leben nur ein Buch…

Etwas oberlehrerhaft wirkt vielleicht die Nummerierung und die alphabetische Einteilung sowohl der Kapitel wie der Sätze innerhalb der Themenbereiche. Aber so ein wenig 'schneugge' drin kann durchaus anregend sein, finde ich, etwas unbescheiden natürlich. Aber kennen Sie eine Grossmutter, die nicht stolz ist auf ihren Gemüsegarten? Auch wenn nicht alle Kürbisse gleich gross und toll gefärbt sind? - Eben: HIER

 

Martini-Zeit

Für jeden Redenschreiber gibt es zwei grosse Höhepunkte im Jahr, die eigentlich in ziemlichem Kontrast zu den jahreszeitlich tollsten Monaten stehen: April mit dem Sechseläuten, November mit den Martini-Anlässen der Zürcher Zünfte. Das soll nun kein chauvinistischer Werbeblock für Zürich sein, sondern eine durchaus ernst gemeinte Aussage zur Kommunikation. Man könnte als Postulat von einer 'Sechseläutisierung der Kommunikation' sprechen. Oder um es etwas paradox zu formulieren: von der einzigartigen liebenswürdigen Boshaftigkeit oder der achtsamen Schonungslosigkeit, mit der die Zünfter - und unter ihnen vor allem die Zunftmeister - miteinander umspringen. Die therapeutische Wirksamkeit ist meines Erachtens gewaltig. Wer ein paar Jahre als Zunftmeister amtet, muss nicht nur gewaltig einstecken können, er muss auch - zwingend, das gehört zu den Spielregeln - austeilen können. Es geht also um die klassische Vereinigung der Gegensätze - Heilsweg Nummer eins vieler hochentwickelter Religionen und Heilslehren - hier auf dem Parkett der Kommunikation. Die Art und Weise, wie sich die meist bestens befreundeten Zunftmeister gegenseitig auf die Schippe nehmen, ist in der mir bekannten Humor- und Redenlandschaft einmalig. Die Spielregeln sind so, dass man einen rechten Aufwand betreiben muss, wenn man den andern eben gekonnt in die Pfanne hauen will. Es ist zuerst einmal ein witzig-sportlicher Zweikampf, der aber durchaus Unterhaltungswert hat für die übrigen Anwesenden. Doch der Schlagabtausch geht in jeder Hinsicht über alles andere hinaus, was in Streitgesprächen so vor sich geht.

Das Wichtigste ist wie gesagt, dass die Gegner eben nur Spielgegner sind und sonst Freunde. Gerade darum wissen sie viel voneinander, erkundigen sich beim Umfeld des Widerparts nach allen möglichen und unmöglichen Details und versuchen dann mit Kenntnissen und Analysen zu brillieren, die jeden Psychoanalytiker mit abgesägten Hosen stehen lassen würden. Der Unterschied zu einer jahrelangen bierernsten und vor allem schnapsteuren Analyse ist, dass sich die Dekonstruktion des widerpartlichen Egos in freundschaftlicher Atmosphäre - und trotzdem oder gerade deswegen in schonungsloser Offenheit - vollzieht. Wo der Analytiker noch eine Hemmschwelle hat, weil er ja den Klienten nicht verlieren will, kennt der Zunftmeister keine Gnade. Da wird aufgedeckt was das Zeug hält. Und weil der Recherchierende, Schreibende und Vortragende eben weiss, dass er innert Minuten oder Stunden eine im besten Fall ebenso dicke Retourkutsche hingeknallt kriegt, geht er mit einer Hingabe an sein Werk, die alle nur ökonomisch motivierten Tätigkeiten in den Schatten stellt. - Im Unterschied zur Einseitigkeit der Rollenverteilung zwischen jedwedem Therapeuten und seinem Klienten, wo der Therapeut jedenfalls im klassischen Setting völlig undurchdringlich, unerkannt, undurchschaubar bleibt und sich höchstens als Leinwand für die Projektionen des Klienten zur Verfügung stellt, ist das Verhältnis zwischen den Zunftrednern ein völlig ausgewogenes: Jjeder 'therapiert' den andern, indem er ihm den Zerrspiegel vorhält. Aber gar nicht in diesem fürchterlich ernsten und erst noch in Cash zu bezahlenden Sinne, gar nicht mit der Therapie-Motivation, die so schnell sowas Pädagogisch-Übereifriges kriegt.

Wer das nicht aushält, wird gar nicht erst Zunftmeister. Jeder übt aber auch das Analysieren von Personen, Charakteren, Ereignissen und das Malen von Zerrspiegeln - eine Arbeit, die nicht nur ungemein Spass machen , sondern die auch in sich selbst wieder eine grosse therapeutische Wirkung erzielen kann. Wobei 'therapeutisch' vielleicht ein etwas zu einseitig psychologischer Terminus ist. Die Tätigkeit des Zunftmeisters, die zünftige Art der Kommunikation führt - so meine These - zu einer zwingenden Erhöhung der Selbsterkenntnis, aber auch zu einem spielerischen Umgang damit. Der Agierende lernt sich in der Sicht der andern, aber auch in seinem Einsteck- und Austeilvermögen, in seiner analytischen und kommunikativen Kompetenz besser kennen. All dies kann zu Entwicklungsschüben führen, die weit über die Vorteile hinausgehen, für die sich HR-Spezialisten und Head-Hunter interessieren. Nach einigen Jahren als Zunftmeister ist z.B. ein Rückfall in völlige Humorlosigkeit, ja in fundamentalistisches Gebaren fast ausgeschlossen. In den meisten Fällen findet eine Relativierung des Ichs, der eigenen Interpretation von Wahrgenommenem und damit eine gelassenere Haltung allen Wahrheitsbehauptungen, vor allem aber eine lockerere Haltung sich selbst und allen eigenen Identifikationen und Rollenspielen gegenüber statt.

Solche Zeitgenossen haben ihre Zeit genossen und, so meine ich, sinnvoll und amüsant zugebracht. Dabei im Hintergrund etwas mitzumischen, ist mir ein grosses Vergnügen und ich trage mich mit dem Gedanken, einen Versuch zu wagen, die 'Sechseläutisierung der Kommunikationskultur' per Büchlein über die Zürcher Stadtgrenzen hinaus zu tragen.

 

 

Endlich Dozent!

Jeder Bub hat ja das archetypische Problem, dass er irgendwo irgendwie irgendwann einmal seinen Vater schlagen möchte. Nicht körperlich hauen, aber aus dem Feld schlagen, überholen, überrunden, einfach irgendwo ein klitzekleines Bisschen die Nase vorn haben, davon träumt jeder Sohn - und am Sohn-Sein kommt keiner vorbei, auch der nicht, der den Erzeuger gar nicht kennt, denn der kann sich wildeste Vorstellungen von der Wildheit und Alleskönnerschaft seines Papas machen. Die schlauen Söhne suchen sich hübsch ein Gebiet aus, das der Vater nie betreten hat, oder noch besser: eins, das es zu Papas aktiven Zeiten gar noch nicht gab, zum Beispiel eine neue Sportart wir River-Rafting oder Kaiten, eine neue Technologie wie die Informatik oder halt einfach das absolut Neueste aus irgendeiner schnelllebigen Wissenschaft wie der Molekularbiologie.- Die dümmeren Jungs machen haargenau dasselbe wie der Papa und kämpfen verbissen und manchmal auch recht unzimperlich darum, ihn zumindest einzuholen. Bekanntestes zeitgenössisches Beispiel ist da vielleicht der kleine Bush, der Tschoortschli Tubelju, der wie der Papa, der 'grosse Bush', sich der Politikerlaufbahn verschrieb. An sich clever, denn er ahnte doch mit seinen bescheidenen geistigen Mitteln, dass dafür bescheidene geistige Mittel ausreichen. Aber Papa war dummerweise Stammeshäuptling des grössten und kriegerischsten Wildweststammes. Die Ehre eines solchen Häuptings hing nun stark damit zusammen, wie oft er das Kriegsbeil ausgrub und wieviele feindliche Skalps und Jagdgründe er eroberte. Nun machte der Bubi das gar nicht ungeschickt: er benutzte den Daddy um auch Häuptling zu werden, liess sich auch noch beraten, welche andern Stämmer er am besten angreife und wie er sie und alle andern Weissfüssler am besten täuschen könne über die wahren Absichten. Und erst nach dem ersten Krieg, den er als gewonnen verbuchen konnte, weil er mehr Skalps erbeutet hatte als die Feinde, stürzte er sich in den Wahlkampf um Daddy zu schlagen, der nur gerade vier Jahre Häuptling war. Und siehe da, Manitou war auf seiner Seite, es gelang. Obendrein führte er noch einen zweiten Krieg, der zwar etwas weniger klar als Erfolg anerkannt wurde, da er etwas ungeschickt und kurzbeinig gelogen hatte, aber wenn man nur die Skalps zählte - und das war ja entscheidend - dann hatte er auch punkto 'gewonnene Kriege' die Nase vor Papa! Und das obwohl der alte Herr soviel kluger, soviel smarter, so viel durchtriebener war. Eine echte wenn auch etwas späte Pubertätsleistung. Wer weiss, vielleicht wird der Tschoortschli ja ins Alter noch richtig erwachsen?

Nun, ich gehörte immer schon zu den Sowohl-als-auch-Typen, zu der dritten Sorte Bubis, die zwar auch ein wenig dumm dem Vater nacheifern, daneben zur Ablenkung aber auch noch tausend andere Dinge tun. Und da mein Vater ein grosser und schrecklich kluger Dozent und Bücherschreiber war, wollte ich natürlich auch immer, dass mir die andern zuhören oder wenigstens mein Geschreibsel lesen müssen. Nun, das mit dem 'Müssen' ist schwierig, wenn man nicht gerade als einziger in einem Fachgebiet Prüfungsstoff-Produzent ist, aber immerhin - und das ist der langen Rede kurzer Sinn: ich doziere an der Hochschule. Gut, es ist nur die Volkshochschule, also der VW neben den Sportwagen wie Uni und ETH, aber immerhin, ein Anfang. Mein Lieblingsdozent an der Uni Zürich ist Detlev von Uslar, ein ungemein gebildeter und herzensguter Psychologe, Philosoph, Theologe. Er wird in diesem Jahr 80 und ist geistig frischer als fast alle jüngeren Kollegen. Das macht doch Hoffnung, oder etwa nicht? Auch das Thema meiner 'Vorlesung', die natürlich mit Musik, Kabarett und Karikatur aufgepeppt wird, ist ebenfalls ein Glücks-Fall: natürlich mein Glücks-Buch, das die Hörer dann gefälligst wie ein Skript zu erwerben haben. Also, falls Sie kommen wollen, die Veranstaltung ist öffentlich. Das ist die schweizerisch geordnete Form des Londoner Hydepark-Corners. Am Mittwoch, 8.11.06, 19.30 Uhr im Torggel in Kreuzlingen:

 

 

 

VER-LAGs-Jubiläum

Eine Gelegenheit, sich als Nachwuchs-Germanist ein paar Gedanken zur Vorsilbe VER- zu machen. Man tat dies im Thurgau vorerst im Zürcher Dialekt:

Won ich mir d Uufgab gstellt han, für hüt em Housi Moser s Thema VERLAG zuezschiebe, hani – déformation professionnelle – als Tütsch-Studäntli mir äntli emal es paar Gedanke über d Vorsilbe VER- gmacht. Will es git ja chrottevill Wörter wo mit VER- afanged und dänn chunt es Wort mit ere durchus eigeständige Bedütig oder wenigschtens eme Bedütigs-Chërn, we ebe VER-LAG.

Da hämmer also e LAG, wo na völlig ruig isch, wo en Zuestand isch, wo au na kä Bewertig drin isch, wen e Wätterlag oder d LAG vo de Nation oder – i de Schwiiz welewäg am wichtigschte: d Finanz-LAG. Dänn chunt das VER dethër und git irgend en Ufregig, e Bewegig dri, wemers bi VER-lieben und Ver-knurren mitghöred. Au de VER-stand isch ja d Gab, de eigeti Standpunkt z VER-laa und öppis vomene andere Standpunkt uus azluege. Au da isch Bewegig und durchus au Ufregig drin. Wämer die Bewegig gnau alueged und sogar probiered i si inezgspüre, hät si hüüffig öppis wen en Drëh-Impuls, nüd nu bi VER-trüllet und VER-siechet, au bi VER-kante, VER-blöde, VER-saue, VER-gammle, VER-hunze, VER-löle, VER-störe, VER-graule. Meischtens isch das en Drëh-Impuls in e Richtig, wo me als unguet empfinded, wo hüffig über en Punkt, über es Limit usegat und mängisch au wider zume Zuestand, ja fasch zu öppis Ändgültigem cha füere we VER-band, wo ja us Verbandsstoff oder us töötelige Lüt cha si, wo aber i beidne Fäll zur Immobilität vo de Glieder füert, oder bi VER-heiratung, wos dë meischtens au fertig isch mit Bewegig, ussert vonenand wëgg, bi de VER-urteilung, wo de VER-urteilti in innere oder üssere Knascht füert oder diräkt id VER-dammnis, wänn de VER-urteiler en Instanz vom Papscht a uufwärts isch. Und demit simer scho wider bi de negative Färbig, wo das VER- allpott mitschleipft: VER-wüntschig, VER-letzig, VER-ballhornig, ganz herrlich bim VER-lust, wo d Lust i de Regel zum Stillstand chunt, was meischtens nüd im Sinn vom VER-lürer isch – oder bi de Verbe VER-laa, VER-derbe, VER-choo, VER-lumpe, bi den Adjektiv VER-läge, VER-schupft, VER-truckt.

Di grossi linguistischi Frag isch jetz, öb die Profilmerkmal vo de Vorsilbe VER- ali immer kumulativ vorhande sind, eifach meh oder weniger uusprägt, oder öbs au Wörter mit VER- git, wo völlig jungfröilich rein ohni de gringschti negativi Drëh-Impuls dethër chömed? Da hete mer doch Kandidate we VER-sprechen wo gërn suber bliibtid ohni de Zwick richtig VER-sprächer, such hämmer dänn sofort die hüüffigi Situation, dass eine sis Verspräche, won er bi de VER-lobig und de VER-hüratig abgëë hät als VER-sprächer abtuet. Ja vo wäge VER-lobig: isch das de Momänt, wos Lobe überdrëht wird und zume gar nüd agsträbte, ja womögli spöter VER-wüntschte, ja VER-fluechte Zueschtand füert, em VER-hürated si?

Und was isch mit em VER-Stand? Wämmer da de negativ Drëh-Impuls mitlosed, bringts eus ja um de VER-stand? Dë wird doch hüt, inere Ziit ohni Rückbindig nach ufe, als s höchscht und wichtigscht i ali Himmel ueprise: de legendäri xundi Mäntscheverstand, wo bi jedem i jeder Frag und Lag öppis anders verzellt. Chönti das vilicht heisse, das de VER-stand ebe gar nüd s schläuschti Mittel wëri zum VER-antwortig wahrnëë? Das es vilicht na so öppis we s Herz gëbti, wo gottlob nanig zum VER-Herz VER-choo isch? –

Und ganz häikel: s VER- vo VER-Antwortig, wo mer jetz grad agsproche händ. Het die Antwort, wo de Mäntsch git uf s'Agsprochewërde dur das, won er wahrnimmt, also dur di ganzi Schöpfig, hett die Antwort vilicht en liecht vertrüllete liecht negative Impuls? Lit also vilicht scho im Wort VER-antwortig d Uusfüerig, de Ton, de Stil vo der Antwort drin? Will wämer so umelueged und das VER-chrugleti Planetli alueged, dänn isch da scho chli en VER-trüllete Spin drin i de Antwort vom Mäntsch uf sin Spielball…

Aber lömer das emal offe und gänd em Housi Moser s Wort zum Wort VER-LAG. Mer hoffid, er seig i der LAG, sich en VER-S da druf z mache, s gäbi kän VER-Vers und mir chönid em trotz em chrüzcheibe Chrüzlinge-ferne Dialäkt uf de FERse bliibe mit em VER-stand – oder ebe mit zuesätzliche FER-tigkeite.

Und dann ging das Wort an den Berner Strassenphilosophen Housi Moser zum selben Thema:

Housi Moser: VERLAG

  S'git Lüt, die hei e VER-lag
Die gfinge nütz
Die VERlegge ständig alls
Was si VERleit hei, chunt eifach nüm füre
Isch so guet wie VER-lore
Ussert si machid sich ärnschthaft uf d Suechi
Si gäbid so richtig Druck
U truckid der ganz VER-lag uf em Pult chlei uf d Site
DENN chas si, das es paar Site füre chöme, wo sie VER-leit gha hei
U denn VER-legge si die vilech würklech u gä si in Druck
Aber vorhär mache si Druck uf dä, wo die Site verfasst het
Nid dass dr VER-Fasser no zumne Fass wird vor luter Frass
Oder zumne Fass ohni Bode wo alls VER-schluckt
Wo VER-leger het truckt u uusgschpuckt

Si VERfolge ne mit VERruckte VERträg, das er nid träg wird
Rucke VER-antwortig zrächt bis er Antwort git u si Rächt hei
Si VER-setze ihm Schlëg we si Wörter VER-setze, VER-stelle, VER-legge
Title VER-ändere, Kapitle VER-nuele
U wes de eis VER-ussen isch de VER-rächne si alls u s blibt nütz oder weniger
U churz vor dr VER-fasser VER-ändet
VER-tröschte si die Froue u Manne uf ds nächschte Mal
Wo alles VER-besseret wird
Wo se nümm VER-hungere
Nümm VER-zwiifle
Wo nümm uf em Grabstei steit: er erlag dem Verlag.

U vilech, wär weiss, gits das nächschte Mal ganz unVER-hofft imne nächschte Läbe
We si a anger VER-leger z ligge chöme
Da wärde si verläge
Will s'git Lüt, die hei e VER-lag
Die liebe s gschribnige Wort u ds gmalete Bild
U will se sälber nid Schöpfer vo Wörter u Bilder si
Hälfe si däne, wo s'si
U wärde so zu Mitschöpfer
Gstalte, phalte, verwalte
Was Chaote u di Tote hei gchritzlet u gmöggelet, gföteled, griimt
U si sammle u sueche süferlig suber
Achtsam, voll Liebi, mit vill Akribie
Bis das Wärkli de vorene lit – si si stolz
U si renne u mache u wärbe u zeige das Wärkli desume ir Wält
Si gäs i Bibliotheke u Schuele
Das jede wos suecht o cha gfinge

U d Chaote hei Vorschuss u Zässe
Chöi witer chritzle u biltle
Chlei Hunger u Gluscht isch guet für we d Muse wosch chüsse
Doch wes icheziet i di schitteri Hütte
We dr Mage d Fantasie überchnurred
We d Gläubiger rüttle an gwagglige Läde
We ds Überläbe zabled a Fäde

Denn isch das ke Lag wo Verlag bringt i d Lag
Zum Blüeje z bringe s Talänt vo Outore
Wo öppen ou Tore-Buebe chöi si

Verleger si isch e Kunscht für sich
Verirrig, Verwirrig gits jede Tag
Wie fescht luegsch uf d Chole, uf modisches Gschmöis
Uf Trendigs und Schmierigs wo ds breit Volch wot ha
Wo aber scho ds Jahr druf chasch d Schiissi abla?
Wie wit chasch ders leischte, nach Edelstei z grümschle
Di Sältene z sueche, d Prophete z entdecke
Wo vilech es paar hundert Jahr z früe si cho
Wo noni verstande chöi wärde vor Masse
Wot o nüt verdiensch, ja wot drufleisch im Gloube
Heigsch doch öppis Wichtigs für d Zuekunft vollbracht
O wennt mit däm Zügs hesch Verlags-Konkurs gmacht

Dr Dräi vo dem VER- vom Wörtli VER-lag
Isch mängisch es Glück u mängisch e Plag
Vertrületi Cheibe gits bi de Verleger
Vertrackti, verschütti, verlogeni Pleger
Doch o die Verliebte si nid ganz normal
Verliebtheit isch mängsmal bekanntlich fatal:
Das Schwärme, die glänzig romantische Ouge
Vo Wärchli wo ökonomisch nid touge.
Und doch, luegsch die Büecher, die wunderschön War a
So ghöre si gschützt vo 'Pro specie rara'!

 

 

Schamanismus und Reglemente

Klingt etwa wie Dessertbuffet und Knäckebrot. Oder Abenteuer und Ehe. Aber bei mir hat beides wunderbar Platz, also ich meine jetzt Schamanismus und Reglemente. Wobei, zugegeben, im ersteren Fall bin ich gerade mal in der Spielgruppe und bereite mich auf den 'Chinzgi' vor, im letzteren Fall hingegen...na ja, schliesslich ist man Alt-Jurist und wenn es dann noch um die Reglemente rund um den Sport mit den geliebten Hoppe-Hüs geht, dann schwillt da ja geradezu die Brust. Nur, Fachkompetenz war gar nicht gefragt, sondern vor allem Sprachkompetenz und innerhalb dieser die Fähigkeit zu juristisch brauchbaren Formulierungen. Inhaltlich war grösste Zurückhaltung angesagt - also genau das, was mir in die Wiege gelegt wurde.

 

 

Hirsebrei? - Hirsebrei.

Stellen Sie sich einmal lebhaft vor, Sie hätten nicht gern Hirsebrei. Geht das? Müssen Sie sich gar nicht besonders anstrengen? Oder wissen Sie vielleicht gar nicht, wie das schmeckt? - Das allein geht ja alles noch, aber nun müssen Sie schwärmerisch darüber schreiben, wie unser Stapi mit der halben Verwaltung mit unseren Steuergeldern ein paar Bötli besteigt, statt Brötli im Bötli eben mit Hirsebrei vom Sprüngli (???) bewaffnet limmat- und dann rheinabwärts schaukelt, wie wenn es nicht schon sonst genug abwärts ginge mit Zürich, der schönsten Baustelle der Schweiz. Er entflieht also dem Lärm, futtert und nächtigt edel, hält ein paar faule Tischreden, feiert sich, die Vergangenheit, die Gegenwart und ganz speziell die Zukunft und überhaupt. Und Sie müssen daraus einen wohlgefälligen Brei brauen - naja, Brei braut man nicht, aber die Alliteration war so reizvoll, ich konnte nicht widerstehen - also ein Brimborium bruzzeln (auch nicht besser), bis Ihnen die Hirse am Hals steht und sie keinen Happen mehr davon sehen können. Guten Happetit, die ihr Hir-seid und lest. Hir-serbelt ihr, Hir-setzt's was ab: Hir-selig werden...

 

 

Die ewigen Studenten

Es gibt Typen, die lernen's nie. Die sind immer am Studieren. Zuerst studieren, sie, ob sie studieren sollen, dann was sie studieren sollen, dann studieren sie mal drauflos und wenn sie überhaupt je bis zum Abschluss kommen und ein bisschen was für's Bruttosozialprodukt tun, geht's nicht lang und sie beginnen - mit dem nächsten Studium. Am Ende ihres Lebens und nach dem Ansammeln von Tonnen von Wissen erkennen sie dann das, was der gute alte Sokrates ganz locker auf dem Marktplatz erkannte, nämlich zu wissen, dass sie nichts wissen. Zwischendurch haben sie vielleicht der Nachwelt das eine oder andere an Halbausgegorenem mitgeteilt, aber der Hauptwust bleibt anderen Studenten überlassen, die vielleicht ein paar hundert Jahre später sich durch den Nachlass wühlen. Zumindest bilden sich das die ewigen Studenten in ihren nettesten Träumen ein. Der langen Rede kurzer Sinn, ich habe hier mein Comin-out, ich dachte, Sie als Stellvertreter der virtuellen Öffentlichkeit müssten das nun endlich wissen. - Es ist ja immer sowas mit dem Coming-out: die grosse Illusion, das interessiere irgendwen. Aber jetzt muss es raus: ich bin bekennendes Mitglied dieser vom Virus 'Studiosus perennis' befallenen Sekte, die nun bereits zum dritten Mal am Busen der Alma Mater nuckelt und brav wie ein Giovanotto Seminararbeiten schreibt, Vorträge hält, für Akzessprüfungen büffelt, mich mit Professoren rumraufe - und wissen Sie, was das Schlimmste ist, das wirklich Entsetzliche? - Es macht Spass, ich geniesse es, auch wenn ich am Schluss nur weiss, dass ich nichts weiss. Denn ich bin überzeugt, dank dem aktuellen Studium (Philosophie, Germanistik, Englische Literatur) weiss ich es genauer. Sie werden sich fragen, was denn ein solcher Schlendrian-Student in den langen Semesterferien macht (ausser natürlich ein wenig Geld verdienen). Ich gestehe gesenkten Hauptes, dass ich die studienfreie Zeit für - ein weiteres Studium nutze, allerdings, das versichere ich Ihnen, nur ein kurzes, ein Zwischenstudium, gut, es könnte sich dann doch in die Länge ziehen, aber es ist nicht an der Uni und man braucht auch keine Dissertation zu schreiben. Es geht um das Studium der Tierkommunikation. Wobei das schon wieder missverständlich ist, denn es ist mehr ein Praktikum als ein Studium, aber bekanntlich kann man ja auch über ganz praktische Dinge nachdenken, an ihnen herumstudieren - und das werde ich mit Sicherheit. Damit ist auch schon die Drohung verbunden, dass ich Sie mit meinen theoretischen Erwägungen zur Praxis der Tierkommunikation behelligen werde. Aber das tue ich ja sowieso die ganze Zeit. Und es ist ja freiwillig und jederzeit wegklickbar, mein Geschreibsel. Da Tiere sich relativ selten in sprachlichen Zeichen ausdrücken, wird es in dieser Form eh nicht so viel hergeben. Eigentlich scheint es mir deshalb fast besser, Sie versuchen das selbst einmal und berichten mir dann von Ihrer Praxis. Also falls Sie irgendwelche Tiere kennen, die Sie nicht wegen akuter Belästigung bereits erschlagen haben. Sonst gehen Sie wieder mal in den Zoo, man braucht gar nicht zwingend ein kleines Kind als Ausrede dabei zu haben. Und Sie haben bestimmt mehr Ruhe für Ihre Gesprächsversuche als bei den meisten Trubo-Bauern. Also, bis gleich im Zoo. Zu Studienzwecken natürlich.

 

Max, der Fremdarbeiter

Max, mein alter ego, geht schon wieder fremd. Ursprünglich motzte er in den Spalten der Pferdfachzeitschrift 'Kavallo' herum, dann trieb er sein Unwesen sogar wider seine Natur 'gebunden' oder zumindest 'geklebt' zwischen zwei Buchdeckeln und jetzt das: er frotzelt auf einer anderen Website herum, nämlich auf www.swisseventingclub.ch. Natürlich geht es da auch wieder um Rösser und Rösseler, aber zur Zeit hat er sich eingeschossen oder festgebissen auf flaue Flunk-Zion-Ähre, auf hehre Ehrenämtler, modernde Vereinsmölche, sture Stubenhocker, schlappe Schlendriane, müde Münzensammler und scheinheilige Bremsscheiben. Also lauter wirklich vergnügliche Jagdziele. Auch hat er mit beginnender Altersschwäche kürzere Notate und Sprüche zu bellen, statt ausgiebiger Kolumnen. Wer sich trotzdem nicht abhalten lässt, sich dieses Gekläff anzutun, sei unter mehrmaligem Hinweis auf der Packung "Dieses Gemotze kann Ihrer geistigen Ungesundheit schaden" zum Link hingeführt, den er aber eigenverantwortlich anklickt - jede Haftung oder Klebung wird abgelehnt. Im Unterschied zu allen Wettbewerben und Verlosungen kann aber über Maxens Gebräu durchaus Korrespondenz geführt werden. Die An-Ziehung oder Abstossung findet allerdings nicht unter notarieller Aufsicht statt. - Fast vergessen, der Link wäre, wenn's denn sein muss: HIER.

 

 

Verbände?

Es sagt einiges über Sie aus, wenn Sie zugeben, was Ihre erste Assoziation ist beim Wort 'Verband'. Denken Sie an einen Schildkrötenverband, wie man ihn in der Pfadi oder im Nothelferkurs ums eigene Knie wickeln lernt? Oder denken Sie sogar beim Wort 'Schildkrötenverband' an eine von Menschen ins virtuelle Leben gerufene Organisation, die sich um Wohl und Wehe der Schildkröten kümmert? Eine Unterabteilung des WWF? - Wir denken zur Zeit vor allem an den Schweizerischen Verband für Pferdesport und an dessen Chef, der diesen Riesenmoloch brillant führt, so nebenher, denn eigentlich leitet er hauptberuflich die viertgrösste Bank der Schweiz. Mir immer wieder schleierhaft, wie man sowas unter einen Hut kriegt. Aber er kriegt es, sogar ohne Hut. Wahrscheinlich ist das der Trick, dass er keinen beengenden Hut trägt, der ihm die Sicht einengte oder auf's Hirn drückte... Manchmal dürfen wir ihn bei seinen unzähligen Präsentationen und Auftritten in seiner Doppelfunktion unterstützen - mit grossem Vergnügen. Dabei gibt es auch Resultate, die man dereinst herzeigen kann, was wir natürlich hier an dieser Stelle auch tun werden. Zum Beispiel eine moderne Form der Image-Präsentation eines Verbandes. Also eine Verwurstung des Verbands-Stoffes ganz ohne Verbandsstoff - und eben: Pferde, nicht Schildkröten. Wobei mich auch die Schildkröten faszinieren würden. Also falls es einen Schildkrötenverband gibt, den man nicht am Knie anlegt: mit euch würde ich mich gerne anlegen, die Sache der Schildkröten auslegen und der Öffentlichkeit vorlegen - nur zu.

 

 

Ein Heer von Gemeindeschreibern

Wie wenn das nicht schon ein harter Schlag gegen meine versammelten Vorurteile gewesen wäre mit den Steuerfritzen, kam nun noch das 150-Jahr-Jubiläum des Vereins Zürcherischer Gemeindeschreiber und Verwaltungsfachleute dazu. Lassen Sie das auf der Zunge zergehen. Da ist jedes Wort eine Katastrophe: 150! Bei aller Spitzenmedizin, solche Greise gibt's noch nicht - ausser eben: es sei ein 'Verein' - ein Wort, das geradezu mieft von schweizerischer Biederkeit. Dann 'Jubiläum': man kriegt den Hals gar nicht mehr gerade vor lauter Rückschau. 'Zürcherisch' mag angehen, das erinnert leise ans Sechseläuten, aber dann 'Gemeindeschreiber'. Ja, natürlich, Gottfried Keller - und das unvermeidliche Anker-Bild, bekannt von Briefmarken und Drittklasslesebüchern, das im Original zugegen war, ausgeliehen samt Bodyguard von Christoph Blocher. Und nun der K.O.-Schlag: 'Verwaltungsfachleute' - wer jetzt keine trockene Zunge kriegt, ist selbst einer. - Ich erspare Ihnen ausführliche Berichte, wie gut der Stadtpräsident begrüsste, wie launig Regierungsrat Notters Ansprache, wie amüsant die ganze Veranstaltung war, nicht wegen, trotz mir und meinen Klischeevorstellungen. Wissen Sie, wovon an meinem Tisch beim Mittagessen gesprochen wurde? Über eine heisse Braut , die mit einer Ducati mit ferrari-rotem Sprutz drauf durch das Kaff eines der Gemeindeschreiber zu brausen pflege - und nicht über das letale Problem, von dem ich glaubte, dass es die Kleinhirne von Staatsbeamten zerfresse, nämlich was zu tun sei, wenn die Formulare zum Formularebestellen ausgehen...

Dass die Herren sogar über den folgenden Beitrag schmunzelten, ja darüber sinnierten und diskutierten, schmeichelt natürlich meinem Alter-Ego, dem Berner Strassenphilosophen Housi Moser, ungemein:

Housi Moser: Spagat

 

 

Liebenswerte Steuerfritzen und andere Katastrophen

Ich rechnete mit vielem, was mir an Ungemach noch begegnen könnte in meinem Restleben, aber nicht mit dem: dass ich an einem Fest mit lauter Steuer-Heinis auftreten müsse, dass die sich wider Erwarten als waches, witziges und wirbliges Publikum entpuppten und sämtliche Klischees, die ich über diese Berufsgattung hatte, regelrecht pulverisierten, ja dass ich über einen von ihnen hieb- und stichfest beglaubigte Geschichten hörte von seinem Göttibuben, dergestalt, dass ich nicht umhin konnte, ihn ins Herz zu schliessen. Man stelle sich das vor...
Eine ähnliche Katastrophe ereignete sich mit Behördenmitgliedern einer Zürichseegemeinde - wenn das nicht megastier klingt! - die sich von der humorvollsten und kulturinteressiertesten Seite zeigten. Tja, man lernt eben nie aus.

Etwas weniger schnucklig geht es in meinem Journalistenjob zu. Als verantwortlicher Redaktor für den Online-Auftritts eines schweizerischen Sport-Clubs (www.swisseventingclub.ch)geht es nicht nur um Turnierberichte mit hübschen Pferdefotos, sondern auch um Verbandspolitik. Das Spannende an den Funktionären ist, dass sie meist aus einem durchaus privatwirtschaftlichen Umfeld kommen, in der Maske des Verbandsfunktionärs aber häufig zu längst ausgestorben geglaubten DDR-Verwaltungsbeamten mutieren. Nette Mitmenschen, die man durchaus für mit gesundem Menschenverstand versehen einschätzte, werden - geblendet, verängstigt oder getrieben von der geliehenen Macht - zu Mikadospielern, zöllner-artigen Formalisten und im übelsten Fall zu Despoten.
Mein spontaner Vorschlag: Jede Gemeinde sollte neben dem Kinder-Hort und dem Altersheim auch eine Funktionärs-Anstalt installieren, in der - wie im Verkehrsgarten - der spielerische Umgang mit der Funktionärs-Macht gelernt werden könnte. Als Untertanen, Zöglinge und Athletoiden könnten in der Anstalt Gummipuppen, Steckenpferde und Teddybären eingesetzt werden...

 

 

Neue Housi Moser - Poeme

Je länger ich im 'Grossraum' Zürich lebe und arbeite, desto vehementer meldet sich meine Viertels-Bernerseele , die ich rituell in der Gestalt des Berner Strassenphilosophen zu Wort kommen lasse. Ich wurde schon ab und zu gefragt, ob es diesen Kerl denn wirklich gebe. Die Antwort eines Nachwuchsphilosophen, der die Welt - jedermanns Welt - für selbstgebastelt hält, ist natürlich paradox: "Jein" oder "Für alle die, die ihn kennen, gibt es ihn" . Wer ein materialistisches Weltbild hat und sich bei der Frage 'Gibt es XY?' nach einem von sich selbst verschiedenen, in der Aussenwelt als Wesen oder Ding mit den Sinnesorganen wahrzunehmenden Materieklumpen umsieht, für den gibt es den Housi Moser nicht. Der Materialist kriegt aber bereits ein gröberes Problem, wenn ich zurückfrage, ob es denn seine Frage gebe. Wenn er naturwissenschaftlich einigermassen gebildet ist, wird er irgend etwas von im Hirn beobachtbaren und mit moderner Technik sichtbar machbaren Strömen faseln und sagen 'Ja, meine Frage ist Strom, ist Energie im Hirn, und sobald ich sie ausspreche, ist sie zudem noch Schall, also messbare Materie, es gibt sie.' - Dann gibt es aber den Housi Moser auch, werd ich ihm sagen, denn das sind sogar ganz viele Strömlis in meinem Hirnchen, die den ausmachen, und wenn ich seine Poeme vortrage, dann gibt das haufenweise Schallwellen.

Wichtiger ist aber für mich, dass es ihn als Teil meines Herzens, meines Empfindens, meines Wesens gibt, als Rolle, die zu mir gehört und die ich besser 'studieren' kann, wenn ich in eine künstliche Distanz zu ihr trete, sie benamse und in einer eigenen Sprache sprechen lasse. Die Grenze zwischen er ist meine Schöpfung, er ist mein 'Kind', er ist in mir, er ist identisch mit mir, sind fliessend - und das ist etwas, was der Materialist auf den Tod nicht ausstehen kann: fliessende Grenzen. Basiert doch unser ganzes Wissen auf Grenzsetzung und die ist nur was wert, wenn sie auch sauber, klar, scharf ist. Ja die Sekte der Grenzsetzer, die durchaus noch im Modetrend liegenden Differenztheoretiker, reduzieren alles, sämtliches, die Welt mit allem drum und dran auf Unterschiede. Das mag nett sein, wenn man den 'kleinen Unterschied' erkennt, aber doch nicht sehr spassig, wenn man dann die Grenzen nicht fliessend macht und zur Vereinigung des Unterschiedlichen schreitet, oder sitzt, oder liegt.

Es gibt immer noch sich wissenschaftlich wähnende Philosophen, die allen Ernstes behaupten, das, was den Menschen zum Menschen mache und vom Tier unterscheide, sei die Fähigkeit, die Welt in Begriffe zu packen. Und Begriffe sind definierte Weltausschnitte - und definieren heisst nichts anderes als umgrenzen, Grenzen setzen - selbstverständlich genaue, am liebsten absolut wahre, ewig und für alle gültige. - Wundert sich noch irgendjemand darüber, dass diese Grenzsetzerei, angefangen mit der Begriffsbilderei und deren Absolutsetzung, dauernd Krach und Krieg gibt?

'An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen' - dann wäre der richtige Begriff, die richtige Abgrenzung oder Definition für den Menschen doch vielleicht eher: das ständig wegen Begriffen sich in die Haare fahrende und Krach kriegende und Kriegskrüppel schaffende Wesen? - Wie auch immer, wenn wir auf die Früchte kucken, können wir uns die Diskussion darüber, ob es den Housi Moser gibt oder nicht, getrost ersparen, denn er war offensichtlich wieder zweimal fruchtbar. Vielleicht basiert das menschliche Gebaren ja nur auf einem kleinen Missverständnis, einem Abschreibefehler eines angetrunkenen Mönchleins, das notierte: "Seid furchtbar und vermehret euch" - das wurde dann allerdings ernst genommen. Schon das Zölibat soll ja in englischen Landen entstanden sein durch ein Missverständnis, das letzthin von einem englischen Humoristen aufgedeckt wurde. Demgemäss soll es im Zusammenhang mit der Liebe nicht geheissen haben 'celibate', sondern 'celerbrate love'! Gut, ein Teil der Betroffenen hat das ja schon immer recht frei interpretiert... - Auf jeden Fall: Den Begriffen und denen, die sie abschreiben ist doch einfach nicht zu trauen. Sagte nicht Housi einst "Als sie sich nicht mehr trauten, trauten sie sich"? Also Vorsicht auch bei Housi Mosers neusten Verwirrspielen (die dürfen Sie im Fall ohne Rückfrage und gebührenfrei jederzeit im Familien- oder sonstigen Kreise vortragen, zu Schallwellen werden lassen oder per Mail durch den Äther schicken, er freut sich darüber - und es gibt ihn ja gar nicht...):
Gstalter u Verwalter
Abschied

 

Kommunikations-Mix

Text, Musik, Tanz, Bild teils gleichzeitig, teils gestaffelt, teils sich ergänzend, teils sich kontrastierend, dazu inhaltliche Spagate von Kalauer bis Lao Tse, von Herz bis Heraklit, von Polit-Schrott bis Polyvalenz-Spiel, von spöttisch bis spirituell - das ist vielleicht nicht der gewohnte Agentur-Mix, aber gewiss das, was Marpa & Friends Spass macht. Wenn die wilde Mixtur mitunter auch Publikum findet und Echo auslöst, umso besser. Geteilte Freude ist bekanntlich doppelte Freude. Die letzten Auftritte in Meilen und Herrliberg mit der Tänzerin Andrea Herdeg, der Geigerin Bettina Boller und dem Pianisten André Desponds waren solche multikommunikative Experimentierfelder, in denen Rationales und Suprarationales, Einfaches und Komplexes, Nonverbales und Wortakrobatik wunderbar nebeneinander Platz hatten, sich befruchteten und ergänzten. Wenn ich hier die neuen Housi Moser -Poeme anfüge, die für diese beiden Veranstaltungen entstanden, so ist dies nur ein kleines verbales, auf Schrift reduziertes Element aus dem Multimedia-Strauss. Beim Meilemer Anlass - der Generalversammlung des Handels- und Gewerbevereins (www.hgm.ch) - widmete sich Housi dem Thema Gestalter kontra Verwalter, beim Herrliberger Anlass - Verabschiedung von Behördenmitgliedern - machte der Berner Strassenphilosoph sich grundsätzliche Gedanken zum Thema Abschied.

Mit von der Partie waren

die Tänzerin Andrea Herdeg und der Pianist André Desponds

 

Die Star-Geigerin, Konzertorganisatorin, Radio- und Fernsehmoderatorin Bettina Boller

Etwas vom Schönsten an der Zusammenarbeit mit diesen hochkarätigen Profis ist die Spielfreude, der Humor, die Abenteuerlust an der Improvisation, die Solidarität, die Herzlichkeit. - Wenn das Arbeit ist, was wir zusammen erlebten, dann ist Arbeit etwas Wundervolles.

 

 

Fasnacht

Gibt es etwas Delikateres als wenn ein Zürcher in Basel am Aschermittwoch eine Rede halten muss, darf, soll und auch will? Mein leider allzu früh verstorbener Frend, der grosse Schauspieler, Theaterlehrer, Redner und Lachsräucherer Hans Gerd Kübel, nannte solche Aufträge 'rhetorische Himmelfahrtskommandos'. Hier ein klitzekleines Bisschen mitzufeilen, damit es zwar weder zur Höllenfahrt noch zu Kommandoaktionen kommt, das bisweilen fast pathologische Fasnachtsgetue der Rheinknie-Aborigines aber doch zärtlich auf die Schippe genommen wird, das kann man schon fast nicht mehr als Arbeit bezeichnen. Denn Verrückte machen immer irgendwie Spass, auch wenn ihre Verrücktheiten allen ästhetischen Grundsätzen spotten. Man kann ja den Fasnachts-Freaks nicht wirklich böse sein, auch wenn sie mit ihrem jegliche Sinne beleidigenden und für jedes Musikerohr albtraumauslösenden Piccolo-Trommel-Gelärme auch die Gedärme belasten, wenn sie wie die junkigsten Drögis mit glasigen Augen dem Moooorgestraaaich entgegenfiebern - denn immerhin sind sie noch begeisterungsfähig, und zwar in einer ganz archaischen, volksverbindenden Weise. Natürlich irgendwie kleinkindlich-herzig, aber eben doch liebenswert in ihrem Glück. Dagegen ist doch - ich weiss, dass ich jetzt als Netzbeschmutzer mit Lynchung rechnen muss - das elitäre, gehobene, gemessene und das Volk als Zuschauer marginalisierende Zürcher Sechseläuten schon etwas zwinglianisch, steifkragiger, seriöser. Eigentlich sollte man beides erleben, um den vollen Genuss zu haben, aber Züri-zöiftig und gleichzeitig im Baasler Daig zu sein, sowas bringt wohl nicht einmal Vasellas Klon-Industrie zuwege.

 

 

Auch Nüchternes kann Spass machen

Zum Beispiel die deutsche Übersetzung eines original französischen Prospekts redigieren. Da gibt es nicht nur einiges zu schmunzeln bei den offensichtlichen Wörterbuch-Übersetzungen, sondern auch gleich wieder etwas zu philosophieren, ja, je nach Gemütslage und Typus kann man beim Übersetzen auch durchaus depressiv werden. Denn es gibt kein einziges Wort, das in der Ausgangs- und Zielsprache völlig deckungsgleich wäre, also genau denselben Umfang und denselben Inhalt hätte, geschweige denn dieselben Assoziationsketten auslöste, die sich sowieso nie wirklich kontrollieren lassen, da sie von unzähligen Faktoren auf der Seite des Rezipienten abhängen: Je nach kulturellem Umfeld, Bildung und Ausbildung, Persönlichkeit, sozialer, psychischer, physischer Verfassung desjenigen, der eine Zeichenballung wie z.B. einen Text aufnimmt, divergieren die Interpretationen und Assoziationsketten vom allerersten Zeichen an. Wir kennen es am besten von der Wirkung von Texten, die mit Bildern vermischt auftreten. Zieht uns das zuerst gesehene Bild an, löst es irgendwelche Emotionen aus, die wir vielleicht gar nicht gleich benennen können, nehmen wir diese Gefühle in die Rezeption des Textes mit. Je nach der Kongruenz, die nun Text und Bild aus der Sicht des Rezipienten haben, verstärkt sich der erste Eindruck oder er verflüchtigt sich wieder, z.B. wenn wir eine für uns durchschaubare plumpe Absicht des Senders zu erkennen glauben. Eine Übersetzung auch nur eines einzigen Satzes kann also bereits ein abenteuerliches Unterfangen sein, das – wie alle Abenteuer – auch völlig in die Binsen gehen kann. Als Sprachnarren stellen wir uns aber der Herausforderung immer wieder, wissend um die Unzulänglichkeit der Verbalsprache und um die noch viel grössere Bredouille jeder Übersetzung – ja, übersetzen Sie doch bitte mal 'Bredouille', die besten Lösungen werden publiziert!

 

 

 

Kabarett + Musik + Tanz + Karikatur + Philosophie = ?

Ehrlich gesagt, wir wissen es auch noch nicht, was sich für eine Summe ergibt, wenn man derart Kraut und Rüben zusammenzählt. Wir wissen nicht einmal, ob das Pluszeichen korrekt ist, ob es sich nicht eher um eine Multiplikation handelt.Oder - das wäre die weniger erfreuliche Lösung, um eine Division oder Subtraktion, dass also das eine Event-Element dem andern das Wasser abgräbt. Aber wir probieren's aus. Sinnigerweise gleich in der Heimatgemeinde Meilen und im stolzen Nachbardorf Herrliberg, der alten Einsicht trotzend, dass der Prophet im eigenen Lande nichts gilt.

Neu im Team ist die ebenfalls schon kurz vorgestellte Corinne Sutter:

Sie ist gerade mal 20 Lenze jung, ist zeichnerisch, malerisch, musikalisch und literarisch begabt, trotz fast beängstigender Intelligenz auch emotional stark und weder gefährdet, abzuheben noch sich selbst zu überschätzen. Am bekanntesten ist sie zur Zeit als Karikaturistin. In meinem unverschämten Glück konnte ich sie gewinnen als Illustratorin meiner Märchen. Für die Geschichte von der Wasserwolke Wuu hat sie bereits erste Bilder geschaffen in einer - zumindest für mich - völlig neuen Technik, dem sogenannten 'digital painting'. Hier ein erster Eindruck:


Prinzessin MAA reitet auf der Wasserwolke WUU Richtung Schwarzland...


...und verliert beim Zusammenprall mit einem Baum die halbe Ladung...
(das ganze Märchen WUU: HIER)

Mehr von und über Corinne Sutter: www.corinnesutter.ch.

 

Editorials

Am Anfang jeder Zeitschrift, jeder Broschüre, vieler Geschäftsberichte, ja sogar vieler Programmhefte von sportlichen oder sonstigen Events steht das 'Editorial' oder die 'Grussbotschaft' des für den Inhalt verantwortlich zeichnenden Chefs. In team-orientierten Führungsgremien (oder wenn dem Chef das Schreiben nicht so liegt) wechseln sich Mitglieder der Führungsriege ab im Verfassen dieses Initialtextes. Nun kann man verschiedener Ansicht sein über die Bedeutung eines Editorials. Für mich ist es die Visitenkarte eines Produktes, eines Unternehmens, einer Organisation, eines Veranstalters. Wenn das Editorial durchfällt, setze ich die Lektüre nur fort, wenn ein Auftrag mich dazu zwingt. Andere überblättern es aus Prinzip, da sie gar nichts davon erwarten oder weil sie vielleicht schon oft die Erfahrung gemacht haben, dass da nur Phrasen gedroschen werden, dass da nur inhaltsarmes Gewäsch steht, nichtssagende Banalitäten aufgereiht sind. Dies ist allerdings sehr häufig der Fall - ein Glück für uns Schreiberlinge. Aber wir erhalten die Aufträge, träfe Editorials zu verfassen, ja nur, wenn zumindest die Einsicht vorhanden ist auf der Chef-Etage, dass hier ein wichtiges Führungsmittel darauf wartet, optimal eingesetzt zu werden. Die Erde war wüst und leer, bis der Schöpfer ein Wort sprach: im Anfang war das Wort - berichtet uns die Bibel. Wenn wir als kleine Kopisten des Schöpfers unsere kleinen eigenen Welten erschaffen, ist es genau so: im Anfang ist das Wort des Kreators, des Verantwortlichen, des Chefs. Man könnte also etwas hemdsärmelig die Chefs einteilen in kreative, die die Chance, das erste Wort zu haben, nutzen, indem sie den Platz mit Inhalt und nicht nur mit ihrem Konterfei + Blabla füllen, und in reine Administratoren, Verwalter, denen es eine Last ist, etwas zu sagen, weil sie gar nichts zu sagen haben, weil sie von ihrem Posten aus nur schauen, dass alles seinen immer gleichen Gang geht, dass alles regelkonform und wie gehabt abläuft, dass ihre Schäflein und Scherflein beieinander bleiben. - Aber Binarität, die Reduzierung von Welt auf zwei simple, sich gegenseitig ausschliessende Gegensätze ist immer vorläufig und etwas dümmlich, wenig lebensnah. In Wirklichkeit sind wir alle Mixturen dieser beiden Extremfiguren und die Mischung ist eine sich wandelnde, eine, die wir auch bewusst und aktiv verändern können.

Mein 2006-Tipp ist also: Prüfen Sie, ob Sie in irgendeiner Chefposition eine solche Editorial-Kompetenz haben und wie Sie diese nutzen. Und wenn Sie zwar den Willen haben, sie zu nutzen, aber kaum Zeit und Lust, sich hinzusetzen, dann gibt es Profis, die genau das mit Vergnügen und Erfahrung tun. Übrigens: das 'Editorial' muss gar nicht zwingend ein schriftliches sein. In die gleiche Kategorie gehören Ansprachen des Chefs - Chancen, Marksteine zu setzen, Leitbilder zu geben, motivierend zu führen und führend zu motivieren. Und last but not least: wer einem Haus, einer Kinderschar vorsteht, ist auch ein Chef. Im Zeitalter der grassierenden Anglizismen und Titelsüchtigkeit sollte man dringend alle Hausfrauen und Mütter zu 'Head of Education And Logistics' machen, mit der sinnvoll assoziierenden Abkürzung 'HEAL'. Vielleicht zollten dann all die eitlen CEO's, CFO's und Stuhlmänner (sorry: 'Chairmen', das klingt etwas weniger nach Stuhlgang) ihren Gattinnen etwas mehr Respekt, wenn am Hauseingang entsprechende HEAL-Visitenkärtchen auflägen, dort wo früher das Weihwasserschälchen angebracht war...

 

Die Baumeister und das Glück

Die Winterthurer Baumeister haben Glück: alle haben Arbeit bis zum Hals - und keiner verdient etwas dabei. So die bestimmt etwas pointierte Status-quo-Analyse des Präsidenten des Verbandes. Wenn nun ein Glücks-Philosoph an ihrer Jahresversammlung zu ihnen sprechen darf, so kann man das entweder als Beweis eines glücklichen Händchens, als fast schon weise - oder aber als Verzweiflungstat interpretieren. - Was dabei rauskam, war sowas, wie wenn man Champagner ins Bier giesst oder - alltäglicher - Öl und Essig zu vermengen versucht: man muss ständig und quirlig umrühren, drin wühlen, damit sich die beiden Elemente wenigstens kurzfristig binden. Hier waren es kabarettistische Einlagen und Glücks-Philosophie, das eine zum Zurücklehnen, das andere zum Vorneigen. Wenigstens den kabarettistischen Einstieg, für den ich wieder einmal meinen alten Berner Freund und Strassenphilosophen Housi Moser bemühte, will ich Ihnen zumuten:

Housi Moser: Boue

S'git Lüt, die boue
U s'git Lüt die troue däne wo boue
U de gits Lüt, die gschoue ume we di angere troue z' boue
U de gits Froue, wo mit uchezogne Ougebroue gschoue u däne nid über e Wäg troue wo troue z'boue
U Manne, wo närvig desumesoue bim boue, ds Bluet fat sech aa stoue, s'wot se fasch umhoue s'packt se s'chalte Groue
D'Chöschte gö gschnäller i d'Höchi als ds'Bouwärch

Nüt geit nach Plan: dr Bode hett nid
D'Uussicht wird verbout
D'Zueleitig rünnt
E Muurer seicht i Rohbou
Dr Spängler wird vom Blitz troffe
D'Handwärcher hei Krach
Dr Sanitär bruucht d'Sanität 

Dr Plättlilegger leit e Falle
U Elektriker dä tramped drii
Dr Innenarchitäkt wird depressiv
U chnüpft sech ingefür de nöimen uuf
Chrummi Isestange luege roschtig
Fasch verloore us dr Beton-Muur 

U dr Bouhärr schlinggets samt Boumeischter
Beidi gäilocht ache i Konkurs
Beidi heisi z'rosarötig grächnet
A das rabeschwarze Päch nid teicht
Tank em Wahnsinn si se nid im Chefi
Sitze gluurig beidi chröös im Heim
Un e Schwöschter mit me wiisse Tschäppu
List ne liis em Housi sis Gedicht:

"S'git Lüt, die boue
U s'git Lüt die troue däne wo boue…"

 

 

Older News:

Ich liebe Paradoxa und hab' manchmal Mühe mit wegschmeissen ;-))

 

Beerdigungs-Reden

Auch wer ein guter Redner ist, hat vielleicht an einer Beerdigung einfach die nötige Distanz, die emotionale Freiheit nicht, sich spontan situationsadäquat auszudrücken. Doch auch die Vorbereitungszeit ist oft kurz und lässt kaum eine ruhiges, überlegtes oder gar gelassenes Verfassen eines Textes zu. Es ist in keiner Weise verwerflich, sich in solchen Fällen helfen zu lassen. Da geht es nicht darum, sich mit fremden Federn zu schmücken oder sich gar aufzuplustern - im Gegenteil. Ein Aussenstehender, der etwas vom Handwerk versteht und auch die emotionalen Komponenten einer solchen Situation versteht, verhilft dem Ratsuchenden zu genau dem Text, den er selbst geschrieben hätte, wäre es ihm möglich gewesen, mit grösserer Distanz - zeitlicher und emotionaler - an die Sache heranzugehen. Wir haben eine gewisse Erfahrung in diesen Aufgaben.

 

 

Advent ist...

...wenn's brennt und alles rennt. Selber schuld. Aber ich hätte wirklich nicht gedacht, was so ein harmloser Auftritt zusammen mit der hinreissenden Tänzerin Andrea Herdeg und dem vielseitigsten Pianisten unseres Planetchens, André Desponds, an der Jahresversammlung des Kantonalen Gewerbeverbandes Zürich so alles auslösen könnte.

KGV und Blocher
Gut, mein bekanntester Vornamensvetter war da und hielt die Festrede zum Thema "Das Ziel ist das Ziel" - und gab mir damit natürlich einen herrlichen Steilpass, über ihn herzufallen, u.a. mit einem Blockerick, den ich -wenn auch ohne die originale Musikbegleitung von André Desponds- Ihnen nicht vorenthalten möchte:

Da gibt's einen Mann namens Blocher
Der arbeitet mit dem Zahnstocher
Und er stochert herum
Bis der Zahnstocher krumm
Doch viel Feind mit dem Stocher verschoch er
Und die ärgsten – na ja, die erstoch er
Doch der Blocher, der ist kein Verlocher
Ganz im Gegenteil: Löcher, die roch er
Streckt den Kopf durch das Loch hoch und hocher
Hat Erfolg als Tribun noch und nocher
Und das Zahnstocher-Spiel
Führt – das Ziel ist das Ziel -
Ihn zum Spielziel als Chef-Gsetzli-ChocherLocker trägt er die Bundesrats-Weste
Ist sogar von den sieben der Beste
- Guet, dasch au nüd eso schwierig..
.

Das Ganze gipfelte in einer musikalisch-tänzerisch-poetischen Hommage an die Frau - für die einfachen Naturen auf den Slogan verkürzt: "Mehr Frau im Ka-Ge-Vau" - ein Slogan, dank dessen äusserlich-formaler Einfachheit ich mich in die Liga der SVP-Wahlplakat-Texter hinaufzuspielen hoffe. Jedenfalls kamen wir drei wie die Jungfrau zum Kinde zu Folgeaufträgen und werden im Lenz so Gott will noch einige Gewerbler am Zürisee auf die Schippe nehmen.


Vom Samichlaus zum Santa Claus
Dank der Young President Organization promovierte ich nach langen Jahren als zwar kabarettistisch angehauchter, aber doch traditionell Zürcherischer Chlaus (zugegeben, mein Schmutzli-Ruprecht war in der Regel attraktiv-weiblich und kein bärtiger Grobian) zum smarten Santa Claus, der nur noch elfenartige Little Helpers im Schlitten mitführt. Das Spiel des Macho-Chef-Santa-Claus, der den jungen CEO's grösserer Unternehmen versuchte, den Spiegel vorzuhalten, indem er selbst seine Sorgen und Nöte als Gefangener im von ihm selbst designten Gefängnis, als zum Vorbild verdammter, zur Einhaltung der selbstgeschriebenen Regeln verurteilter Macher, dem alles zu machen gelingt ausser dem Ausstieg aus seinem eigenen Macher- und Macho-Profil, löste nicht nur gute Gespräche, sondern auch viel Schmunzeln aus. - Und der Chlaus überstand nicht nur wegen des Barts schwitzend seine Wandlung zum spontan englisch spielenden Claus mit etwas Glück, das er - zu guter Letzt dann doch wieder Verkäuferseele - in Form des Glücks-Buches an die hochkarätige Gemeinde zwangsverteilte.

 

HANDYMAN
So heisst der neue Film meines Freundes Hans Syz, der - vielseitig wie er nun mal ist - sowohl als Produzent wie als Kameramann wirkt wie bereits beim 'Fähnlein der sieben Aufrechten'. Ich habe die Ehre, das fette Presseheft zu redigieren, das in Kürze auch unter www.handyman-derfilm.ch zu bestaunen sein wird. Man bittet also aus nicht ganz uneigennützigen Gründen, nicht nur den hochamüsanten Film anzuschauen, der ab 23.Februar in die Kinos kommt, sondern auch die Unterlagen geflissentlich zu studieren. Insbesondere die Interviews mit den Stars und Protagonisten machten dem stachligen Skorpiönli einen Heidenspass...

 

Gänse- und andere Reden
Vogelgrippe hin oder her, rund um Martini wird geredet, was das Zeug hält. Jedes Unternehmen, das etwas auf sich hält, hat seine Jahresschlussfeiern, bei denen das Maul aus Kultur- und Zivilisationsgründen prinzipiell nicht nur zum Futtern, sondern immer auch zum Reden aufgesperrt wird. Damit alle die, die dann ja weder gleichzeitig reden noch weiterfuttern dürfen, das ihrige nicht zum Gähnen aufsperren, gibt es die zwielichtige Gattung der Gespenst-Schreiber. Sie sollen soviel Grausliches und Groteskes zu Papier bringen, das dann von andern zu Gehör gebracht wird, dass sich die Hörer-Mäuler statt zum Gähnen zum Staunen oder Lachen öffnen, bis wieder ein virenfreies Gänsebrüstchen nachgeschoben werden darf.

 

Swiss Eventing Club
Die von uns redigierte Website des Clubs der Freunde des Vielseitigkeits-Reitsports entwickelt sich immer mehr zu einem Dialog-Forum, das auch über die engen Grenzen der sportlich oder fachlich Interessierten attraktiv sein kann. Ein Blick lohnt sich, meine ich - vielleicht etwas gar von unserem eigenen Produkt eingenommen: www.swisseventingclub.ch. Nicht zuletzt geht's da um:

Tierkommunikation
Aufmerksamen Lesern dürfte es nicht entgangen sein, dass mich das Verhältnis Mensch-Tier seit rund siebentausend Jahren zu beschäftigen scheint, dass sich meine kommunikativen Tätigkeiten immer wieder darum ranken, dass sich Denk-Aufgaben, Märchen, aber auch ein Grossteil der Aktivitäten ausserhalb des rein Beruflichen damit befassen. In letzter Zeit hat sich dies nun derart verdichtet, dass . zum berufsbegleitenden Studium der Germanistik und der Philosophie - sich im kommenden Jahr ein berufs- und studiumsbegleitendes Tierkommunikations-Studium anschliessen wird. In solcher Begleitung wird vielleicht (noch) etwas weniger dem Fränkli Ehr erwiesen als dem Rappen, aber auch dem Fuchs, dem Schimmel und dem Braunen, dem Hund, der Kuh und dem Kalb. Keine Angst, die Texte für Sie werden weiterhin in menschlicher Sprache daherkommen, ich will Sie weder anblöken noch in die Geheimnisse der Delfinsprache einweihen. Aber die Einladung, sich bei der nächsten Tierbegegnung einmal vom alten Klischee zu lösen, dass nur, wer unsere Sprache spreche kommunikationsfähig und -würdig sei, die sprech ich gerne aus. Sie können jederzeit wieder auf die altbewährte Theorie der Höherstellung des Menschen zurückkommen - schliesslich baut er ja die tollsten Geräte mit denen man sich so hocheffizient von der Bildfläche pusten kann, wie das kein noch so grusliger Tyrannosaurus Rex je konnte - aber probieren Sie's doch mal aus. Wer sich unvoreingenommen darauf einlässt, erlebt Dinge wie der erste alte Grieche vor rund 2500 Jahren, der sich von der Einstellung löste, alle Nicht-Griechen seien Barbaren, da sie nur so 'Rhabarber-rhabarber'-Zeugs sprächen - und eine Fremdsprache erlernte. Zugegeben, es braucht eine gewisse Offenheit und Zuwendung, aber bereits die urwissenschaftliche Grundeinstellung des 'Für-möglich-Haltens' wirkt Wunder, im wahrsten Sinne des Wortes. Viel Vergnügen und gute Gespräche allerseits.

 

 

 

Glücks-Reaktionen

 

Das Buch 'Glück - Eine Philosophie des Einverstandenseins' ist nun gut vier Monate auf dem Markt. Rund ein Drittel der Auflage ist verkauft und die Reaktionen sind - wen wundert's - so verschieden wie die Menschen, von denen sie ausgehen. Das klingt zum Beispiel so:

"Give me a summary" - und nachdem er das erhielt, mit nachdenklichem Blick auf die Seitenzahl - "Ok. New York - and back" (ein vielfliegender CEO)

"Mein Leseband ist zerfetzt!" (eine temperamentvolle Leserin, die sich nicht scheut, das Buch für die Übungen auch in den Wald mitzunehmen)

"Am Tag hab ich noch keine Zeit für 'Söttigs' - und Abends schlaf ich dann bei der Lektüre gleich ein" (75-jähriger Altversicherungsinspektor und Jäger: in der zweiten Auflage - falls es eine gibt - bau ich ein Halali ein alle 10 Seiten)


- "Ich hab da irgendwo aufgeschlagen, einen Satz gelesen und kein Wort verstanden" (ein Versicherungsjurist und ganz ähnlich ein Chefarzt!)

"Für uns zu populär" (eine Buchhändlerin, natürlich ohne das Buch gelesen zu haben)

"Der Autor lotet den Weg zum einverständlichen Glück psychologisch, philosophisch, sprachwissenschaftlich, aber auch ganz praktisch mit vielen Übungen aus. Und er tut dies auf angenehm verständliche und humorvolle Art" (Berner Zeitung)

"Ich muss immer wieder den grossen Brockhaus, den Duden und das Internet konsultieren, um alle lateinischen und griechischen Fremdwörter zu verstehen. Gut finde ich die Begriffserläuterungen am Schluss des Buches" (Musikerin)

"Sehr dicht und - zugegeben - recht anstrengend. Ich muss ganz für mich allein sein, konzentriert, wach und aufnahmefähig" (lebenskluge Frau)

"Wer will denn nicht schon mehr wissen über das Glück, das wir alle mal brauchen und das uns - so denke ich - in der einen oder anderen Form immer wieder hold ist" (Universitätsprofessor, ohne Lektüre)

"Du wirst dich wohl gedulden müssen, von mir zu deinem Buch etwas zu erfahren. Und ob ich dann immer einverstanden bin, ist eine andere Frage. Aber zum Glück gibts ja auch Glück im Dissens - zumindest für die noch etwas unreifen" (ein analytischer Philosoph)

"Ich habe mich gefreut, Parmenides, Aristoteles und Augustin gleich beim Durchblättern zu begegnen. Ich freue mich auf die Lektüre" (ein Philosophie- und Psychologieprofessor)

"Zugegeben, die Lektüre ist nicht gerade leichte Kost, möchte Wort um Wort, Satz um Satz erarbeitet sein, ist feinfühlig, tiefgründig, vielsinnig... (mein Zahnarzt)

"Um die 600 Seiten Gedanken, Aufspaltungen, Analysen, Reflexionen qualifiziert beurteilen zu können, braucht man viele Stunden, Tage, Wochen der Vorbereitung...das liest sich nicht in einem Zug von vorn nach hinten und dann kann man's weglegen" (Zürichsee Zeitung)

"Es ist jedesmal ein Eintauchen in eine mir so vertraute Welt. Wie ein glückliches Schweinchen suhle ich mich im warmen Schlamm" (eine wundervolle Frau und Mutter)

"Geschrieben mit einer grossen Lebensfreude, ohne den Mahnfinger aber mit viel Humor. Es ist mir jeden Abend ein
Vergnügen, Dich auf Deinen Gedankengängen zu begleiten um das Unfassbare mit Worten so
lange zu umschreiben, zu ergründen, so dass, wenn ich einen Moment innehalte, das Unfassbare sich für mich erahnen lässt.
Ich glaube nicht an Zufälle, aber ich weiss, dass es Engel gibt" (ein durchwegs erstaunlicher Banker)

"Ich halt's wie mit der Bibel und lese immer nur kleine Abschnitte, die ich dann wirken lasse - aber es ist eingängig geschrieben! " (Mutter)

"Ein höchst erstaunliches Buch von tiefer Kraft" (ein Topshot aus der Wirtschaft)

"Dein Buch wird mich begleiten" (eine erfolgreiche Businesswoman mit hoher Sozialkompetenz)

"Die Verbindung von Achtsamkeit und erfrischender Respektlosigkeit fasziniert mich" ("mein" Pfarrer)

"Ich finde, ES schreibt dich, du lässt es zu und bringst es in eine brillante Form. Es ist unglaublich, aber wahr - ich habe seit Juli dieses Jahres nichts mehr anderes gelesen."... "Ich finde es ganz schön gefährlich, in unserem System eine solche These zu vertreten, obwohl ich absolut damit einverstanden bin" (eine Schamanin)

Und - das sei nicht verschwiegen - es gab und gibt auch ganz viel Schweigen. Auch damit kann ich einverstanden sein.

Sind diese Reaktionen nicht ein wundervoller Hinweis darauf, dass meine These "wir sind immer selbst verantwortlich für unsere Interpretation von Welt" glücksrelevant ist? Wenn wir uns wenigstens einmal spielerisch auf das vorgeschlagene Modell der Interpretationsverantwortung einlassen, haben wir es jederzeit und überall in den eigenen Händen, ob wir die Welt mit allem, was wir in ihr wahrnehmen, als Jammertal oder als Herausforderung, als Schrecken oder als Abenteuer deuten wollen. Genau so können wir Bücher, Texte als Phänomene innerhalb unserer Welt als Quelle des Ärgers oder der Bereicherung deuten - oder sie gar nicht wahrnehmen. In meinem glückseligen Einverständnis mit meiner Welt bin ich überzeugt, dass auch die Rezeption dieses Buches genau so verläuft, wie es richtig ist - sowohl für mich wie für die paar Leser, die es schon gefunden hat.

Man kann das Buch natürlich weiterhin bestellen - und mir ein Feedback geben, das ich gerne in obige Liste aufnehme. Am schnellsten geht's natürlich über's Netz: www.neptunart.ch, Neuerscheinungen, dann gleich online bestellen; oder per Telefon, Fax, Post beim Strub-Verlag, Erlenstrasse 2, 8280 Kreuzlingen, Telefon: 0041 / 71 677 96 55 ; Fax: 0041 / 71 677 96 50; E-Mail: neptun@bluewin.ch. - Und wer zuerst in und an dem 'Schinken' schnuppern will: Hier ein Probekapitel.


Steinmosaik von Maura Bolliger mit dem schönen Titel: "LA STRADA NEL CIELO"
(war in der engsten Auswahl als Umschlag-Bild!)

 

 

 

Charisma-Kurse mit Pascale Sola

Himmel und Sonne sind immer da - es sind die Stürme und Wolken, die kommen und gehen

Unter diesem Leitsatz stehen die Kurse der Psychologin, Atem- und Körpertherapeutin Pascale Sola, die Rationales und Suprarationales, Körperliches und Geistiges in wundervoller Balance trägt und dieses Gleichgewicht zu vermitteln sucht in ihren Kursen. - Was das mit einer Kommunikationsagentur und im Speziellen mit Marpa Communications zu tun haben soll? Sehr viel: Ich habe selbst ungemein viel gelernt von Pascale Sola, mehr als das: Ich habe entscheidende Entwicklungsanstösse erhalten für meine Kommunikation im Privaten wie im Beruflichen. Pascale Sola löste auch die Niederschrift meines vor kurzem erschienenen Buches über das Glück (siehe weiter unten) aus, das jetzt so ganz langsam und achtsam seinen Weg zu den Lesern findet. Wenn ich hier für diese Kurse werbe, so kommt dies aus der ältesten, einfachsten und meines Erachtens schönsten Werbe-Motivation heraus: Wir sind begeistert von etwas, haben Faszinierendes erlebt - und möchten anderen davon erzählen, sie einladen, Ähnliches zu erfahren.

Der erste Kurs vom 5./6. November war stark, aufwühlend, berührend, hat viel bewegt - nicht zuletzt, weil sich die Kursteilnehmer äusserlich und innerlich bewegten. Die Strahlung rund um Winterthur hat jedenfalls dramatisch zugenommen...

Weitere Wochenendkurse jeweils Samstag und Sonntag 10 bis 16 Uhr: 18./19.2.06.
Die Kurse finden in der Atelier- und Praxisgemeinschaft Subtil an der Rudolfstrasse 19 in Winterthur statt. Anmeldung und Details direkt bei
Pascale Sola über commworks@swissonline.ch oder Tel. 052 202 62 62.

 

Äussere oder innere Sicherheit?

Ist es nicht herrlich reizvoll, sich im Umfeld von Bankern und Obersten zum Thema Sicherheit Gedanken zu machen und dann ganz frech die äussere Sicherheit auf den Platz des Steigbügelhalters zu verweisen, die These zu begründen, dass massvolle äussere Sicherheit bestenfalls die Entwicklung der inneren Sicherheit, der Angstfreiheit befördern könne? Dass aber eine Überdosis an äusserer Sicherheit, wie sie unsere westlichen Wohlfahrtsstaaten bieten, kontraproduktiv wirkt, die Entwicklung der inneren Sicherheit behindert und direkt ins aktuelle Malaise der völligen Verweichlichung und Verantwortungslosigkeit führt? Dass Blochers Betonung der Eigenverantwortung mit den Zielen höchster Spiritualität übereinstimmt? - Und so in einem Aufwaschen sowohl die eng denkenden Militärs, die Bunkermentalität gewisser Banker als auch die Engherzigkeit gewisser sich spirituell wähnender Kreise auf die Schippe zu nehmen. Na ja - einem immer noch stachligen Skorpiönchen macht das jedenfalls Spass!

 

 

Achtsamkeits- oder Ethik-Seminare?

Veranstaltungen mit dem etwas ausgereizten Begriff 'Ethik' im Titel können scheitern, bevor sie begonnen haben, bzw. zu einem wenig schmackhaften Wustsalat führen:einem Salat aus beleidigten Leberwürsten. Dann nämlich, wenn die Seminar-Probanden von einem wohlmeinenden Unternehmenschef zur Teilnahme verknurrt werden. Die erste Reaktion eines derart zum 'Ethik-Lehrgang' verurteilten senkrechten Schweizers könnte sein: "Habe ich denn das nötig? Isch öppis nüd rächt? Bin ich denn nicht ein Ausbund ethischen Verhaltens, ja gerade zu ein Vorbild? Seit 40 Jahren in der Firma und nie zu spät, nie krank, immer fleissig, alles erledigt? - Und auch sonst: keine Schulden, keine Scheidungen, keine Strafen, nicht mal Verkehrsbussen! Ja, was wollt ihr denn NOCH?" - In solchen und ähnlichen Fällen sind mindestens zwei Dinge schief gelaufen:
- Ethik wurde mit Angepasstheit, Konformität, mit regional zur Zeit gerade geltenden Verhaltensnormen verwechselt - in der Deutschschweiz könnte man sagen: mit zwinglianischer Biederbürgermoral
- das Seminar wurde als 'Resozialisierungsmassnahme im Strafvollzug' verstanden

Gegen- oder besser Präventivmassnahme könnte sein, dem Probanden gar keinen Anlass zu geben für seine selbstgerechte Entrüstung, indem wir
- die Teilnahme freiwillig machen, ja vielleicht sogar - je nach Unternehmenskultur und -grösse - ganz selektiv zur Veranstaltung einladen
- den viel ge- und missbrauchten Begriff Ethik umschiffen und ein frisches, unverbrauchtes Wort wählen, das aber inhaltlich sehr viel mit Ethik zu tun hat, z.B. 'Achtsamkeit'. Der Vorteil eines noch nicht in allen Wörterbüchern fixierten Begriffs liegt auch darin, dass wir ihn bis zu einem gewissen Grad selbst mit Inhalt füllen können. Ich gebe Ihnen hier einmal meinen eigenen Definitionsversuch zum besten:
Achtsamsein heisst bewusst, wach, offen, verantwortlich und präsent im Augenblick, konzentriert und ganzheitlich wahrnehmend, sich liebevoll, respektvoll und nicht bewertend einem Wesen oder einer Sache zuwenden aus einem Gefühl der Kraft, der Freiheit und der angstfreien Gebe-Bereitschaft heraus.
Wenn Sie diesen Satz auf der Zunge zergehen lassen, sich den Luxus leisten, bei jedem einzelnen Element der Definition ein Bild entstehen zu lassen und sich dann noch zu allem Überfluss vorstellen, wie sich das anfühlen könnte, wenn Ihnen diese Achtsamkeit rundum zuteil würde, dann können Sie sich umgekehrt auch vorzustellen versuchen, wie anspruchsvoll es ist, selbst achtsam zu sein - nicht nur mit seinen Mitmenschen, sondern zu allen Mitwesen, zu Tieren, Pflanzen, ja auch zu Dingen, zu Gedanken und Vorstellungen (eigenen und denen anderer!) - letztlich zu allem, was ist, was in unsere Wahrnehmung gelangt. Der Anspruch ist so hoch, dass man daran verzweifeln kann und es gilt, geistige und seelische Freiräume zu schaffen, um sich nicht permanent Mängel in der eigenen Achtsamkeit vorzuwerfen. Das wäre kontraproduktiv, denn Achtsamkeit sich selbst gegenüber meint ja, liebevoll umzuspringen mit sich selbst - und sich in Selbstvorwürfen zu zerfleischen kann wohl kaum unter 'liebevolle Achtsamkeit' subsumiert werden? Wir landen also bei einer Forderung, die auf den ersten Blick paradox aussieht: Achtsam sein mit sich selbst heisst, sich auch Unachtsamkeit zuzugestehen, sich nicht zu verurteilen, wenn wir noch nicht überall am Ziel der Achtsamkeit angelangt sind, nicht dort sein können - denn in allem überall und jederzeit verwirklichte Achtsamkeit ist gleichbedeutend mit All-Liebe und damit dasselbe wie Erleuchtung oder Göttlichkeit. - Und ganz so hoch stuft sich auch der senkrechteste, vorlauteste, selbstgerechteste und rechthaberischste Schweizer nicht ein. Das Sich-zugestehen von Mängeln in der eigenen Achtsamkeit holt regelmässig auch den Humor wieder in die leicht Pathos-gefährdeten Ethik-Veranstaltungen hinein. - Und wer findet, die obigen drei Adjektive zur Charakterisierung eine bestimmten, in der Schweiz häufig anzutreffenden Typus liessen Achtsamkeit vermissen, sind eingeladen, sie unter Humor abzubuchen. Marpa Communications bietet heute Achtsamkeits-Seminare an - selbstverständlich nicht ohne in der Vergangenheit die Erfahrung mit der Ankündigung eines Ethik-Seminars gemacht zu haben, das im Salat der Leberwürste endete, bevor es begann.

 

STAB

Anglophile assoziieren bei diesen vier Buchstaben 'to stab' = stechen, Bibelkundige denken an Psalm 23: "Dein Stecken und Stab trösten micht" - und unsere Aufgabe ist es, dass zumindest das anvisierte Zielpublikumssegment in der Schweiz in naher Zukunft bei STAB an die Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur denkt. Genauer: an die Anliegen dieser Stiftung, die weder Geld verdienen noch irgendwelche Macht ergattern will - ausser man fasse den Machtbegriff sehr weit und subsumiere darunter auch das Bestreben, einen Dialog zu fördern, Themen ins Licht zu stellen, die im täglichen Medien-Kurzfutter eher zu kurz kommen: den Dialog über 'abendländische Werte' und deren Verknüpfung mit Ethik und Kultur. Wir dürfen mitwirken an der Gestaltung des Neuauftritts dieser seit 1968 unter dem Namen 'Stiftung für Abendländische Besinnung' bestehenden Organisation, die vom verstorbenen Unternehmer Hans Jenny ins Leben gerufen wurde. In Bälde wird die STAB über einen eigenen Web-Auftritt verfügen, den wir hier vorstellen werden.

 

 

Quanten-Sprünge


Tamara Acklin und Belle Mykena im CNC* Ecublens: ein Quanten-Sprung in Richtung des internationalen CC-Sports

Manchmal machen wir in unserem Leben Quantensprünge, nehmen ein paar Treppenstufen auf's Mal oder springen ganze Häuser, in denen wir uns eingerichtet hatten.

Oftmals bemerken wir es erst viel später - oder andere merken es vor uns. Menschen, die uns liebevoll begleiten auf unserem Weg. Es können reale äussere Sprünge sein - oder Sprünge über innere Hindernisse - oder beides. Der eine springt aussen - und erkennt später, dass er auch innen gesprungen ist - oder umgekehrt.

Einstein machte vor fast einem Jahrhundert einen solchen Sprung, als er bemerkte, dass alle Schöpfungsparameter, also Entitäten, Zeit und Raum untrennbar miteinander verknüpft sind: dass Raum und Zeit mit den Entitäten entstehen und verschwinden. Es brauchte Jahrzehnte, bis die ersten sogenannten Konstruktivisten diesen Gedanken ausserhalb der Naturwissenschaften weiterdachten und kommunizierten. Sie schlossen, dass wir nicht nur Raum und Zeit, sondern auch die ganze Ausstaffierung der Raumzeit selbst konstruieren, unsere Welt selbst basteln. - Das waren erste Ansätze zur Umsetzung des Einsteins'schen Gedankens der Entstehung von Raum und Zeit. Wieder Jahrzehnte später kamen andere Denker und dachten den Gedanken des Verschwindens von Raum und Zeit weiter, setzten der Schöpfung die Ent-Schöpfung, der Konstruktion die Dekonstruktion entgegen.

Ich bin der Meinung, dass nun, wieder ein paar Jahrzehnte später, die Zeit reif sei, die beiden Gedanken sowohl in den Natur- wie in den Geisteswissenschaften einverständlich zusammenzufügen, auszubalancieren: In unserem Leben als ganzem, das aus einer ersten Lebenshälfte im Zeichen des Schaffens, des Ausbruchs und Aufbaus, der Schöpfung, des Abtrennens, Unterscheidens, Differenzierens in Mein und Dein, der Grenzsetzung, des Anspruchs auf Macht, Autonomie und Freiheit, der Hybris des Werdens besteht - und aus einer zweiten Lebenshälfte im Zeichen des Heimwegs, des Abbaus, der Rückkehr, der Ent-Schöpfung, des Vereinigens, Zusammenfügens, der Auflösung der Grenzen, der Rücknahme aller Ansprüche und der Demut des Vergehens. Aber auch in jedem einzelnen Akt und Nicht-Akt, in jedem Gedanken, jeder Befindlichkeit, jedem Zustand, jedem Seins-Aspekt kann man diese coniunctio oppositorum , diese Vereinigung der Gegensätze, diesen Balanceakt zwischen Schöpfung und Entschöpfung bewusst wahrnehmen: dass wir ständig schöpfen und entschöpfen, differenzieren und synthetisieren, trennen und vereinigen; ja, dass das Geheimnis der Angstfreiheit in diesem permanenten Ausbalancieren liegt zwischen Konstruktion und Dekonstruktion, zwischen der Schaffung von Raumzeit und ihrer Auflösung, zwischen der Möblierung unserer selbstgemachten Welt und der Hingabe, Aufgabe, Auflösung dieser Möblierung - und im Einverständnis mit diesem Grundmuster des Seins, diesem Archetypus des Auf-der-Welt-Seins.

Überwindung dieser Schöpfungsparameter - das Sich-Vorfinden als abgetrennte Entitäten in Zeit und Raum, durch vielfache Verknüpfungen an andere Entitäten, aber auch an den quantitativen Aspekt von Zeit und Ausgedehntsein im Raum gekettet - liegt weder im verzweifelten Appell an die andern, diese unsere selbstgemachte Welt zu verändern - wie sollten sie, wie könnten sie als Figuren unseres eigenen Spiels? - , noch in der Verdrängung der gerade als unbequem empfundenen Archetypen, aber auch nicht im Fluchtversuch aus dem selbst installierten Robinson-Spielplatz, sondern in der schmunzelnden Übernahme der Verantwortung für das ureigene Spiel, in der Erkenntnis der riesigen Freiheit, die wir als Regisseure und Schauspieler, als Theaterbesitzer und Souffleure in unserem selbstgeschriebenen Stück haben. Wir können Verantwortung wahrnehmen, indem wir antworten auf unsere Schöpfung, in einen Dialog treten mit ihr, unser Einverständnis kundtun mit dem Grundmuster des Seins. Nicht jammern und klagen, weder über das Grundmuster der Sinuskurve, das uns zu ständigem Balancieren zwingt auf dieser Berg- und Talfahrt, diesem Heben und Senken der konkaven und konvexen Halbkreisbogen, noch über die Unmöglichkeit, uns an einem Fixpunkt ausserhalb dieses Grundmusters festzukrallen und absolute Aussagen über eine Welt jenseits der von uns konstruierten zu machen - sondern fröhlich die Hindernisse springen, seien es natürlich scheinende oder klar selbstgemachte - und sowohl dem scheinbaren und vorläufigen Gelingen des Sprungs wie dem ebenso scheinbaren Scheitern gleiche Gültigkeit zumessen.

Ich meine, die Zeit und damit - laut Einstein - auch der Raum seien reif für dieses Einverständnis mit der condition humaine des Balancierenmüssens, des Balancierendürfens. - Aber vielleicht ist dies nur meine relative Vorstellung von Zeit und Raum und Reife - und es dauert wiederum Jahrzehnte, bis auch diese von Einstein in den Park unseres Geistes gestellten Quantensprünge des Denkens fröhlich angeritten werden, ungeachtet, ob es feste oder fallende seien...

 

 

Kommunizieren mit Pferden, über Pferde

 

Birgit Wientzek-Pläge mit Sappalot, 6. im Grandprix Spécial des CDI Bern 2005

Wer bereits als Baby aus dem Kinderwagen heraus die Welt vernehmlich und nicht gerade bescheiden kommentiert, wird diese Grossmäuligkeit in der Regel zeitlebens nicht mehr los. Nicht zufälligerweise sagt der Volksmund von den Zürchern, man müsse deren 'Zürischnurre' post mortem eigens und separat totschlagen, sonst sei es mit der Friedhofsruhe dahin. Ich bin ein Zürcher... Aber man kann aus der Not eine Tugend machen und sich - zumindest ab und zu - als Profi-Schnurri verdingen und dafür sogar noch Speis und Trank und Bares kriegen. Wenn man zusätzlich das Glück hat, als alter Reiter die Kommunikation zwischen Reiter und Pferd kommentieren zu dürfen, macht der Job doppelt Spass.

Marie-Line Wettstein mit Le Primeur, Siegerpaar von Grandprix und GP Spécial am CDI Bern 2005
(Fotos: Tamara Acklin)

Am CDI (Concours de Dressage International) in Bern waren zwar Top-Reiterinnen und -Reiter aus vielen Ländern, aber nur ein Bruchteil der Zuschauermengen zugegen, die ein wichtiges Fussball- oder Eishockeyspiel verfolgen. Doch die wenigen Anwesenden erlebten ein paar Momente höchster Harmonie - und viele Momente aufrichtigen Bemühens um Harmonie. Und zwar nicht nur auf der 'Bühne', also auf dem Sandviereck, sondern auch im ganzen Umfeld, im Ambiente, das die erfolgreichste Schweizer Sportlerin aller Zeiten, Christine Stückelberger,als Organisatorin mit ihrem grossen Helferteam erzeugt. Das alles ist vielleicht nicht so spektakulär wie ein Zweikampf oder gar ein Mehrkampf um Ball oder Puck, deshalb vielleicht die Unterschiede in der Attraktivität für die Zuschauer. Aber der Abgang, der Nachgeschmack, das Befinden im Nachhinein ist ein ganz anderes. Es ist Glücksgefühl und Motivation zur Harmonie-Suche zugleich, sei es mit Pferden, anderen Tieren, Menschen, Dingen, Tätigkeiten. Das Erlebte lässt sich übertragen auf alles, was wir tun und sind, denn die Grundthemen sind archetypisch: Gleichgewicht, Mitschwingen, Wechsel von Auf und Ab, von vertikalen Kräften und horizontalen Kräften, von Anspannung und Losgelassenheit, von stolzer Aufrichtung und demütiger Dehnung in die Tiefe, von Schwung und Ruhe, von Anlehnung und Freiheit. Auch die Struktur und Funktion der angewendeten Methoden und eingesetzten Mittel ist die gleiche beim Reitsport wie bei jeder anderen Tätigkeit, bei der mehr als ein Wesen involviert ist: Nur mit kaltem Können oder gar mit Zwang und Gewalt sind höchstens kurzfristige und nur scheinbar harmonische Resultate zu erreichen. Es macht weder den Gezwungenen noch den Zwingenden wirklich Freude und die erzielten Erfolge hinterlassen bei allen - auch bei den wachen Zuschauern - einen schalen Beigeschmack. Nur Schnuckligsein ohne Kompetenz, Know-how führt aber ebenso in die Irre. Karikiert ist es der herzensgute Nichtswisser, der den Fisch vor dem Ertrinken retten will, ihn aus dem Wasser zieht und zum Trocknen an die Sonne legt. Auch von dieser Sorte Einseitiger gibt es viele, nicht nur im Reitsport. Das Geheimnis liegt - wie immer - im Gleichgewicht, in der Balance zwischen dem Wissen und Können des Profis und der Liebe des Amateurs (von amare, lat. für lieben). Wenn sich beides zusammenfindet, kann Harmonie entstehen - und dies bereits in der kleinsten, uns vielleicht völlig unbedeutend scheinenden Tätigkeit: beim Atmen, beim Essen zubereiten, beim Gehen, beim Sprechen - und damit sind wir wieder beim Anlass, der mir so ungemein Spass gemacht hat. Denn sogar ein Zürcher kann versuchen, sein Profi-Sprecher-Knowhow mit der Liebe des Amateurs zu verbinden. Gelingt es, halten ihn auch die Berner aus!

 

Der Einfach-so-Boomerang

Es handelt sich dabei um ein uraltes Spielzeug, das es in unzähligen Varianten gibt, das immer und jederzeit überall allen Entitäten zur Verfügung steht und das vor allem Pflanzen, Tiere und sogenannt 'einfache' Menschen mit erstaunlicher Souplesse handhaben. Weniger einfache, vielleicht 'schlau' zu nennende oder sich wähnende Menschen nehmen es passiv kaum wahr, weil ihre ganze Konzentration den anderen herumfliegenden Dingen gilt, die nicht 'einfach so' zu haben sind, die was kosten und damit auch nicht jedermann zur Verfügung stehen. Wie will man sich mit all den grosszügig einfach so verschenkten Dingen wie Sonnenstrahlen, Blütenblättern, Katzensprüngen und Mädchenlächeln profilieren, wenn jedermann sie einfach so kriegt, der hinkuckt? Damit ist meist auch jegliche Motivation dahin, aktiv mit diesem faszinierenden Boomerang zu spielen. Der Witz an diesem Spielzeug ist nämlich, dass es - trotz seines Namens - nicht einfach so zurückkommt, wie man es aus der Hand gleiten lässt, sondern dass es sich wandelt im Flug, manchmal zu etwas völlig anderem wird, lange Zeit unterwegs ist, bei vielen anderen Wesen im Vorbeiweg Freude auslöst, einen Teil zurücklässt und doch nie weniger wird. Im Gegenteil, es kann riesig gross werden und winzig klein und sich bei allen, die es wahrnehmen, in der Form zeigen, in der es die Sehnsucht des Wahrnehmenden am besten stillt. Und irgendwann kommt es, völlig verwandelt und im Kern doch immer noch das, was es ursprünglich war, zu dem zurück, der es auf die Reise schickte. Eine spezielle Eigenschaft dieses Fluggeräts ist noch, dass es nie zu Zusammenstössen kommt, obwohl die Luft voll ist von verschiedensten Exemplaren, die auf allen Wegen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten in alle Richtungen fliegen. Warum? - Einfach so.

Sie möchten wissen, weshalb ich schlauen Menschen davon erzähle? Na ja, es ist gerade wieder eins gelandet bei uns, und wir haben es schmunzelnd und unverzüglich weiterspediert. Und vielleicht sehen Sie ja auch mal eins. Es gibt da so einen Schalter ungefähr Mitte-Links - nein nicht den Schrittmacher - wo man von 'schlau' auf 'einfach' switchen kann. Sie finden ihn nicht? Dann setzen Sie sich doch bei Gelegenheit in den nächsten Park, wo Kinder und Hunde spielen. Oder wo alte Frauen Enten füttern. Jede Wette: Sie finden den Schalter. Und jede Wette: Es geht keine Minute mehr, bis so ein Boomerang kommt. Sie müssen einfach wach sein statt schlau. Die Dinger kommen nämlich nicht immer von oben und sind manchmal winzig klein. Oder flugs wieder weg. Manchmal sieht man sie auch gar nicht, sondern hört sie bloss; oder man spürt sie, riecht sie, schmeckt sie - oder sie platzen in unserem Innern wie kleine Licht- oder Wärme-Bomben, ohne dass wir sie kommen sehen. - Wach ist eben nicht gleich schlau.

 

Konfliktkultur

Das Thema scheint das Zeug zum Dauerbrenner zu haben. Eigentlich nicht weiter verwunderlich, wo im Konflikt doch soviel Zündstoff liegt. In vielen Texten, an denen wir zurzeit mitköcherln, geht es um diese Balance zwischen Konfliktflucht oder -scheu auf der einen, unkultivierter Konfliktaustragung, die auf Ausmerzung des Gegners zielt, auf der andern Seite. Solange sich die Konfliktbeteiligten über den Stil, über die Waffen und ihren Einsatz, über Konfliktregeln und Tabubereiche einig sind und keine Unbeteiligte involviert werden, können wir in der Regel sowohl als Beteiligte wie als Aussenstehende recht gut umgehen mit Konflikten. Der Begriff verliert dann auch oft seinen pejorativen Beigeschmack oder wird ersetzt durch Unterbegriffe wie Wettbewerb, Debatte, Diskussion, spielerischer oder sportlicher Kampf. Delikat wird's immer dann, wenn nicht alle Beteiligten freiwillig im Spielfeld stehen, gar nicht merken, dass sie das Feld verlassen könnten - oder es tatsächlich nicht verlassen können, ausser sie verlassen den Planeten. Dann käme eigentlich die obgenannte Kultur zum Zug, die ganz privat mit einer Selbstbefragung beginnt: Will und muss ich eigentlich an all den Fronten dabei sein, an denen ich zurzeit kämpfe? - Verbräme ich nicht da und dort meinen heldenhaften Einsatz mit vorgeschobenen, hochtrabenden, oft sozial klingenden 'zwingenden Gründen'? - Und dot, wo es nach reiflicher Prüfung sein zu müssen scheint: muss ich es so machen, wie ich's mache? Oder läge da vielleicht ein bisschen mehr Rücksicht drin? Könnte ich meine Kämpfe und Konflikte vielleicht achtsamer austragen? - Und da wäre es wieder mal, das Zauberwort der Achtsamkeit, das aus Streit Konfliktkultur macht. Aber einfach so dahingetippt oder -geplappert macht es noch nicht viel. Gut, es kann vielleicht etwas in Gang setzen. Schliesslich klappte das ja auch im guten alten Schöpfungsmythos: "Im Anfang war das Wort" - Massimo Rocchi hat zwar einmal vorgeschlagen, er hätte mit einem Vorwort begonnen, aber damit könnte ich auch leben: Achtsamkeit als Vorwort der Schöpfung. Der persönlichen, ureigenen Privat-Schöpfung unserer individuellen Welt, die dann eine achtsame Welt wäre - und die man dann eigentlich recht fröhlich auf die anderen Welten zusegeln lassen könnte. - Kinderzeugs? Naive Badewannenspiele? - Dann probieren Sie's doch mal dort. Jeremias Gotthelf wird's mir verzeihen: "In der Badewanne muss beginnen, was leuchten soll im Mutterland!"

 

Erotische Philosophie

Die Verquickung dieser beiden Wortfelder, die für viele gar keine Berührungspunkte haben, macht offensichtlich nicht nur mir Spass. Natürlich schwingt eine Prise 'Lust am Bürgerschreck' mit, wenn ich die bei manchem so abgehoben-vergeistigt-rational-argumentierend-nüchterne, elitäre, praxisferne und oft körperverachtende Wissenschaftsdisziplin Philosophie mit der Erotik verbandele, einem Wortfeld, das vor allem in der abendländischen Kultur mit dem Ruch des Sündhaften, Niedrigen, Verbotenen, zu Überwindenden behaftet ist. Die abendländische Theologie und Philosophie verstand und versteht sich immer wieder als jenseits der Bedürftigkeit des Körpers, den Luther abschätzig 'Bruder Esel' nannte. Es bereitet mir physisch, seelisch und geistig grösstes Vergnügen, die Dinge umgekehrt zu betrachten und in Wort und Bild zu zeigen, dass sich die körperbetonte Erotik und die geistbetonte Philosophie bestens verbinden lassen - zum Beispiel über den emotionalen und intuitiven Zugang; dass es - wie überall - neben der Haltung des NUR und des ENTWEDER-ODER immer auch die Haltung des SOWOHL-ALS-AUCH gibt: sowohl den Körper in seiner unmittelbaren Sinnlichkeit als auch den Geist mit seiner Fähigkeit zu Abstraktion und Selbstreflexion zu bejahen, die Kontaktstellen zu entdecken, wenn sinnlich Wahrnehmbares uns zu geistigen Höhenflügen anregt - und umgekehrt unsere Visionen sich materialisieren lassen zu sinnlicher Form.


Aus dem spontanen Fotografieren sinnlicher Formen, das nie die Abbildung einer wie auch immer gearteten 'objektiven Wirklichkeit' zum Ziel hat, sondern vielmehr mit der Liebe als Linse die entdeckte Schönheit ins Licht stellen will, ist ein Buchprojekt und ein Therapie-Ansatz geworden. Zum Buchprojekt hier ein paar Bilder und kurze Texte zur Einstimmung. Zum Ansatz der 'Foto-Therapie' in Bälde mehr.

 

Bärtschi zum Dritten! Der Krimi-Autor Matthyas Arter lässt den Urner Kommissar Bärtschi in sein drittes Abenteuer steigen. Eine feine, seit 20 Jahren im Aushubkies vom Gotthardtunnelbau gelagerte Leiche, die sich bereits im Prolog klar vernehmlich zu Wort meldet. Höchste Zeit, dass die schüchtern gewordenen Schweizer Verleger aufhorchen, wenn schon die Toten sprechen. Hier eine Leseprobe.

 

'Forrer in Italien' - der zweite Krimi von Matthyas Arter rund um den Urner Kommissar Bärtschi - zum Lesen und/oder Ausdrucken! Der Kurz-Roman entstand im vergangenen Sommer kapitelweise online bei buch.ch und ist jetzt greifbar auf der Website des Autors: www.brainwork.ch, dort in der Navigation [Schreiben] und dann 'Forrer in Italien' anklicken.

 

Achtsamkeit. Schritt für Schritt macht das anfänglich von vielen als (nur) östlich, buddhistisch und damit 'kulturfremd' abqualifizierte Wort seinen Marsch durch die Institutionen. Bankiers, Wirtschaftsführer, ja sogar Politiker nehmen es in den Mund - was noch lange nicht heisst, dass sie alle die Weite dieses faszinierenden Wortfeldes ausloten, ja nur schon mehr darunter verstehen als 'Aufmerksamkeit' oder 'Aufpassen', aber immerhin. Das Wort hat seinen eigenen Zauber. Die Zuhörer fragen nach, reagieren mitunter intuitiv positiv darauf. Als Mit-Promoter dieser Infiltration werden wir die Karriere der Achtsamkeit achtsam verfolgen...

 

Magic World - Ein Song, der die Wirkung der Harry Potter-Bücher und -Filme auf junge Menschen einzufangen versucht. Die Sehnsucht nach Magie, nach Staunen, nach Geheimnis in einer rückbindungslosen, entmystifizierten Welt, die nicht mehr fragt, sondern nur noch misst und beschreibt, die nicht Antworten, sondern Daten liefert, die das goldene Kalb der Quantität umtanzt, die - statt nach immateriellem Sinn - nur nach materieller Gewinnoptimierung sucht, vor lauter Form den Inhalt aus den Augen verlor, die Rationalität anbetet und die Spiritualität opfert.
Bei Kindern und Jugendlichen ist die Seele noch nicht ganz zugeschüttet. Sie sind erreichbar für die Metaphern aus der Welt des Ausserrationalen - Die 13-jährige Vanessa Spiteri interpretiert den Song zusammen mit dem jungen Tenor Roger Widmer ansteckend und mit unverbrauchter Kraft . Mit ein ganz klein wenig Geduld erklingt hier die englische Fassung - und hier die Version mit schweizerdeutschen Strophen. Bei Arrangement und Studiobearbeitung halfen ganz wesentlich die beiden Musiker André Desponds, Zürich und Toby Frey, Küsnacht (www.musicvision.ch).

 

Aphorismen: Aus einem kleinen verpatzten Auftrag für SMS-Sprüche entstand eine wachsende Sammlung von Sätzen, die als 'nicht-teeny-tauglich' befunden wurden. Ich denke, dass da unsere Teens & Twens wieder einmal gewaltig unterschätzt wurden, denn ich lerne laufend Jugendliche kennen, die mich in Erstaunen versetzen, nicht zuletzt mit ihrer Offenheit für unübliche Einsichten. Sie finden die Marpa-Orakeleien zur Weltlage HIER

 

'Future Talks' - Vorläufig bleibt das Projekt seinem Namen treu und wird erst in unbestimmter Zukunft spruchreif, Gegenstand eines Talks in the future... Aber die ersten Fotos kluger Frauen möchte ich euch doch nicht vorenthalten: Hier.

 

Glück

Glück - Eine Philosophie des Einverstandenseins. (Juli 05) Die lange 'Tragzeit' hat sich gelohnt - aus meiner Sicht. Das Buch, dessen Inhalt mir so am Herzen liegt, ist nun auch in einer Form da, die ihm gemäss ist - so scheint es mir in meinem kindlichen 'Vaterstolz' zumindest. Aber schauen Sie selbst - am liebsten Form und Inhalt an.

Ja, zur Zeit heisst's halt auch Einverstandensein mit dem Verkäuferli-Spieli, auch wenn ich dafür mit fast bemitleidenswert wenig Begabung ausgestattet bin. Aber wenn man ein Buch schreibt und es öffentlich zugänglich macht, muss man wohl oder übel auch zu der Überzeugung stehen "Ich habe etwas zu sagen und will es sagen" - auch wenn man sich damit der Kritik aussetzt, die diese Überzeugung vielleicht desavouiert, das Gesagte als bedeutungslos oder gar schädlich einstuft. Wer sich diesem Wind nicht aussetzen will, kann seine Texte wie Kafka in der Schublade belassen und es der Nachwelt überlassen, sie zu publizieren. Ich habe mir eine wundervolle glücks-philosophische Brücke gebaut für den Umgang mit Kritik: wer auch immer was auch immer wie auch immer kritisiert - er sagt immer primär etwas aus über sich selbst, verrät viel über den Standort, von dem aus er urteilt, über seine Beweglichkeit oder Unbeweglichkeit, diesen Standort zu wechseln, über seinen engen oder weiten Fokus, die Weite seines Horizontes und - für mich am interessantesten - über den Stand seiner Entwicklung auf dem Weg vom abgetrennten Subjekt zurück in die Einheit. Meine 'Brücke' , die mir helfen soll, mich für das wenig geliebte Verkaufen zu motivieren und mit Kritik umzuspringen, besteht also gerade in der Metapher der Brücke, auf der wir alle unterwegs sind und die in unzähligen pittoresken Schlaufen und Wendungen hoch über die Gletscherspalte zwischen unserem Ich, dem 'Subjekt' und allen Du's, den 'Objekten' hinwegführt. Kritik - auch die Kritik vieler sich spirituell Wähnender an dem aus ihrer Sicht Weniger-weit-Sein anderer auf der Brücke! - hat also für mich immer diesen Boomerang-Effekt: sie fällt auf den Kritisierenden zurück. Das macht sie nicht zu etwas Schlechtem oder zu Vermeidenden, aber es relativiert die Bedeutung für das kritisierte Objekt und erhöht die Wichtigkeit für den Kritisierenden. Ort und Art der Kritik ist ein ausgezeichnetes Mittel der Selbsterkenntnis: Je schärfer wir etwas kritisieren, desto hellhöriger sollten wir werden; wir sind mit grosser Garantie auf einen Schatten gestossen, auf einen Teil unseres Selbst, den wir noch nicht in uns entdeckt, ans Tageslicht befördert haben, den wir noch nach aussen, auf die Leinwand 'Welt' projizieren, oft gehässig, zornig, mit missionarischem Eifer und ganzen Salven von Argumenten, deren Emotionalität meist mehr schlecht als recht kaschiert ist. Kritik richtet sich also meist auf wunde Punkte, auf Wunden, Verletzungen, Mängel, Unheil-Sein, auf Nicht-Ganzes auch im äusserlich-materiellen Sinn (in norddeutschen Dialekten bedeutet 'heile machen' reparieren!), auf Fehlendes, auf Fehler - aber Kriterium für die Qualifikation als 'Fehler', als 'Mangel' ist das Ich des Kritikers: was ihm zum Ganzen, zum Selbst fehlt, das kritisiert er im Aussen, beanstandet er als Mangel. - Kritik ist also ein hochwertvolles Instrument zur Selbst-Findung des Kritikers. Aber sie taugt durchaus auch für den Kritisierten. Es gibt doch Kritik, die an uns abtropft wie das Wasser am Entengefieder - und andere, die uns zutiefst trifft, vielleicht ohne dass sie treffen wollte, ohne dass Geäussertes überhaupt als Kritik gemeint war vom Sender. Bei der abperlenden Kritik geht es in der Regel um Dinge, die wir erfahren, erlebt, tief verinnerlicht haben, mit denen wir in Einklang leben, die so ureigen zu uns gehören, dass niemand und nichts ihnen etwas anhaben kann - sie sind in 'erlöstem', ausbalanciertem Zustand. Wir können gelassen einverstanden sein mit Menschen, die es anders sehen, anderes erlebt haben oder unser Wohlbefinden in unserem Sosein attackieren. Bei der anderen Sorte, bei der Kritik, die uns trifft, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Da werden unsere wunden Punkte angesprochen, Mängel, Unheiles, Unharmonisches, noch nicht Integriertes, der Ausbalancierung Harrendes wird aufgerüttelt, in die Sichtbarkeit gezogen. Seien wir den Unruhestiftern dankbar, die da mit grellem Licht in unsere Schattenhöhlen leuchten! Es sind Helfer auf unserem Entwicklungsweg - auch wenn wir sie im ersten Augenblick am liebsten zum Mond schiessen würden - was ja ein veralteter Ausdruck ist. Unterdessen gibt es Wartelisten von Abenteurern, die genau dies wollen: auf den Mond geschossen werden. Wahrscheinlich in der vagen Hoffnung, dort sei's besser, friedlicher, gerechter oder was immer sie für Hochwerte auf der Fahne tragen. Dabei haben wir das schwierigste Reisegepäck immer dabei, auch wenn wir auf den Mond fliegen: uns selbst - oder genauer: unser Ich, das noch nicht unser Selbst ist, sonst bräuchte es nicht mehr herumzufliegen. Aber ich will Ihnen nicht die Sommer-Flugferien vergällen. Fliegen Sie nur zu. Aber machen Sie ab und zu auch Seelenflüge, sie tut sich nämlich erstaunlich leicht damit. Das Check-in entspricht einem Check-out - aus der alltäglichen Betriebsamkeit - , am Schalter stehen Sie selbst, Ihr Selbst, das Ihr Ich empfängt, liebevoll umsorgt und - ganz ohne Kerosen - Richtung Ganzheit (be-)fördert. Diese Flugferien gehen dann allerdings über den Mond hinaus.

Glück - eine Philosophie des Einverstandenseins...
Keine Kunst, glücklich und einverstanden zu sein, wenn sich ein Verleger findet, der den philosophischen Erstling zu einem wunderschönen Buch macht, mit dicken Deckeln, Schutzumschlag und Leseband, in schöner Schrift auf edel-griffigem Papier. Der 600 Seiten starke Brummer eignet sich im Sommer ausgezeichnet zum Blumenpressen und kommt deshalb auch im Frühjahr auf den Markt. - Und da Verleger Herbert Berchtold vom Strub-Verlag (www.neptunart.ch) nicht lange fackelt, fand die erste Lesung aus dem noch gar nicht gedruckten Buch bereits statt. Fernab der Heimat in Ostfildern - einer originellen Vorstadt der schwäbischen Metropole Stuttgart. Dass die Lesung dank dem Kulturchef der Stuttgarter Zeitung vielmehr ein Gespräch mit dem Publikum war, der ganze Anlass dank dem gewieften Veranstalter Ali Layer unter dem attraktiven Titel 'Jazz und Buch' daherkam und die hochkarätige Jazzband den zum Bersten vollen Saal in Glücks-Stimmung blies - ja was soll das anderes sein als eben Glück!

(Juni 05): Geschrieben in einer Schwangerschaft von ziemlich exakt 9 Monaten von März bis November 2003 ging es nun etwas länger, bis das 'Kind' auch so richtig ausstaffiert auf die Reise geschickt werden kann. In wenigen Wochen ist es soweit. In der Schweiz ist es der Strub-Verlag, in Deutschland der Drei Eichen Verlag, der das Buch ins Programm aufnimmt. Wie alle Eltern, die ihr Kind in die Welt hinaus entlassen, mischen sich Freude, Loslassgefühle - und im Hintergrund natürlich eine Prise Erwartung, Hoffnung, dass der 'Lebensentwurf' des Erdenneulings gelingen möge. Bei mir kommt ein fohgemutes Gefühl des Einverstandenseins dazu. Wenn's sein soll, wird es ein paar Leser berühren, wenn's nicht sein soll, dann hat es zumindest mich selbst berührt.

 

"Es ist egal, mit welchem Glauben ein Mensch offen und tolerant ist": Das sagte weder Gandhi noch der Dalai Lama, sondern der New Yorker Event-Manager Asaf Youbiner. Und zu finden ist der Spruch im neusten PKZ-Katalog, nonchalant als Begleitsatz zu eleganter Herrenmode. Diese Vermischung von Philosophie und Handel gefällt mir. Sie gibt dem Handel mehr Tiefe und holt die Philosophie aus dem Elfenbeinturm. Jetzt hoffe ich natürlich, dass die uralte Werbe-Suggestion, dass man mit dem angepriesenen Produkt auch gleich die Schönheit, die Ausstrahlung des Models oder das oft grandiose Ambiente rundherum miterwirbt, sich audehnt auf diesen Satz, auf die Haltung der Offenheit und Toleranz gegenüber Andersdenkenden, Andersgläubigen. Ist nicht alles Denken letztlich nur ein Meinen, ein Glauben, auch wenn es noch so wissenschaftlich herausgeputzt daherkommt? Wenn jeder, der im PKZ einkauft, mit dem Anzug diese Haltung anzöge, sie zu seiner zweiten Haut werden liesse, dann würde meine Behauptung vielleicht schneller wahr, als ich dachte: dass Achtsamkeit - hier ganz stark verstanden als das Achten des Andersseins anderer - zu einer wesentlichen Leitlinie wirtschaftlichen Handelns werden wird in absehbarer Zukunft.

Die Zeit der Reden und Festessen, der (Martini-)Gänse und Platzhirsche ist ausgebrochen! Es ist die Zeit der Jahresschlussessen, wo sich Ranzen auf Bilanzen reimt, wo mit Hilfe vieler Amerikanismen dieselbigen gescholten und das Coming-out, der Turn-around von allem, was typically SWISS ist, heraufbeschworen wird, von der 'Fine Art of Swiss Banking' bis zum Triple A-Ranking des Chüngelizüchtervereins Schwamenhofen. Schwergewichtige Männer, bei denen die Krawatte längst nicht mehr hängt oder gar baumelt, sondern wohlig aufliegt und sich partiell der Waagrechten nähert, mahnen zum Engerschnallen des Gürtels. Smarte Weisszahn-Fitness-Manager trauern um die vielen Mitarbeiter, die der notwendigen Restrukturierung zum Opfer fielen, da noch Verbindlichkeiten von ein paar Milliönchen offen seien aus den Verträgen mit ihren Vorgängern. - Und das Schönste daran, ja das Rührende: oftmals glauben sie es sich selbst, was sie da erzählen - vielleicht als Einzige, aber immerhin. Jedenfalls gibt es viel zu Lachen in den hell erleuchteten Sälen. Ab und an darf ich ein ganz klein wenig mithelfen, dass das Lachen nicht verstummt. Liebend gerne gäbe ich Ihnen ein paar Kostproben aus den Reden, bei denen ich als Hilfs-Schreiberling etwas mitbasteln darf. Nur so viel sei verraten: Es geht auch in der als trocken und geldverrückt geltenden Stadt Zürich weit humorvoller zu, als sich viele vorstellen. Und es gibt in Zürich auch achtsame Führungspersönlichkeiten, die ihre Verantwortung in beeindruckender Weise wahrnehmen.

 

 

Fest des kultivierten höheren Blödsinns

April ist Hoch-Zeit der Zürcher und solcher, die es für einen Tag sein möchten. Jetzt werden wieder die rhetorischen Messer gewetzt und Reden geschrieben. Da wird recherchiert, geplant und gelacht - oft ist die Vorbereitung derart spassig, dass sich das Ganze schon gelohnt hat vor der 'Aufführung' am legendären Sechseläuten, diesem traditionellen Insiderfest, das für die Nicht-Zöiftigen im immer (fast) gleichen Umzug und dem nie ganz gleichen Countdown des Böögg-Lebens auf der Sechseläutenwiese besteht. Was aber über Mittag und vor allem Abends in den Zunftstuben abgeht, ist etwas in unserer auf Effizienz und Seriosität getrimmten Zeit völlig Einmaliges. Gestandene Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, in aller Regel Herren mit furchtbar vollem Terminkalender, nehmen sich Zeit, um teils sowohl inhaltlich wie formal brillante Reden zu schreiben, in denen sie die Freunde, die sie besuchen, die sie einladen oder von denen sie eingeladen wurden, oft bis an die Schmerzgrenze auf die Schippe nehmen. Da werden Dinge gesagt, die ausserhalb dieser geschützten Zone Ehrverletzungsklagen auslösen müssten. Und zwar durchaus nicht nur frei erfundenes, harmloses Zeug. Da darf durchaus knallhart Klartext geredet werden, wenn er witzig verpackt daher kommt. Dass dies zudem in teils abenteuerlichen Verkleidungen geschieht und all die grauen Herren des Alltags als wüste Wüstenscheiche, Kettenhemdritter oder sonst wadenzeigende, komisch Bewamste einherschreiten, dass sogar staubtrockene Gesellen, die sonst in ihren ewig gleichen Mercedessen, Audis und BMW's herumkutschieren, plötzlich auf 1 PS umsteigen und mit dieser einen Pferdestärke oft ihre Liebe Mühe bekunden, rundet das karnevaleske Bild ab und hilft bestimmt dem einen oder andern, aus seiner gewohnten 'Kohlensack'-Rolle zu schlüpfen. Der individualpsychologische Therapie-Effekt ist meines Erachtens mindestens so hoch einzuschätzen wie der gesellschaftliche, der wenigstens für einen Tag Talente wie Kreativität, witzige Spritzigkeit, Einsteckvermögen, Konfliktkultur und eine grosse Portion Selbstironie ins Zentrum rückt. Kein Wunder, dass die Frauen in diese Männer-Bastion einzudringen versuchen mit einer aus Protest gegründeten Frauenzunft. Dagegen ist - meine ich - nichts einzuwenden, wenn sie das Sechseläuten nicht mit einer todernsten Polit-Plattform verwechseln und zum Schauplatz des Geschlechterkampfs zu machen versuchen. Was ihnen - auch wenn sie es noch wollten - keinesfalls gelingen würde. Denn das Fest des kultivierten höheren Blödsinns hat ein paar Jahrhunderte Tradition hinter - und wohl noch mindestens so viele Jahrhunderte vor sich.